Mit Schwamm und Besen: Schüler packen auch in Gütersloh mit an, wenn es um die Sauberkeit im Klassenzimmer geht. Die Limits sind aber nach Aussage von Realschulleiterin Christiane Piepenbrock erreicht. - © dpa
Mit Schwamm und Besen: Schüler packen auch in Gütersloh mit an, wenn es um die Sauberkeit im Klassenzimmer geht. Die Limits sind aber nach Aussage von Realschulleiterin Christiane Piepenbrock erreicht. | © dpa

Gütersloh Forderung nach noch mehr Reinigung in Schulen

Auch in Sekundarschulen sollten die Intervalle verkürzt werden

Gütersloh. Es war viel von Atmosphäre die Rede in der jüngsten gemeinsamen Sitzung des Bildungsausschusses und des Ausschusses für Wirtschaftsförderung und Immobilienwesen (AWI). Wie wichtig eine gute Atmosphäre in den Schulen für den Lernerfolg sei, wurde mehrfach hervorgehoben. Siegfried Kornfeld (Grüne) beispielsweise hielt einen Vortrag über seine eigenen früheren Erfahrungen als Lehrer an einer Bielefelder Schule. Im Zusammenhang mit dem geplanten Neubau der dritten Gesamtschule appellierte der ehemalige langjährige Ratsherr, auf eine vielfältige Architektur zu achten. Gebäude und Räume mit ausschließlich rechten Winkeln schließen, das habe er selbst erlebt, eine gute Atmosphäre aus. Schuldezernent Joachim Martensmeier sicherte zu, im anstehenden Architektenwettbewerb das Thema Atmosphäre aufzugreifen. Es sei in der Tat von großer Bedeutung. Freilich blieb die Frage nach geeigneteren Winkeln als rechten oder gar Rundungen offen. Die anwesenden Architekten des mit der Variantenuntersuchung beauftragten Bielefelder Büros bhp, Kai Brüchner-Hüttemann und Ursula Pasch, äußerten sich zu dem Thema lieber nicht. Allerdings gingen sie auf Nachfrage von Ludger Klein-Ridder (Linke) auf mögliche atmosphärische Störungen in Folge von Baulärm ein. Brüchner-Hüttemann machte keinen Hehl daraus: „Diese Kröte ist zu schlucken, wenn man abschnittsweise baut." Für die neue Gesamtschule wird aller Voraussicht nach die alte Hauptschule Nord zwischen 2018 und 2023 umgebaut und erweitert. Aber auch an anderen Schulen wurde schon über Jahre hinweg renoviert und angebaut, ohne dass Schüler und Lehrpersonal Hörschäden erlitten hätten. Gute Atmosphäre, auch das wurde in der Sitzung zum wiederholten Male deutlich, lässt sich ebenfalls kaum erreichen, wenn die Unterrichtsräume und sanitären Anlagen ständig verschmutzt sind. Deshalb waren die Mitglieder auch ohne zu zögern bereit, ab dem kommenden Jahr 305.000 Euro mehr für die Schulreinigung auszugeben, und zwar dauerhaft jedes Jahr, so wie von der Verwaltung vorgeschlagen. Demnach wird der Putzintervall in den Grundschulen deutlich verkürzt. Dort gibt es künftig täglich Einsätze, also fünf statt 2,5 pro Woche. Außerdem werden die WCs an allen Schulen künftig zweimal am Tag gereinigt. Christiane Piepenbrock, Leiterin der Geschwister-Scholl-Realschule, machte sich dafür stark, dass auch in den Sekundarstufen die Unterrichtsräume täglich gereinigt werden, und zwar möglichst zeitnah. „In einer sauberen Umgebung ist Lernen effektiver." Auf den Hinweis von Ischo Can (CDU), Schüler und Lehrer könnten auch mal selbst zum Besen greifen, sagte Piepenbrock als Sprecherin der weiterführenden Schulen: Das geschehe selbstverständlich, aber man habe inzwischen die Limits dessen, was möglich ist, erreicht. Sollten die Reinigungsintervalle auch in den weiterführenden Schulen verkürzt werden, müsste die Stadt 245.000 Euro zusätzlich bereitstellen. Ob und wann darüber entschieden wird, blieb indes vorerst unklar. Deutlich wurden allerdings die grundsätzlichen Bedenken der Fraktion Die Linke. „Wir nehmen viel Geld in die Hand, um den alten Beschluss hinsichtlich der Fremdreinigung zu stützen", kritisierte deren Vorsitzender Manfred Reese. Wie Ludger Klein-Ridder hielt Reese es für besser, städtische Kräfte einzusetzen statt Aufträge an Fremdfirmen zu vergeben, die ihre Mitarbeiter schlecht bezahlten. Bei eigenem Personal sei die Identifikation mit der Aufgabe wesentlich höher und die Reinigungsergebnisse fielen besser aus. Ob Räume mit rechten Winkeln wenigstens zur Arbeitserleichterung beitragen, wurde nicht thematisiert

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