Sein liebster Ort: André Kuper im Rietberger Gartenschaupark. Seit 2009 kümmert er sich als Vorsitzender des Fördervereins darum. - © Ludger Osterkamp
Sein liebster Ort: André Kuper im Rietberger Gartenschaupark. Seit 2009 kümmert er sich als Vorsitzender des Fördervereins darum. | © Ludger Osterkamp

Kreis Gütersloh Landtagswahl 2017: André Kuper stellt sich vor

Der ehemalige Rietberger Bürgermeister hat sich in der Landtagsfraktion der CDU im Nu eine starke Position erarbeitet. Darauf will er aufbauen

Ludger Osterkamp

Kreis Gütersloh. Zum Gespräch kommt André Kuper mit einem Cooper. Diesen kleinen Spaß gönnt er sich. "Kuper in einem Cooper, da konnte ich schlecht widerstehen." Mit dem blauen Flitzer, Kennzeichen GT - AK, düst er nun von Termin zu Termin, meistens innerhalb seines Wahlkreises: Der 56-Jährige will im Mai wieder in den nordrhein-westfälischen Landtag gewählt werden. Mit großer, absoluter Mehrheit, wenn's geht. Für einen dynamischen Auftritt macht sich das Vorfahren in einem solch flotten Fahrzeug dann gut. Der CDU-Mann hat sich den Gartenschaupark als Treffpunkt ausgesucht. Wenig erstaunlich: Kuper, 15 Jahre lang hauptamtlicher Rietberger Bürgermeister, war derjenige, der die Landesgartenschau 2006 in seine Heimatstadt geholt hat, jene Schau, die als eine der erfolgreichsten gilt, die es landesweit je gegeben hat. Inzwischen ist er Vorsitzender des Fördervereins Gartenschaupark - und stolz darauf, dass der ehemalige LGS-Park der einzige ist, der auf jährlich steigende Besucherzahlen verweisen kann. "Was uns hier gelungen ist, findet über die Grenzen des Landes hinaus Beachtung." 1.200 Mitglieder zählt der Verein. »Je mehr Bürger ich kenne, desto besser vertrete ich sie« Kuper ist in Rietberg vernetzt wie kaum jemand. "Die meisten Leute kennen mich", sagt er. Schwätzchen hier, Schwätzchen dort: Obwohl an diesem kühlen Wochentag wenig los ist in der Altstadt, nehmen sämtliche Passanten, wirklich ausnahmslos, ihren Abgeordneten zur Kenntnis, mit einem Gruß, kurzer Plauderei oder wenigstens einem Kopfnicken. Ob es ihn störe, ein bunter Hund zu sein? "Überhaupt nicht, ich vertrete schließlich die Bürger. Je mehr ich kenne, desto besser kann ich sie vertreten." Im Landtag ist Kuper ein Unikum: Unter den 237 Abgeordneten ist er der einzige, der vorher Bürgermeister war. Diese Erkenntnis hat ihn überrascht. "Ich habe meinen Lebensweg für gar nicht so ungewöhnlich gehalten." Dass Bürgermeister kein Amt auf Dauer sein muss, dass es auch einer Stadt gut tun kann, wenn eine neue Spitze neue Impulse setzt, diese Ansicht vertritt er voller Überzeugung. "Was für andere große Organisationen gilt, gilt auch für Verwaltungen. Frischer Wind ist nicht das Schlechteste." Ob er mit der Amtsführung von Andreas Sunder (FWG) zufrieden sei, dazu äußert er sich nicht. Aus Prinzip. "Ich bin nicht derjenige, der durch die Gegend geht und meint, die Arbeit seines Nachfolgers bewerten zu müssen. So etwas gehört sich nicht." Dass die CDU-Landtagsfraktion ihn aufgrund seiner beruflichen Erfahrung 2012 direkt zu ihrem kommunalpolitischen Sprecher wählte, war daher naheliegend. Wohl niemand sonst bringt eine vergleichbare Kenntnis mit, wie sich Düsseldorfer Landespolitik vor Ort auswirkt. Flüchtlingspolitik? Kuper weiß, wie schwierig sich die Integration in den einzelnen Städten gestaltet und was es für den örtlichen Sportverein bedeutet, ist seine Turnhalle belegt. Bildungspolitik? Über die Folgen neuer Inklusionsvorschriften werden ihm schon die Martinschule (Förderschule des Schulverbandes Rietberg-Verl) und über die Probleme mit Unterrichtsausfall die Schulleiter aus seinem Wahlkreis berichten. Sicherheitspolitik? Wie es um das Sicherheitsgefühl der Bürger bestellt ist, sollte die Polizeiwache in Rheda-Wiedenbrück personell unterbesetzt sein, werden diese ihm schon verklickern. Infrastruktur? Rumpelt es auf der Straße zum Berufsschulzentrum Wiedenbrück, wird er dafür sorgen, dass die Straße, wie aktuell, endlich einen neuen Belag erhält. Stärkung von Wissenschaft und Bildung? Wie segensreich eine medizinische Fakultät in Bielefeld zur Bekämpfung des Hausarztmangels auf dem Lande und wie sehr der heimischen Wirtschaft damit geholfen wäre, den Fachhochschulstandort Gütersloh mit neuen Studiengängen auszubauen, darüber haben ihn Professoren und Unternehmen umfassend unterrichtet. "Bei allem, was ich in Düsseldorf tue, habe ich die lokale Brille auf", sagt Kuper. Politik sei das, was am Ende beim Bürger ankomme, davon sei er überzeugt. Ein Gespür für diese Auswirkungen zu haben, eine Ahnung bezüglich der konkreten Folgen, sei etwas, was er aus den 15 Jahren Bürgermeisteramt mitgenommen habe. »Es ist schön, wenn sich Pläne als richtig erweisen« Nach dem Foto im Gartenschaupark sitzt Kuper jetzt im Café des Lind-Hotels und trinkt einen Tee. 2008 hat das Hotel eröffnet. Kuper, damals Bürgermeister, hatte den Marienfelder Bau- und Entsorgungsunternehmer Eggersmann überzeugen können, dass eine solche Herberge, schön an der Ems am Tor zur Altstadt gelegen, eine gute Idee, heißt: Anlage sein könnte. Dass das Vier-Sterne-Haus derart einschlägt, zwischenzeitlich erweitert wurde, macht ihn froh. "Es ist schön, wenn sich Pläne als richtig erweisen." Die Gründung der Bürgerstiftung, die Anerkennung Rietbergs als staatlich anerkannter Erholungsort, der Gewinn des European Energy Award in Gold, das sind weitere Marksteine, die seine Vita auflistet. Im Landtag vertritt Kuper den südlichen Kreis Gütersloh mit Rheda-Wiedenbrück, Rietberg, Langenberg, Verl und Schloß Holte-Stukenbrock. Seine Partei hat ihn auf ihrer Reserveliste nicht abgesichert, weil sie davon ausgeht, dass Kuper den Wahlkreis direkt gewinnt. Ob er daran Zweifel hat? Eher nicht, wenngleich mit AfD, Grüne, FDP so einige Parteien auf dem Zettel stünden, zu denen Prognosen schwer fielen. 2012, bei seinem Einzug ins Landesparlament, hatte Kuper mit 49,7 Prozent das landesweit viertbeste Wahlkreisergebnis erzielt. Nicht schlecht für einen Anfänger. Und diesmal? Offensiv würde er das nicht herausposaunen, aber vorne die 4 gegen eine 5 einzutauschen, da hätte er nichts gegen. Dass er in Düsseldorf derart durchstarten würde, hätte er nicht für möglich gehalten. "Das ging echt rasant." Seit 2014 ist er einer von fünf stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden, zuständig für die Themen Kommunales, Sport, Integration und Flüchtlingshilfe. Seit Herbst ist er Sprecher der CDU-Abgeordneten aus OWL. Um den Kontakt zur Basis zu halten, bietet er feste Sprechstunden an, in jedem seiner Wahlkreisorte. Und noch etwas: In seiner ersten Landtagsperiode hat er 340 "Kleine Anfragen" aufgegriffen - Anliegen, die die Bürger an ihn heran trugen und mit denen er die Landesregierung auf Trab hielt. Außerdem hat er 60 Plenarreden gehalten. Für so etwas wie Privatleben bleibt da eher wenig Zeit. Morgens die Runde um den Rhein, die nimmt er sich. 5,1 Kilometer ist sie lang, Kuper joggt sie bei jedem Wetter. Und seine vielen Vereinsmitgliedschaften? Förderverein Gartenschaupark, Kuratoriumsvorsitzender Sparkassenstiftung, Mitglied im Präsidium des Städte- und Gemeindebundes, im Linteler Verein "Dorf aktiv", im Schützenverein St. Hubertus, beim Kolping, im Sozialverband, im Karnevalsverein, in diversen Verwaltungsräten, und und und? Die Übergänge zwischen dem Leben eines Berufspolitikers und eines Privatmannes seien fließend, sagt er. Wer sich von Volk und Ämtern fernhalte, neige dazu, die Bodenhaftung zu verlieren. »Das hat unsere Lebenseinstellung massiv geprägt« Die Familie? Mache alles mit. "Der Kontakt ist unheimlich eng", sagt Kuper, seit seiner Krebserkrankung mit Operationen in Münster und dem Schlaganfall seiner Ehefrau Monika umso mehr. "Das hat unser Leben und unsere Lebenseinstellung massiv geprägt." Das Überleben solch schwerwiegender Krankheiten schaffe Verständnis und Nachfühlbarkeit für betroffene Bürger in vergleichbaren Situationen. Monika Kuper assistiert nicht nur ihrem Ehemann ehrenamtlich, sondern auch dem Bundestagsabgeordneten und Parteikollegen Ralph Brinkhaus. Bleibt Zeit für einen Urlaub, sind die Kupers am liebsten in Ägypten unterwegs. Zwei- bis dreimal pro Jahr halten sie sich in Sahl-Hasheesh am Roten Meer auf, 40 Kilometer südlich von Hurghada. Mit den Begebenheiten ist Kuper inzwischen derart vertraut, dass er innerhalb seiner Fraktion als Fachmann für Ägypten und Nordafrika gilt.

realisiert durch evolver group