Hautnah: Franz Jungbluth, Leiter des Gütersloher Stadtmuseums, vor den Bildern der Wanderausstellung "Front 14/18. Der Erste Weltkrieg in 3D." - © Kevin Schwarzbach
Hautnah: Franz Jungbluth, Leiter des Gütersloher Stadtmuseums, vor den Bildern der Wanderausstellung "Front 14/18. Der Erste Weltkrieg in 3D." | © Kevin Schwarzbach

Gütersloh 3D-Fotos aus dem Ersten Weltkrieg im Stadtmuseum Gütersloh

Die Wanderausstellung befördert ihre Besucher direkt an die Front des Ersten Weltkrieges. Grund dafür ist eine besondere Fototechnik

Kevin Schwarzbach

Gütersloh. Kaum sitzt die Brille auf der Nase, steht ihr Träger mittendrin in der Ungeheuerlichkeit des Krieges. Am Straßenrand liegen Gefallene, im Schützengraben trainieren Soldaten für einen möglichen Gasangriff, das Gesicht eines Gefangenen verschwindet unter seinem Blut. Die Wanderausstellung "Front 14/18. Der Erste Weltkrieg in 3D" vermittelt dem Betrachter das Gefühl, hautnah dabei zu sein. Mittels einer Spezialbrille zeigt sie den Ersten Weltkrieg in einer Plastizität, die es in der Region nie zuvor zu sehen gab. "Wir verdanken diese Ausstellungsstücke den zwei Soldaten Karl Bußhoff und Otto Mötje, die das Geschehen an der Westfront mit ihren Stereokameras für ihre Privatsammlungen festgehalten haben", erzählt Franz Jungbluth, Leiter des Gütersloher Stadtmuseums. "Es ist für uns heute oftmals schwer vorstellbar, aber schon damals waren Kameras, auch stereoskopische, keine Seltenheit mehr." Diese sogenannten Stereokameras besitzen zwei nebeneinander liegende Objektive, die das Motiv synchron belichten und zwei Halbbilder entstehen lassen. Eine Übereinanderlegung dieser Aufnahmen vermittelt dem Betrachter dann einen räumlichen Eindruck. "Nachdem das LWL-Medienzentrum zwischen 2007 und 2010 in den Besitz der Bilder gekommen war, hat es diese für die Betrachtung durch die Spezialbrillen aufbereitet", so Jungbluth. Doch nicht bei allen ist der 3D-Effekt erhalten geblieben, manche Fotografien haben an Qualität verloren, andere erzeugen auch ein Jahrhundert später noch eine verblüffende Plastizität. Für Franz Jungbluth überzeugt die Ausstellung aber auch aus anderer Hinsicht. "Diese Bilder waren allein für den privaten Gebrauch der Soldaten gedacht, keine Propaganda wie sie die Briten und Franzosen zu dieser Zeit bereits umfänglich und hochprofessionell betrieben haben." Es sei dieser unverstellte Einblick in den Alltag des Stellungskrieges, der den eigentlichen Wert der Bilder ausmache, meint der Museumsleiter. Tatsächlich machen die Fotos einen spontanen Eindruck. Vermutlich wollten Karl Bußhoff und Otto Mötje Erinnerungen schaffen, womöglich auch festhalten, was sich in Worten nur schwerlich beschreiben ließ. Doch eines zeigen die Bilder in jedem Falle: "Sie vermitteln die Botschaft, dass es auch im Krieg einen eingespielten Alltag gab, dass zwischen all dem Leid eine Routine existierte", meint Franz Jungbluth. Als Motive dienen beispielsweise ein stolzer Pilot im Flieger und Soldaten bei der Hasenjagd oder Schweineschlachtung. Rund 500 Bilder hinterließen die beiden Offiziere, insgesamt 80 zeigt die Wanderausstellung "Front 14/18. Der Erste Weltkrieg in 3D" des LWL-Medienzentrums und des Museumsamtes für Westfalen, die schon in Belgien und Großbritannien zu Gast war und nun im Gütersloher Stadtmuseum zu sehen ist. Doch auch wenn die Fotografien von Karl Bußhoff und Otto Mötje deutlich weniger Gräuel zeigen als die Propagandabilder der Briten und Franzosen rät Franz Jungbluth Jüngeren von einem Besuch ab. "Wenn das Kind mindestens zwölf Jahre alt ist, stellen wir es den Eltern frei, es mit in die Ausstellung zu nehmen. Darunter eher nicht." Und auch für den Zweifelsfall haben die Macher vorgesorgt: Die Ausstellung ist so eingerichtet, dass der Raum mit den dramatischsten Bildern umgangen werden kann.

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