Ist noch immer fassungslos: Den Spielautomaten, auf den einer der maskierten Täter mit einem Schlagstock eingeschlagen hat, hat Gastwirt Peter Roggenkamp (57) inzwischen ausgetauscht. - © Patrick Menzel
Ist noch immer fassungslos: Den Spielautomaten, auf den einer der maskierten Täter mit einem Schlagstock eingeschlagen hat, hat Gastwirt Peter Roggenkamp (57) inzwischen ausgetauscht. | © Patrick Menzel

Gütersloh Kneipengäste schlagen maskierte Räuber im Gütersloher Gasthaus in die Flucht

Wirt geht zunächst von Streich aus

Patrick Menzel

Gütersloh. Peter Roggenkamp wirkt aufgewühlt. Rastlos geht er auf und ab, zieht dabei immer wieder nervös an seiner Zigarette. Was in der Nacht zu Karfreitag, wenige Minuten vor 1 Uhr, in seinem Gasthaus am Brockweg vorgefallen ist, macht den stadtbekannten Kneipier noch immer fassungslos. "Das steckt man nicht so leicht weg", sagt der 57-Jährige. Was war passiert? Peter Roggenkamp hatte die Rollos seiner Gaststätte bereits runtergelassen. An Theke und Tischen saßen noch 15 bis 20 Gäste. Der Wirt zapfte gerade die letzten Biere, als plötzlich vier maskierte Männer in den Schankraum stürmten: alle trugen dunkle Kleidung, schwarze Sturmhauben und waren mit Schlagstöcken bewaffnet. "Ich habe das erst mal für einen bösen Streich gehalten und darauf gewartet, dass die Typen ihre Masken abnehmen und sich ein Bier bestellen", erinnert sich der Gastronom. Doch die Männer meinten es ernst. "Einer stürmte direkt auf mich zu und haute seinen Totschläger auf die Theke, ein anderer drosch auf den Spielautomaten ein, während die beiden anderen Männer am Eingang stehenblieben und die Gäste im Blick behielten", schildert der Wirt die brisante Situation. Laut Roggenkamp waren die vier Täter sichtlich irritiert, dass noch so viele Leute in der Kneipe waren. Mehrere Gäste erkannten schnell den Ernst der Lage und traten den Eindringlingen entschieden entgegen. Die ergriffen daraufhin blitzschnell und unverrichteter Dinge die Flucht - wahrscheinlich, so Roggenkamp, in einem dunklen BMW, wie ihm später eine Mitarbeiterin berichtete. Sie hatte nur wenige Minuten vor dem Vorfall Feierabend gemacht und war gerade auf dem Weg zu ihrem Auto, als das Quartett in Richtung Stadtring Kattenstroth raste. "Die ganze Sache hat maximal zehn, zwanzig Sekunden gedauert", sagt Roggenkamp, der nach der Tat sofort einen Notruf abgesetzt hatte. Trotz sofort eingeleiteter Fahndung mit mehreren Streifenwagen fehlt von den Tätern bislang allerdings jede Spur. Was die Männer von ihm wollten, darüber kann Peter Roggenkamp nur mutmaßen. Während des Angriffs habe der Haupttäter etwas gerufen, sagt der 57-Jährige. Doch was genau, das hat weder Roggenkamp noch einer der anwesenden Gäste verstanden. "Wahrscheinlich wollten sie das Geld aus der Kasse", vermutet der Wirt. Auch die Polizei geht inzwischen von einem versuchten Raubdelikt aus, wie Sprecherin Katharina Felsch auf NW-Anfrage erklärt. Bei den Ermittlungen wollen die Beamten auch mögliche Zusammenhänge zu ähnlichen Taten prüfen. Ein Fall aus dem Nachbarkreis Lippe dürfte sie dabei besonders interessieren. In der Nacht zum 9. April, ebenfalls unmittelbar vor Ladenschluss um kurz vor 1 Uhr, waren zwei dunkel gekleidete und maskierte Männer in eine Gaststätte am Rathausplatz in Oerlinghausen gestürmt. Mit vorgehaltenen Waffen - in diesem Fall soll es sich um Pistolen gehandelt haben - forderten sie die Gäste zur Herausgabe ihrer Handtaschen und Geldbörsen auf. Die Täter erbeuteten dabei nach Polizeiangaben einen kleinen dreistelligen Geldbetrag. "Wir prüfen natürlich, ob beide Überfälle auf das Konto einer Tätergruppe gehen", sagt Felsch. Peter Roggenkamp hofft, dass die Täter ermittelt und zur Rechenschaft gezogen werden können. Aus dem versuchten Überfall werde er Lehren ziehen und sich etwas einfallen lassen, dass so etwas nicht noch einmal passiere. "Das bin ich meinen Gästen und auch mir selbst schuldig", sagt der drahtige Gastronom nach einem letzten, hektischen Zug am Stummel seiner Zigarette.

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