Am offenen Fenster: Beamte eines Spezialeinsatzkommandos versuchen Alexander K. zum Augeben zu überreden. - © Patrick Menzel
Am offenen Fenster: Beamte eines Spezialeinsatzkommandos versuchen Alexander K. zum Augeben zu überreden. | © Patrick Menzel

Gütersloh Angriff im Kreishaus: Psychologe untersucht mutmaßlichen Messerstecher

Das Motiv bleibt weiterhin ungeklärt

Patrick Menzel

Gütersloh. Eine Woche nach dem Messerangriff auf zwei Mitarbeiter der Kreisverwaltung suchen die Ermittler weiter nach den Gründen für die Tat. In einer ersten Vernehmung hatte der dringend tatverdächtige Alexander K. nach Polizeiangaben keine verwertbaren Angaben dazu gemacht, warum er die beiden Bediensteten des Fachbereichs Gesundheit mit einem Haushaltsmesser attackierte. Damit bleibt vor allem die Frage nach dem Motiv des Mannes zunächst unbeantwortet. Neue Erkenntnisse erhoffen sich die Strafverfolger nun von der psychiatrischen Begutachtung des 27-Jährigen, der nach einem richterlichen Unterbringungsbefehl inzwischen in das Zentrum für Forensische Psychiatrie in Lippstadt-Eickelborn eingeliefert worden ist. Hintergrund für diese Vorgehensweise sind die wirren Aussagen K.s nach seiner Festnahme und seine bisherige Krankengeschichte. Neben der Aufklärung der näheren Tatumstände wird vor allem die Rolle der Schuldfähigkeit K.s von großer Bedeutung sein. Ein Psychologe soll in den kommenden Wochen ein Gutachten über die psychische Gesundheit des Verdächtigen erstellen, an dem sich die Richter in einem späteren Gerichtsverfahren orientieren können. Sollte sich dabei die Schuldunfähigkeit des Verdächtigen herausstellen, könnte er nicht durch Haft bestraft werden. Nach Paragraf 20 des Strafgesetzbuches gilt ein Täter als schuldunfähig, der "bei Begehung der Tat wegen einer krankhaften seelischen Störung, wegen einer tiefergreifenden Bewusstseinsstörung oder wegen Schwachsinns oder einer schweren anderen seelischen Abartigkeit unfähig ist, das Unrecht der Tat einzusehen oder nach dieser Einsicht zu handeln." Auslöser hierfür können beispielsweise Psychosen, Hirntumor, Schizophrenie oder andere Persönlichkeitsstörungen sein. Auch Drogen- und Alkoholabhängigkeiten können Gründe für eine Schuldunfähigkeit sein. Stellen Straftäter, die unter solchen Erkrankungen leiden, eine Gefahr für die Allgemeinheit dar, können sie in geschlossene psychiatrische Kliniken eingewiesen werden. Dann sprechen Juristen von einem Maßregelvollzug. Nicht selten erstreckt sich dieser länger, als die Haft für die eigentliche Tat gedauert hätte. Anhaltspunkte dafür, dass K. seine psychische Erkrankung simuliert haben könnte, liegen laut Staatsanwalt Christoph Mackel derzeit nicht vor. Die Strafverfolgungsbehörde ermittelt aktuell wegen des Verdachts eines versuchten Tötungsdeliktes gegen den 27-Jährigen. Ob mit dieser Würdigung auch tatsächlich Anklage erhoben werde, müsse allerdings noch sorgfältig geprüft werden, sagte Mackel.

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