Nicht nur in Tansania war Daniel Kassner oftmals allein auf weiter Flur. - © Privat
Nicht nur in Tansania war Daniel Kassner oftmals allein auf weiter Flur. | © Privat

Gütersloh Gütersloher Postbote durchquert Afrika mit dem Rad

Momentan weilt der 31-jährige Daniel Kassner zwar wieder in heimischen Gefilden, doch ganz beendet ist die Radtour noch immer nicht

Michael Schuh

Gütersloh. Er weilt wieder in der Heimat - allerdings nicht allzu lange. Der Gütersloher Postbote Daniel Kassner hat seine Fahrradtour, die ihn von Südafrika quer durch den schwarzen Kontinent zurück an die Dalke führen soll (die NW berichtete), für einige Wochen unterbrochen. Wegen eines Trauerfalls in der Familie flog er von Spanien aus heim, wird die Tour Ende Januar jedoch fortsetzen. Und ganz so viele Kilometer hat er dann nicht mehr vor der Brust, denn Afrika hat der 31-Jährige bereits auf zwei Rädern komplett hinter sich gelassen. Nachdem er im Mai 2016 in Südafrika gestartet war und anschließend auch Namibia, wo er wegen eines Schlüsselbeinbruchs im Krankenhaus lag, durchfahren hatte, ging es ins Innere des Kontinents: Zunächst stand Sambia mit den beeindruckenden Victoriafällen auf dem Programm, von wo er anschließend Malawi erreichte. Obwohl der recht kleine Binnenstaat bei Europäern weitgehend unbekannt ist, zeigte sich Kastner davon sehr angetan: "Malawi war das ärmste Land auf meiner Tour, aber die Malawier sind unheimlich nett." Und offenbar auch ziemlich cool: Denn als der Gütersloher drei Tage mit einem Schiff den Malawisee, den neuntgrößten See der Welt, bereiste, gestattete ihm das Bordpersonal, sein Zelt auf dem Oberdeck aufzuschlagen und dort zu nächtigen. Das wäre auf einem europäischen Kreuzfahrtschiff wohl kaum möglich gewesen. Im Sattel ging's dann weiter nach Tansania, wo der 31-Jährige aus der Ferne zwar den Schnee auf dem Kilimandscharo bewundern konnte, aber auch schlechte Erfahrungen machte: "In einigen Gegenden hat der Tourismus die Menschen wirklich verdorben. Sie sehen die Europäer als wandelnde Kreditkarten." Nichtsdestotrotz verbrachte er spontan eine Woche auf der vorgelagerten Insel Sansibar, "um es ein paar Tage ruhig angehen zu lassen." Frische Kraft konnte Kassner gut gebrauchen, galt es anschließend doch, den Saadani-Nationalpark entlang der Küste zu durchqueren. Die dort lebenden Löwen liefen ihm nicht vors Rad - dafür sah er Antilopen und Affen-Gruppen. Obwohl manche Primaten die Scheu vor Menschen abgelegt haben und aufdringlich werden können, zeigt sich der Gütersloher von anderen tierischen Reisebegleitern weniger begeistert: "In einer Toilette in Malawi gab es Kakerlaken. Aber nicht solche, die man vielleicht aus Europa kennt. Die dortigen waren fünf bis zehn Zentimeter lang." Nach der Fahrt durchs Massai-Gebiet in Kenias Hauptstadt Nairobi angekommen, entschied sich Kassner, mit dem Flugzeug nach Marokko weiterzureisen. Ansonsten hätte er mit Äthiopien, Eritrea oder dem Südsudan auf jeden Fall ein Krisengebiet passieren müssen - eine unkalkulierbare Gefahr. Als er schließlich Marokko und Gibraltar hinter sich gelassen hatte, erreichte den 31-Jährigen die traurige Nachricht vom Todesfall in der Familie und er flog heim. Schon am 27. Januar wird er aber mit seinem Vater im Auto nach Spanien fahren, von wo er schließlich nach Hause radeln will. Einen Stopp möchte Kassner in Güterslohs Partnerstadt Châteauroux einlegen - und zwar mit besonderer Post im Gepäck. Am kommenden Dienstag hat er nämlich einen Termin bei Bürgermeister Henning Schulz, der ihm ein Grußschreiben mit auf den Weg gibt. Überhaupt kann der Globetrotter den Heimweg genießen: Erst am 2. Mai tritt er seinen Dienst bei der Post wieder an. Beneidenswert.

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