Setzt sich ein: Der Zahnarzt Klaus Wolfrom. - © Privat
Setzt sich ein: Der Zahnarzt Klaus Wolfrom. | © Privat

Gütersloh Gütersloher Zahnarzt arbeitete ehrenamtlich in Gambia

Zähneziehen ohne Strom und Wasser

Gütersloh. Ursprünglich suchte er Informationen über ein exotisches Urlaubsziel. Dann aber stieß der Gütersloher Zahnarzt Klaus Wolfrom Anfang 2016 bei der Recherche über den westafrikanischen Kleinstaat Gambia auf die Website des Vereins "Gambia-Hilfe Gütersloh", der im Ort Changally eine Krankenstation, die "Wolters-Clinic", betreibt. Der Umstand, dass es dort auch einen Zahnbehandlungsraum gibt, weckte seine Neugierde - und der Urlaub rückte in den Hintergrund. Wolfrom kontaktierte die Gambia-Hilfe und führte mehrere Gespräche mit Brigitte Eickholt, die selber zwanzig Jahre in Gambia gelebt und den Verein mitgegründet hat. Schließlich entschied sich Klaus Wolfrom, die Klinik zu besuchen und einen Arbeitsaufenthalt zu planen. Vor Ort im ärmlichen, im Osten des Landes gelegenen Changally war der Gast aus Deutschland von der Gastfreundschaft und dem herzlichen Empfang der Bewohner beeindruckt - und machte jetzt im Herbst Nägel mit Köpfen. Im Oktober, kurz nach der Regenzeit und während der heißesten Zeit des Jahres, reiste Wolfrom erneut in das Dorf Changally. Die Strecke von der Hauptstadt Banjul - mit 31.000 Einwohnern etwa so groß wie Rietberg - zum Zielort ist rund 350 Kilometer lang. Mit dem Jeep auf zum Teil unbefestigten Straßen dauerte die Fahrt jedoch etwa sieben Stunden. In seiner ersten Woche in Changally befreite Klaus Wolfraum viele Menschen von ihren oft monatelangen Schmerzen. Denn im weiteren Umkreis gibt es keine Möglichkeit, sich behandeln zu lassen. Dabei behandelte der Gütersloher unter erschwerten Bedingungen: Die Klinik hat keine Stromversorgung, nur eine kleine Solaranlage. Somit musste er sich auf das Ziehen von Zähnen beschränken. Auch die Wasserversorgung gestaltete sich schwierig. Da ein vorhandenes Windrad defekt war, musste das Wasser mit Kanistern von einem weit entfernten Brunnen zur Klinik getragen werden. Bei 40 Grad im Schatten wurden die Patienten auf einem alten Bundeswehr-Zahnarztstuhl behandelt. Etwas Erleichterung verschaffte Wolfrom ein kleiner Ventilator. Glücklicherweise waren vorab Instrumente, Material und Medikamente in einem Container von Berlin nach Gambia verschifft worden - sonst wären sie nicht vorrätig gewesen. Auch nach seinem Arbeitseinsatz möchte der Zahnarzt den Menschen in Changally weiter helfen - womöglich schon Anfang 2017, wenn er zusammen mit einer weiteren Ärztin erneut nach Gambia reist. Zudem will er zu einer besseren Strom- und Wasserversorgung beitragen. Brigitte Eickholt ist froh, dass der Verein Gambia-Hilfe nach längerer Zeit wieder Unterstützung von Medizinern gefunden zu hat, da es in dem Land nicht genug Ärzte gibt. "Die Krankenpfleger müssen vieles übernehmen", erläutert Eickholt. "Sie verschreiben Medikamenten, behandeln Wunden oder leisten Geburtshilfe." Da es im Dorf und im weiten Umfeld keine Autos gibt, wird nun mit Hilfe von Spenden ein Fahrzeug angeschafft, damit Schwerkranke nicht mehr auf einem Eselswagen in ein größeres Krankenhaus gebracht werden müssen. "Es ist uns ein großes Anliegen, den Menschen in ihrem alltäglichen Leben zu helfen", sagt Eickholt. "Denn viele haben schon aus Existenzängsten das Land verlassen."

realisiert durch evolver group