Gütersloh Wie die Stasi mit "verdächtigen" Autofahrern umging

Autofahrer, die in die Nähe von militärischen Gebäuden kamen, galten in der DDR 
als verdächtig. In der Kfz-Kartei der Stasi finden sich auch zahlreiche Gütersloher wieder

Jens Ostrowski

Gütersloh. Im Ministerium für Staatssicherheit führten mehrere Abteilungen sogenannte Kfz-Kennzeichen-Karteien zu verschiedenen Zwecken. Unter anderem registrierte darin die Observationsabteilung der Stasi Kfz-Kennzeichen. „Die Mitarbeiter dieser Abteilung haben andere Menschen beschattet, sie heimlich fotografiert, Wanzen installiert und dergleichen mehr. Gelegentlich operierte diese Abteilung auch im Westen. Vor allem aber gerieten Westdeutsche in ihr Visier, wenn sie sich in der DDR aufhielten. Es genügte, wenn sie mit ihren Autos an bestimmten militärischen oder staatlichen Objekten vorbeifuhren oder vor solchen Gebäuden parkten, um in Spionageverdacht zu geraten", erklärt Georg Herbstritt, Historiker bei der Stasi-Unterlagenbehörde in Berlin. Die Observationsabteilung notierte die Kennzeichen solcher Fahrzeuge und glich später ab, welcher Halter zum Fahrzeug gehört. „So konnten auch unbescholtene Bürger schnell ins Visier der Stasi geraten", erklärt Herbstritt. Kfz-Kennzeichen wurden aber auch in der Feindobjektkartei festgehalten. „Hier sind Informationen über Fahrzeuge notiert worden, die Personen oder Institutionen von Feindobjekten in der Bundesrepublik zuzuordnen sind. Zum Beispiel Mitarbeiter der Gesellschaft für Menschenrechte in Frankfurt am Main, die sich für ausreisewillige DDR-Bürger eingesetzt hat und deshalb als Feindorganisation galt", sagt Herbstritt. Über die Jahre gerieten in der DDR auch immer wieder Bürger aus dem Kreis Gütersloh ins Visier. Sieben Karteikarten auf dieser Seite zeigen beispielhaft, in welchen Situationen die Stasi auf Gütersloher aufmerksam wurde. Weitere Kennzeichenkarteikarten finden Sie in unserer Fotostrecke:

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