Ein Kapitel der Vereinsgeschichte geschlossen, ein neues eröffnet: Giesbert Nunnemann (Vorsitzender des Heimatvereines, l.) und Matthias Trepper (Geschäftsführer Heimatverein) mit der zur Ehrenvorsitzenden ernannten Renate Horsmann. ⋌FOTO: JENS DÜNHÖLTER - © Jens Dünhölter
Ein Kapitel der Vereinsgeschichte geschlossen, ein neues eröffnet: Giesbert Nunnemann (Vorsitzender des Heimatvereines, l.) und Matthias Trepper (Geschäftsführer Heimatverein) mit der zur Ehrenvorsitzenden ernannten Renate Horsmann. ⋌FOTO: JENS DÜNHÖLTER | © Jens Dünhölter

Gütersloh Gütersloher Heimatverein sorgt sich um die Zukunft

Giesbert Nunnemann will als neuer Vorsitzender des Heimatvereines und als „pragmatischer Arbeiter“ den immer älter werdenden Verein vor dem Aussterben retten

Gütersloh. Die Grand Dame des Heimatvereins Gütersloh hat ihren Posten abgegeben. 26 Jahre lang leitete Renate Horsmann die Geschicke des Trägervereines des Heimatmuseums. Wie angekündigt, verzichtete die 75-Jährige jetzt bei der Jahreshauptversammlung im Brauhaus auf ihre Wiederwahl. Statt ihrer leitet nach dem einstimmige Votum nun Giesbert Nunnemann die Geschicke des 318 Mitglieder zählenden Vereins. „Für den Heimatverein geht eine Ära zu Ende", sagte der 68-Jährige bei seiner ersten Amtshandlung. Horsmann bleibt dem Verein „mit dem wohl höchsten Altersdurchschnitt im Stadtgebiet" weiter erhalten. Als Dank für ihre großen Verdienste wurde sie von den Anwesenden zur Ehrenvorsitzenden ernannt. Eine Feier zur Übergabe der Urkunde ist für den kommenden Februar geplant. „Angesichts Ihrer Leistungen haben Sie es nicht verdient, zwischen trockenen Tagesordnungspunkten verabschiedet zu werden", so Nunnemann. Mit dem bald 90-Jährigen Ehrenvorsitzenden Otto Walger zählte Horsmanns Amtsvorgänger zu den ersten Gratulanten. „Es war immer sehr viel Herzblut dabei", sagte Horsmann. „Das Loslassen fällt schon sehr schwer." Mit Giesbert Nunnemann tritt ein waschechter Gütersloher die Nachfolge an. „Er ist sogar mit Dalkewasser getauft", scherzt Stadtarchivar Stephan Grimm. Am 1. April 1966 begann der diplomierte Verwaltungswirt seine Ausbildung bei der Stadt, der er 47 Jahre bis zur Pensionierung 2013 die Treue hielt. Bekannt wurde Nunnemann unter anderem als langjähriger stellvertretender Leiter des Büros des Rates und des Bürgermeisters. Dabei war es ihm vergönnt mit gleich vier Stadtoberhäuptern Heinz Kollmeyer (1964 – 1979), Adolf Gräwe (1979 – 1985), Karl-Ernst Strohmann (1985 – 1994) und Maria Unger (1994 -2015) zusammenzuarbeiten. Die zwei letztgenannten waren sogar persönlich zu seiner Wahl im Brauhaus anwesend. Auch Vereinsarbeit ist ihm nicht fremd. Bis zur Übergabe an die Gütersloh Marketing im Jahre 2003, war Nunnemann als Geschäftsführer sowie zwei Jahre als zweiter Vorsitzender des Vereines Michaeliswoche für die Organisation großer Stadtfeste gefragt. Dem Heimatverein gehört er seit drei Jahren an, seit zweieinhalb Jahren ist er stellvertretender Geschäftsführer auf. „Meine weitere Lebensplanung sah nicht vor, das Amt des Vorsitzenden zu übernehmen", räumte Nunnemann mit Blick auf das doch recht überschaubare Bewerberfeld für den Posten ein. Damit es im Verein weiter gehe, habe er dann doch zugestimmt. Als „pragmatischer Arbeiter" wolle er einige Problemfelder beackern. Auf den Heimatverein kämen demnach Veränderungen zu, „aber nicht alleine um der Veränderung wegen, sondern im Sinne der positiven Verbesserung". Ins Auge gefasst hat Nunnemann die sinkende Mitgliederzahl sowie die Altersstruktur, der man zwingend entgegensteuern müsse. „Es muss gelingen, mehr Interesse zu wecken. Ansonsten droht ein Aussterben des Vereines", warnt der neue Vorsitzende. Auch das Museum als Kostenfaktor bereite dem Vorstand Sorgen. Schon die Unterhaltung denkmalgeschützten Gebäude sei eine Herausforderung, hinzu käme die in die Jahre gekommene technische Ausstattung. Daher werde es ab 2017 einen Wirtschaftsplan als Entscheidungshilfe geben. „Die Behebung der skizzierten Mängel verursacht einen erheblichen finanziellen Aufwand, den der Verein als Träger des Museums in absehbarer Zeit nicht alleine stemmen kann", stellte Nunnemann trotz des von Schatzmeisterin Ingrid Schrader errechneten Jahresüberschusses von rund 27.000 Euro fest. „Wir brauchen Unterstützung." Neben Renate Horsmann wurde auch Haushandwerker Reinhard Sudahl (65) verabschiedet. Der Spezialist von maßstabsgetreuen Miniaturen wie etwa von Theater, Martin-Luther-Kirche oder Rathaus war fast 24 Jahre in Diensten des Heimatvereines.

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