Harte Währung: Petra Stracke (C&A) mit einem Markstück. - © Michael Schuh
Harte Währung: Petra Stracke (C&A) mit einem Markstück. | © Michael Schuh

Gütersloh Die D-Mark lebt im Kreis Gütersloh noch immer

Auch 15 Jahre nach der Umstellung gibt es im Kreis noch Geschäfte, in denen man mit der alten Währung bezahlen kann

Michael Schuh

Gütersloh. In vier Wochen jährt sich die Währungsumstellung zum 15. Mal: Am 1. Januar 2002 löste der Euro die D-Mark als Zahlungsmittel ab. Inzwischen gibt es kaum noch alte Scheine und Münzen, möchte man meinen. Doch weit gefehlt: Laut Bundesbank waren im Sommer 2016 noch sage und schreibe 12,76 Milliarden D-Mark im Umlauf. Somit hat jeder Durchschnittsdeutsche 158 Mark im Sparschwein oder unter der Matratze; in Gütersloh warten statistisch über 15 Millionen, im gesamten Kreis sogar 55 Millionen Mark darauf, umgetauscht oder ausgegeben zu werden. Denn auch Letzteres ist möglich: Es gibt tatsächlich noch Geschäfte, in denen man mit der guten alten Mark bezahlen kann. In Fritzes Schnellimbiss in Gütersloh stellt sich die Frage nach der Gültigkeit der alten Währung erst gar nicht: "Bei uns können Sie auch in DM bezahlen! Scheine und Münzen!", verkündet ein Schild über der Kochzeile. Und nicht nur das: Hinter allen Gerichten steht groß der Preis in Euro und etwas kleiner auch in Mark. "Wir werden immer noch mit D-Mark gefüttert", sagt Inhaber Fritz Bökenhans. "Mal ist es ein Hunderter in der Woche, mal ein Fünfziger, mal ein Zehner." Als vor knapp 15 Jahren die Umstellung kam, habe er die DM zunächst angenommen, weil noch so viel davon im Umlauf war: "Und dabei ist es geblieben." Bei den Gästen mit der ungewöhnlichen Zahlweise handele es sich zum Beispiel um Gütersloher, die die Wohnung ihrer Eltern aufgelöst haben: "Und irgendwo im Kleiderschrank fanden sie noch D-Mark." Des Öfteren würden Kunden auch mit DM-Sondermünzen die Rechnung begleichen; meist, weil sie zuvor feststellten, dass diese häufig nicht mehr wert sind als der übliche Tauschkurs in Euro. Vor ein paar Jahren habe ein Junge sich mehrfach Pommes bei ihm gekauft und mit solchen speziellen Prägungen bezahlt, erinnert sich Bökenhans lachend: "Eines Tages stand die Mutter im Imbiss und sagte, dass es sich dabei um die Münzsammlung des Vaters gehandelt habe. Glücklicherweise hatten wir noch alle Exemplare, so dass wir sie zurücktauschen konnten." Apropos tauschen: Wer mit Mark zahlt, bekommt als Wechselgeld Euro zurück - den Kurs berechnet die Kasse automatisch. Auch im Schuhhaus Potthoff an der Berliner Straße in Gütersloh weist ein Schild auf die Annahme von D-Mark hin. "Den letzten Zwanziger hatten wir im Oktober", erinnert sich Fachverkäuferin Susanne Bütow. Sie schätzt aber, dass mittlerweile nur noch alle zwei Monate ein Kunde mit der alten Währung Schuhe kauft; am häufigsten in der Weihnachtszeit: "Wenn Senioren zu Hause D-Mark gefunden haben und Geschenke einkaufen wollen." Ein ganz besonderer Fall ereignete sich im vergangenen Jahr zur Adventszeit, als eine ältere Dame offenbar noch ein Bündel Hunderter besaß, dieses aber wegwerfen wollte, weil sie glaubte, das Geld sei nichts mehr wert. Glücklicherweise erzählte sie ihrer Enkelin davon, die leicht verdattert erklärte, dass man die Scheine entweder umtauschen oder in manchen Läden sogar damit bezahlen könne. Wenn das so sei, antwortete die Großmutter, würde sie der Enkeltochter das Geld schenken. "Und so haben Enkelin und Oma bei uns Schuhe gekauft und diese mit D-Mark bezahlt", erzählt Susanne Bütow. "Kein Problem." Doch es sind nicht nur einige Einzelhändler, die der fast historisch anmutenden Währung weiterhin ihr Vertrauen schenken. Die komplette Modekette "C&A" nimmt immer noch sowohl D-Mark-Scheine als auch Pfennig-Münzen an - und das, obwohl manche Mitarbeiter fast noch zu jung sind, um sich an die Mark zu erinnern. "Aber bei uns sind alle darüber informiert", erklärt Petra Stracke, Teamleiterin in der C&A-Filiale Gütersloh, dass alle Kollegen wissen, welches Geld sie da in Händen halten. Meist handele es sich dabei um Münzgeld, wobei es durchaus schon mal vorgekommen sei, dass jemand einen ganzen Beutel voll auf die Ladentheke stellte. In diesem Falle geht die Mitarbeiterin dann in einen separaten Raum, um nachzuzählen - nach 15 Jahren ein außergewöhnlicher Service. Auch Gesine Klack, Inhaberin der Versmolder Buchhandlung Krüger, ist nicht zimperlich: "Ich nehme alles - Scheine und Kleingeld." Dabei ist ihr - wie den anderen Händlern auch - sehr wohl bewusst, dass man die Mark nicht in jeder beliebigen Bank, sondern nur bei einer Filiale der Deutschen Bundesbank eintauschen kann: "Die nächste ist in Bielefeld. Da bin ich ohnehin öfter."

realisiert durch evolver group