Erfreut sich großer Beliebtheit: Die Platzausnutzung im Theater liegt erneut bei über 80 Prozent. - © Marten Siegmann
Erfreut sich großer Beliebtheit: Die Platzausnutzung im Theater liegt erneut bei über 80 Prozent. | © Marten Siegmann

Gütersloh Gütersloher Kultur kommt mit weniger Geld aus

Der Bertelsmann-Kongress und Krankheitsfälle bescheren dem Theater und der Stadthalle unerwartet ein besseres Ergebnis. In den Folgejahren sieht das anders aus

Ludger Osterkamp

Gütersloh. Die Kulturräume kommen in diesem Jahr mit weniger Zuschuss aus. In seinem aktuellen Quartalsbericht geht Kulturdezernent Andreas Kimpel davon aus, bis Jahresende 240.000 Euro weniger als geplant zu brauchen - statt 4,676 Millionen Euro fahren Theater und Stadthalle 2016 ein Minus von 4,436 Millionen Euro ein. Den Großteil davon, 3,488 Millionen Euro, buttert die Stadt direkt zu; der Rest resultiert aus Kapitalverschiebungen. Kimpel führt das bessere Ergebnis auf zwei Gründe zurück: Geringere Personalkosten sowie höhere Mieteinnahmen. Die Personalkosten liegen demnach um 100.000 Euro unter Plan, weil einige Mitarbeiter längerfristig krank waren beziehungsweise sind. Bei den Einnahmen schlägt vor allem der Manager-Kongress von Bertelsmann zu Buche: Er spülte unerwartete 100.000 Euro in die Kasse. Außerdem verzeichnete die Stadthalle eine um 30.000 Euro höhere Gastronomiepacht. Erfreuliche Nachrichten also insgesamt - zumal sich laut Kimpel auch eine weiterhin gute Auslastung des Theaters abzeichnet. 80 Prozent strebt die Stadt für die im September begonnene neue Saison an, und sie ist auf gutem Weg: Bis Ende Oktober habe die Auslastung des Theatersaals bei 82 Prozent gelegen. Theatersaal ist in dieser Saison zu 82 Prozent ausgelastet Kimpel und der kaufmännische Geschäftsführer Ralph Fritzsche legten auch den Wirtschaftsplan für 2017 vor. Demnach gehen die Kulturräume im kommenden Jahr von einem auf 4,73 Millionen Euro ansteigenden Verlust aus - etwa 300.000 Euro mehr als in diesem Jahr. Das sei im wesentlichen auf Personal- und sonstige Kostensteigerungen zurückzuführen. Der Stellenplan bleibe im Umfang unverändert, allerdings greift ab 1. Februar eine Tariferhöhung von 2,35 Prozent. In den Folgejahren geht die Stadt von einem jährlich um zwei Prozent steigenden Tarif aus. Bis 2020, so die weitere Finanzplanung, wird der Jahresverlust auf eine Höhe von 5,126 Millionen Euro gestiegen sein; der städtische Zuschuss würde sich dann auf 3,938 Millionen Euro belaufen. Das Theater führe eine Minus von 3.006 Millionen Euro ein (2016: 2,694 Millionen Euro), die Stadthalle ein Minus von 2,13 Millionen Euro (2016: 1,982 Millionen Euro). Bei den Einnahmen, das macht sich allerdings auch aktuell schon bemerkbar, spielt überdies eine Rolle, dass die Politiker im Kulturausschuss 2013 beschlossen hatten, Vereinen, die Stadthalle oder Theater nutzen wollen, 100 Prozent Rabatt auf die Grundmiete zu gewähren - das macht immerhin 94.000 Euro pro Jahr aus. Was die Investitionen betrifft, wird, wie am Samstag berichtet, vor allem die Sanierung der Stadthallenfassade das Ergebnis belasten. Doch ist laut Wirtschaftsplan 2017 auch geplant, das Parkett im großen Saal der Stadthalle zu erneuern: 150.000 Euro stehen dafür im Etat. Auch das Theater, obwohl beileibe nicht alt, zeigt erste Verschleißerscheinungen: Die Kulturräume halten es für erforderlich, den Ansatz für Veranstaltungstechnik um 25.000 auf jährlich 75.000 Euro zu erhöhen. Zudem ist geplant, ein besseres Lautsprechersystem zu kaufen, wenn auch erst 2018. Aktuell leiht sich die Stadt etwa zehn Mal im Jahr zusätzliche Lautsprecher aus, wofür eine Miete von etwa 4.000 Jahr pro Jahr anfällt. Ein neues, eigenes Systems habe sich in drei Jahren amortisiert.

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