In schöner Kulisse: Bühnen-Maestro Frank Kleintopf und Mitglieder des Damenkreises brachten Weihnachtliches auf die Bühne. ⋌Fotos: Patrick Menzel - © Patrick Menzel
In schöner Kulisse: Bühnen-Maestro Frank Kleintopf und Mitglieder des Damenkreises brachten Weihnachtliches auf die Bühne. ⋌Fotos: Patrick Menzel | © Patrick Menzel

Gütersloh Gute Nachrichten bei der Bertelsmann-Pensionärsfeier in Gütersloh

Erstmals seit Bestehen fällt sie in den Advent – was der Stimmung und dem Bühnenprogramm durchaus zuträglich ist

Ludger Osterkamp

Gütersloh. Terminfindungsschwierigkeiten können auch ein Segen sein. So kam es, dass die 33. große Pensionärsfeier Bertelsmanns die erste war, die in den Advent fiel. Die Frage, welches Motto in diesem Jahr die Bühnenshow prägt, war damit schon mal geklärt: Es wurde weihnachtlich, was sonst? Auf den Tischen Kerzen und Christsterne, unter der Decke ein goldener Engel, die Bühne im weihnachtlichen Rot beleuchtet: Sie fanden eine stimmungsvolle Kulisse vor, die 1.100 Bertelsmann-Rentner, die sich gestern in die Stadthalle aufgemacht hatten. Wie beachtlich diese Zahl ist, machte Liz Mohn in ihrer Begrüßungsansprache deutlich: Jeder dritte Ex-Bertelsmann (wobei es die laut Liz Mohn gar nicht gibt) aus dem Kreis Gütersloh war erschienen. Dieser Zuspruch zeige deren große Verbundenheit zum Haus, so Mohn. Sie wurden belohnt mit einem Bühnen- und Unterhaltungsprogramm, durch das sich das Weihnachtsmotto wie ein roter Faden zog – von der Tischdekoration über einen kleinen Markt im Foyer der Stadthalle bis hin zum Auftritt eines Gospelchors. Dieser Chor, sieben afroamerikanische Sänger unter dem Namen „AfroGospel", bescherten dem Publikum intensive Momente – mal energiegeladen, mal weihevoll. Sie anstelle der sonst üblichen Stars auftreten zu lassen, erwies sich als kluge Entscheidung: Manch ein Pensionär, der vor allem kommt, weil er sich mal wieder mit den alten Kollegen unterhalten will, hatte die Auftritte von Rudolf Schock, Heino, Angelika Milster oder Patrick Lindner eher als zu übertönende Hintergrundmusik verstanden – für die Gäste kein Problem, für die empfindsameren unter den Künstlern dagegen schon. Dramaturgisch ansprechend, teilte sich das wie immer von Regisseur Frank Kleintopf organisierte Bühnenprogramm in 24 Kurzauftritte auf – hinter jedem Türchen einer. Nicht nur Kleintopf, Büroleiter Liz Mohns, tat sich dabei hervor: Die Mitglieder des Damenkreises tanzten und sangen zu „Last Christmas", dass es eine Freude war – was bei diesem Lied ab sich schon eine bemerkenswerte Leistung darstellt. Auch zu „Rockin’ around the christmas tree" gaben sie gute Figuren ab, ebenso wie die Bertelsmann-Betriebsräte um Helmut Gettkant und dessen in die Personalabteilung als Job-Scout gewechselten Vorgänger Horst Keil zu „Feliz Navidad". Der Knabenchor Gütersloh unter Leitung von Sigmund Bothmann machte ein weiteres Türchen auf, desgleichen die Tanzschule „dance air" sowie Zweitklässler der Grundschule Nordhorn, die mit Anja Kruse ein zauberhaftes Bild zu „In der Weihnachtsbäckerei" auf die Bühne brachten. Dazwischen Unterhaltungstitan Kleintopf, der in einem flammenzüngelnd illuminierten Mantel „The power of love" von Frankie goes to Hollywood besang. Die Ansprachen und Neuigkeiten zum Hause Bertelsmann, vorgetragen von Liz Mohn, Konzernchef Thomas Rabe und Personalvorstand Immanuel Hermreck, die gab es freilich auch. Liz Mohn, 75, berichtete von ihren Reisen in die USA, nach Brasilien, Indien und China und davon, dass sie eigentlich längst unten in den Besucherreihen sitzen müsse, aber es fehle ihr einfach die Zeit dafür. Die aktuellen Wirtschaftszahlen lieferte, wie es sich gehört, Thomas Rabe. Bertelsmann sei so ertragsstark wie nie zuvor, und erstmals seit Jahren sei es dem Unternehmen wieder gelungen, organisch aus eigener Kraft zu wachsen. Warum? Weil man mit der Strategie, auf die wachstumsstarken Bereiche und Märkte zu setzen, richtig fahre. Auf das USA-Geschäft beispielsweise, dessen Umsatzanteil in den vergangenen Jahren von 14 auf 22 Prozent gestiegen ist und der bald bis 30 Prozent wachsen soll. Oder auf die Umsatz- und Ertragsschübe, die der frühe Fokus auf Digitalisierung mittlerweile zeitige. Auf den Milliardengewinn, der unterm Strich nach 2015 auch dieses Jahr wieder zu erwarten sei. Und damit auf die Möglichkeit, des Pensionärs Herz zu erwärmen, indem er, Rabe, am Ende seiner Rede den Norbert Blüm gab: „Die Bertelsmann-Rente ist sicher!"

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