Herr der Päckchen: Ulrich Franzke sitzt inmitten der Weihnachtspäckchen, die in wenigen Wochen nach Ungarn und Rumänien gebracht werden. - © Guitano Darhoven
Herr der Päckchen: Ulrich Franzke sitzt inmitten der Weihnachtspäckchen, die in wenigen Wochen nach Ungarn und Rumänien gebracht werden. | © Guitano Darhoven

Gütersloh Gütersloher sammelt seit 25 Jahren Weihnachtspakete für bedürftige Kinder

Ulrich Franzke wurde für seinen unermüdlichen Einsatz sogar mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt

Guitano Darhoven

Gütersloh. Wie viel Freude passt in einen Schuhkarton? "Eine ganze Menge", weiß Ulrich Franzke. Auch wenn er nicht gerade wie ein Weihnachtsmann aussieht, so sorgt er trotzdem seit 25 Jahren dafür, dass möglichst viele Straßen- und Waisenkinder in der rumänischen Gemeinde Timisoara und Zigeunerkinder im südungarischen Komlo jedes Jahr zu Weihnachten etwas Lebensfreude erfahren. "Möglich wird all das nur, weil so viele Bürger spenden", sagt der 72-Jährige und verweist auf einen Stapel schuhkartongroße und mit Weihnachtspapier beklebte Pakete. Tausende Kinder und Jugendliche haben in den vergangenen 25 Jahren große Freude in kleinen Schuhkartons erleben dürfen. Ulrich Franzke macht dieser Gedanke daran glücklich. Denn es sind die Ärmsten der Armen, die sich meist riesig über ein kleines Stück friedliche Weihnachten freuen. Gespendet von Gütersloher Bürgern, werden die schuhkartongroßen und meist weihnachtlich verpackten Präsente vor Ort in Timisoara von Mechtild Gollnick und in Komolo von Aniko Kalman verteilt. Damit die Kinder auch in diesem Jahr wieder etwas Freude erleben dürfen, bittet Franzke um rege Beteiligung an seiner Weihnachtspäckchen-Aktion. Damit kein Neid bei den beschenkten Kindern aufkommt, bittet er darum, nur Schokolade, Marzipanbrote, Nüsse oder Mandeln, Kekse, Süßwaren oder Bleistifte oder Kugelschreiber in die Schuhkartons (ab Größe 42) zu packen. Zudem sei es wichtig, die Päckchen gut zu verschnüren, damit sie die lange Reise unbeschadet überstehen, sagt er. Annahmestellen sind die Augenarztpraxis Dr. Sebastian Weiß (Unter den Ulmen 40), Gemini Media (Berliner Straße 153) und GT-Info Flöttmann-Verlag (Schulstraße 10). Der große Päckchen-Aktionstag findet am Samstag, 3. Dezember, von 9 bis 13 Uhr auf dem Parkplatz des Flöttmann-Verlags statt. Begonnen hat alles Ende 1990 mit den Balkankriegen, die bis 1999 nicht nur die ehemaligen jugoslawischen Republiken Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina sowie den Kosovo verwüsteten, sondern auch Hunderttausenden Menschen Vertreibung, Tod, Verwundung, Obdach- und Heimatlosigkeit brachten. Ulrich Franzke erfuhr das ganze Ausmaß des Leidens während eines Besuchs 1990 in einem Flüchtlingslager im kroatischen Nasice. "Was ich da gesehen habe, hat mich sehr erschüttert", erinnert er sich. Nach seiner Rückkehr nach Gütersloh beschlossen er und seine Frau Gerlind Clausen-Franzke, die Initiative "Kinder in Not - Hilfe für Kinder in Kroatien und Bosnien" aus der Taufe zu heben. Die ersten Sammlungen begannen. Weihachten 1991 machte sich der erste Weihnachtspäckchen-Transport für Kinder in Vinkovci, im Osten Kroatiens unweit der serbischen Grenze, auf den Weg. Mitte der 90er Jahre kamen zwischen 10.000 und 12.000 Päckchen zusammen. "Die Aktion sprach sich einfach rum. So bin ich einmal mit einem Kleintransporter sogar nach Frankfurt gefahren und habe Weihnachtspäckchen abgeholt. Es herrschte eine wahnsinnige Hilfsbereitschaft", erinnert sich Franzke. Gelagert wurden die Spenden bis zum Abtransport in kostenfrei zur Verfügung gestellte Hallen. Ein wichtiger Unterstützer war viele Jahre lang auch die Spedition Lohmann in Batenhorst, die die Päckchen-Fracht zu den Bestimmungsorten transportierte. Einen großen Dank zollt Ulrich Franzke auch Arnold Deppe von der gleichnamigen Leistenfabrik in Verl, der seit Beginn der Weihnachtspäckchenaktion einen Vierzigtonner zur Verfügung stellt, der von Bernhard Gerdtoberens gefahren wird. Neben den Weihnachtspaketen sorgt Ulrich Franzke auch für ganzjährige Hilfslieferungen nach Bosnien-Herzegowina, Ungarn und Rumänien. Dabei werden neben gespendeten Türen und Fenstern auch Mobiliar, Bekleidung sowie Schultische und Rollstühle in die Armenregionen gebracht. Zudem organisiert Franzke Spendengelder zur Unterstützung von alleinerziehenden Müttern. Um auf seine Projekte aufmerksam zu machen, hält er seit Jahren im Kreis Gütersloh Infovorträge in Kindergärten und Schulen. Dennoch, so sagt er, ist die Welle in der Hilfsbereitschaft in den vergangenen Jahren zurückgegangen. So habe sich die Zahl der gespendeten Weihnachtspäckchen zwischen 3.000 und 4.000 eingependelt. In seiner Bilanz zu den vergangenen 24 Jahren kommt Ulrich Franzke nicht nur auf Tausende Päckchen und mehr als 70 Lastwagen-Lieferungen, sondern auch auf viele Anekdoten. "Egal, wie beschwerlich es manchmal war, ich würde es genauso wieder machen. Denn ich habe so viele Sachen erlebt und wurde von so vielen Menschen und sozialengagierten Firmen unterstützt, die durch ihr ehrenamtliches Engagement dazu beigetragen haben, dass wir diese Aktion bis heute machen können", sagt Franzke, der im November 2015 für sein jahrzehntelanges Engagement zum Wohle der Armen und Schwachen das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen bekam.

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