Koordiniert die Unterhaltung des Flughafens: Roland Herde vom Facility-Management der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA). - © Rainer Holzkamp
Koordiniert die Unterhaltung des Flughafens: Roland Herde vom Facility-Management der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA). | © Rainer Holzkamp

Gütersloh Stiller Abzug der Briten vom Kasernengelände

Mit einer Unterschrift auf dem Übergabeprotokoll endet die militärische Ära. Die Bundesanstalt BImA schickt den Streitkräften ein Lob hinterhe

Rainer Holzkamp

Gütersloh. Die Kulisse wirkt geradezu surreal. Kein Hubschrauber, der lärmend aufsteigt, erst recht kein heulender Harrier; die Senkrechtstarter-Zeiten der Royal Air Force sind ohnehin längst vorbei. Aber auch sonst wirkt der Flughafen nicht nur verlassen, er ist es auch. Die Briten sind endgültig abgerückt aus den Princess Royal Barracks. Ohne Parade, ohne jeglichen feierlichen Akt, ohne auch nur ein "Goodbye Gütersloh!". Die offizielle Rückgabe des Kasernengeländes bestand letztlich allein aus einer Unterschrift auf dem Übergabeprotokoll. "Das war's auch schon", sagt Roland Herde von der Bundesanstalt BImA in Bielefeld, die das Areal jetzt übernommen hat. Sang- und klanglos ist damit nicht nur das 71 Jahre alte Kapitel der britischen Streitkräfte auf dem Flughafen zu Ende gegangen, sondern auch die militärische Nutzung insgesamt. Denn errichtet worden war der Flughafen 1937 für die deutsche Luftwaffe. Das sonst scharf bewachte Haupttor steht halb offen. In der Wache schiebt ein Mann einer privaten Sicherheitsfirma Dienst und nimmt die Personalien der Besucher auf. Mit Roland Herde geht's dann zum längst stillgelegten Tower. Unter der Kanzel bröckelt die grüne Farbe von den Mauerziegeln. Herde fischt aus einer von zahlreichen Metallkassetten im Kofferraum des BImA-Autos den Schlüssel für die Eingangstür von "Building 128", wie der eingestanzten Markierung auf einem Anhänger zu entnehmen ist. Oben in der gläsernen Kuppel ist sämtliche Technik demontiert, lediglich zwei Telefonhörer stecken stumm und verlassen in ihrer Halterung. In der Ferne ist der alte Radarturm zu erkennen. Der Blick fällt auch aufs leere Vor- und Rollfeld, auf geräumte Mannschaftsunterkünfte, erst vor einigen Jahren neu errichtet. Was wird daraus? Herde hebt die Schultern: "Wer braucht schon so viele Büroflächen?" Weiter geht's auf die Schnelle Richtung Offizierskasino. "Noch vor ein paar Wochen wurde hier vornehm diniert ", sagt der Mann von der BImA. Und erinnert sich an weiße Stoffservietten auf den Tischen. Inzwischen stehen die Räume komplett leer. "Auch ihren dicken, weichen Teppiche haben sie mitgenommen." Von außen betrachtet, scheint die Zeit an der von leuchtendem Herbstlaub umgebenen Keimzelle der Kaserne stehen geblieben. Aber das täuscht. Die historische Uhr mit dem weinumrankten Zifferblatt am Turm des Kasinos läuft auf die Minute genau. Ein Beispiel dafür, dass die Briten bis zum Ende die ihr überlassene Immobilie in Schuss gehalten haben. Roland Herde führt zwei weitere an. "Erst vor drei Tagen war hier noch die Kehrmaschine im Einsatz, um Laub von den Straßen zu beseitigen. Auch die Rasenflächen wurden vorige Woche noch gemäht und Bäume und Sträucher entlang an der Marienfelder Straße zurückgeschnitten." Der Chef der BImA-Bauunterhaltung in Bielefeld, Manfred Beckmann, sagt, man müsse den Briten ein großes Lob aussprechen. "Sie haben die Liegenschaft in tadellosem Zustand übergeben." Schon bald kommen gleichsam die ersten Nachmieter. Nicht alle, aber die meisten ehemaligen Offiziersunterkünfte rund um das Kasino sollen vorübergehend für die Unterbringung von Flüchtlingen genutzt werden. Insgesamt handelt es sich um zwölf Gebäude, inklusive NAAFI-Shop und einer früheren Squash-Halle. Der Mietvertrag mit der Stadt sei ausgehandelt. Die BImA erwarte noch eine "Maßnahmenplanung", dann könne mit der Herrichtung der Gebäude - auf Kosten der Bundesanstalt - begonnen werden, sagt Beckmann. Für Flüchtlinge stehen in Kürze ebenfalls die BImA-Häuser an der Parsevalstraße gegenüber dem Flughafen zur Verfügung. Auf diese Weise will die Stadt ihr Versprechen einlösen, die beiden noch als Unterkünfte genutzten Sporthallen bis Jahresende freizuziehen. Sowohl für die Offiziersgebäude als auch für die Wohnungen an der Parsevalstraße wird laut Beckmann der Mietvertrag auf drei Jahre begrenzt. Hintergrund sei, die Planungen für das interkommunale Gewerbegebiet auf und am Flughafen keinesfalls zu torpedieren. Für die Stadt laufe in Kürze die Frist an, um zu entscheiden, ob sie ihr Erstzugriffsrecht auf die Bundesimmobilien ausüben wolle. Das sei freilich noch kein endgültiger Kaufbeschluss, sagt Beckmann. Über einen Verkaufspreis könne ohnehin erst etwas gesagt werden, wenn eine konkrete Planung für das insgesamt rund 350 Hektar große Areal südlich und nördlich der B 513 vorliege. Mit dem BImA-Auto geht es zurück zum Haupttor. Die Wache dort ist rund um die Uhr besetzt. Zwei weitere zivile Sicherheitskräfte patrouillieren seit wenigen Tagen permanent rund um das ehemalige Flughafengelände. Roland Herde überlegt kurz: "Wir werden sehen, ob das ausreicht, um potenzielle Eindringlinge fernzuhalten."

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