Referentin: Wiebke Heine sprach über den Beitrag von Frauen zur Reformation. - © Rolf Birkholz
Referentin: Wiebke Heine sprach über den Beitrag von Frauen zur Reformation. | © Rolf Birkholz

Gütersloh Pfarrerin spricht über das Thema Frauen während der Reformation

Mit dem Protestantismus werden große Namen verbunden - zumeist die von Männern

Rolf Birkholz

Gütersloh. An der Vermittlung des christlichen Glaubens hatten Frauen schon stets einen entscheidenden Anteil, ob als erste Künderinnen von der Auferstehung Christi oder als Mütter, die mit ihren Kindern ein Abendgebet sprechen, ob als Lehrerinnen oder Krankenschwestern. Inwiefern sie auch einen besonderen Beitrag zur Reformation geleistet haben, führte Pfarrerin Wiebke Heine jetzt in ihrem Vortrag "Die Frauen der Reformation" aus. Eingeladen hatte der "Montagabend für alle"-Kreis in der Johanneskirche. Zunächst stellte die Pfarrerin, die ihren Dienst in der Region Ost an der Erlöserkirche versieht, vier Punkte heraus, an denen die Theologin und frühere EKD-Ratsvorsitzende Margot Käßmann die Bedeutung der Frauen aus reformatorischer Sicht aufzeigt. Durch die Betonung des allgemeinen Priestertums stünden alle Ämter auch Frauen offen, auch werde klargestellt, dass die Ehe nicht dem Zölibat oder dem Klosterleben unterlegen sei: Christentum bewähre sich im Alltag der Welt. Zudem stehe Frauen die gleiche Teilhabe an der Bildung zu wie Männern. Und überhaupt sei der Beitrag der Frauen geradezu ein "Kennzeichen der reformatorischen Kirchen gewesen." An vier beispielhaften Frauengestalten verdeutlichte Pfarrerin Heine dies. Elisabeth von Brandenburg (1510-68), die sogenannte "Reformationsfürstin", habe keinen Trost mehr in der lateinischen Messe gefunden, Luthers Schriften gelesen und sei durch den Empfang des Abendmahls in beiderlei Gestalt sehr beeindruckt gewesen. Die Fürstin bemühte sich, die neue Lehre mit durchzusetzen, auch gegen Widerstände der katholisch gebliebenen Verwandtschaft. Katharina Zell (1497-1562) dagegen entstammte einer Straßburger Handwerkerfamilie und war schon früh kirchlich engagiert. Nachdem sie den Priester Matthias Zell geheiratet hatte, führte sie dessen für verbannte und verfolgte Protestanten offenes Haus, war auch literarisch tätig. Nicht unbedingt romantische Liebe habe damals zu solchen nach katholischem Verständnis unerlaubten Eheschließungen geführt, erläuterte Wiebke Heine. Vielmehr seien sie "in erster Linie Bekenntnisakte" gewesen. Als besonders mutige Bekennerin zeigte sich Argula von Grumbach (1492-1554). Die Bayerin soll schon mit zehn Jahren die Bibel in deutscher Übersetzung gelesen haben und korrespondierte später mit Luther. Mit schriftlichen Eingaben griff sie in einen universitären Streit um die neue lehre in Ingolstadt ein, wandte sich kritisch an die Obrigkeit. Die ließ das ihren (katholischen) Mann spüren, so dass Argula, von Luther als "ein besonderes Werkzeug Christi" erkannt, später in ökonomische Schwierigkeiten geriet. Das blieb auch der berühmtesten Frau der Reformation, Katharina von Bora (1499-1552), der "Lutherin", am Ende nicht erspart. Nach Luthers Tod musste sie die Familie auf der Flucht vor Pest und Krieg durchbringen, wie die Referentin schilderte. Zuvor aber hatte die ehemalige Nonne lange das "Regiment über den Haushalt" geführt, dem Reformator den Rücken frei gehalten. So sei sie zum "Vorbild für Generationen von Pfarrfrauen" geworden.

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