Glücklich: Barbara Herberg und Wilbert van Arendonk mit dem Gästebuch, in das sich die holländische Familie vor neun Jahren eintrug. - © Wilbert van Arendonk
Glücklich: Barbara Herberg und Wilbert van Arendonk mit dem Gästebuch, in das sich die holländische Familie vor neun Jahren eintrug. | © Wilbert van Arendonk

Gütersloh Gütersloherin findet verschwundenen Ehering holländischer Touristen nach neun Jahren

2007 verlor Liesbeth van Arendonk ihren Trauring

Michael Schuh

Gütersloh. "Wunder gibt es immer wieder" sang Katja Ebstein im Jahr 1970. Ganz so lange ist es noch nicht her, dass die Holländerin Liesbeth van Arendonk ihren goldenen Ehering mit Brillant in Deutschland verlor, aber immerhin sind seitdem neun Jahre vergangen. Und somit kann es zumindest als kleines Wunder bezeichnet werden, dass die Niederländerin das wertvolle Schmuckstück in der kommenden Woche pünktlich zu ihrem zwölften Hochzeitstag wiederbekommt - ohne etwas davon zu ahnen. Der Gütersloherin Barbara Herberg sei Dank. Barbara Herberg besitzt seit 20 Jahren ein Häuschen im Ferienpark Extertal, das sie regelmäßig vermietet und in dem ein Gästebuch ausliegt. Vor zwei Wochen hatte die 72-Jährige einen Gärtner damit beauftragt, das Grundstück am Haus auf den Winter vorzubereiten: Baumschnitt, Laub kehren, Unkraut jäten. Nachdem er alles auf Vordermann gebracht hatte, kam der gute Mann auf die Gütersloherin zu und fragte, ob sie etwas vermisse. Barbara Herberg verneinte, doch als ihr der Gärtner einen völlig verdreckten Ring zeigte, den er zufällig ausgegraben hatte, schwante ihr etwas. Sie säuberte das Schmuckstück, stellte dabei fest, dass es sich um einen Ehering handelte und blätterte anschließend das Gästebuch durch. Tatsächlich: Im Sommer 2007 hatte ein holländisches Ehepaar mit zwei kleinen Kindern den Urlaub im Extertaler Ferienhaus verbracht, sich schriftlich für die schöne Zeit bedankt und angemerkt, dass die Frau ihren Ehering im Garten verlor habe. "Wenig später ist ihr Mann sogar noch einmal mit Freunden extra aus Holland gekommen und hat das Grundstück mit einem Metalldetektor abgesucht. Vergebens", denkt die Gütersloherin zurück. Die Zeit verging, die Erinnerung an das vermisste Schmuckstück verblasste. Bis der ehrliche Gärtner es wiederfand. Allerdings tat sich nun ein neues Problem auf: Die Holländer hatten nur mit ihren Vornamen im Gästebuch unterschrieben; ein weiterer Anhaltspunkt war einzig die Adresse im niederländischen Ort Leusden. "Zu Hause habe ich dann übers Internet versucht, den Nachnamen oder die Telefonnummer herauszufinden", fährt Barbara Herberg fort, "aber das hat nicht funktioniert." Also ging sie zur Gütersloher Polizeiwache und erzählte von dem außergewöhnlichen Vorfall. "Die Beamtin machte mir zunächst zwar keine allzu großen Hoffnungen, hat sich dann aber ganz toll darum gekümmert", sagt die 72-Jährige. Noch am selben Tag erfuhr die Gütersloherin, dass Name und Telefonnummer der Ring-Besitzerin mit Hilfe der niederländischen Grenzpolizei herausgefunden werden konnten und der Ehemann bereits telefonisch informiert wurde. "Mir hat man dann mitgeteilt, dass der Mann erst einmal erschrak, als die Polizei ihn anrief, da er sich keiner Schuld bewusst war", berichtet Barbara Herberg lachend. "Und die Frage, ob er etwas vermisse, habe er mit ,Nein? beantwortet. Erst als die Polizisten einen Ring erwähnten, wusste er, worum es ging." Um die Rückgabe des wertvollen goldenen Unikats zu besprechen, rief auch die Gütersloherin den Holländer an, der schlichtweg aus dem Häuschen war: "Er sagte, das sei unglaublich und er könne es gar nicht fassen." Am vergangenen Sonntag machte sich ein glücklicher Wilbert van Arendonk schließlich mit einem dicken Blumenstrauß auf den Weg in die Dalkestadt und besuchte Barbara Herberg - nicht ohne seine nichtsahnende Gattin zuvor ein wenig beschwindelt zu haben. "Ihr sagte er, er fahre zu seiner Mutter nach Rotterdam, um dort einen Schrank aufzubauen. Denn seiner Frau hat er inzwischen zwar einen Ersatzring geschenkt, doch mit dem Original möchte er sie zum zwölften Hochzeitstag am 25. Oktober überraschen." Der Ring, den Wilbert van Arendonk seiner Liesbeth einst vor dem Traualtar über den Finger streifte, soll nun für immer das sichtbare Zeichen ihrer Liebe bleiben. Doch ein Stück weit verbindet er jetzt auch Ostwestfalen mit den Niederlanden. "Denn wir haben zusammen Kaffee getrunken und uns sehr gut unterhalten", erörtert die Gütersloherin. "Ich werde den Kontakt zu der Familie halten."

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