Suppe und Gespräche: Am internationalen "Tag zur Überwindung der Armut" teilten Suppenküchen-Leiterin Inge Rehbein (v. r.) und ihre Kolleginnen Kiki Gougousie, Hildegard Pollmeier und Hedwig Hensdiek am Berliner Platz vor der Martin-Luther-Kirche Suppe aus und informierten über Armut in der Stadt. - © Rolf Birkholz
Suppe und Gespräche: Am internationalen "Tag zur Überwindung der Armut" teilten Suppenküchen-Leiterin Inge Rehbein (v. r.) und ihre Kolleginnen Kiki Gougousie, Hildegard Pollmeier und Hedwig Hensdiek am Berliner Platz vor der Martin-Luther-Kirche Suppe aus und informierten über Armut in der Stadt. | © Rolf Birkholz

Gütersloh Wieso es in Gütersloh jetzt kostenlose Mittagessen gab

Am internationalen "Tag zur Überwindung der Armut" suchen die Mitarbeiter der Suppenküche das Gespräch mit den Mitbürgern

Rolf Birkholz

Gütersloh. Armut ist weiterhin ein Thema, auch in dieser Stadt. 1992 hatten die Vereinten Nationen für den jeweils 17. Oktober den internationalen "Tag zur Überwindung der Armut" ausgerufen. Daran arbeitet in Gütersloh neben anderen auch die Suppenküche. Gestern teilten Leiterin Inge Rehbein und neun Kolleginnen vor der Martin-Luther-Kirche eine mediterrane Suppe aus. Dabei ging es aber vor allem um Gespräche mit den Passanten. "Der Tag der Armut ist noch nicht in den Köpfen der Bürger", stellte Inge Rehbein fest, wenn sie Menschen auf dem Berliner Platz darauf ansprach. Um nicht nur auf diesen Tag, sondern auch auf die Not nebenan hinzuweisen, hatten die Suppenköchinnen, unterstützt von vier männlichen Aufbauhelfern, neben 120 Litern Suppe und Brot noch Handzettel zu verteilen. Man wolle deutlich machen, so Inge Rehbein, "dass wir auch hier in Gütersloh Armut haben". Die Suppenküche platzt aus allen Nähten In der 2002 eröffneten Suppenküche und der drei Jahre später hinzugekommenen Kindersuppenküche "Die Insel" ist man mit der Not in manchen Familien vertraut. 180 Erwachsene und 170 Kinder pro Woche erscheinen regelmäßig zu den Ausgabezeiten. "Die Tendenz ist steigend", so die Gründerin. Neben dem Essen ist ihr auch wichtig, ärztliche Sprechstunden, Schulmaterialien, Lernpatenschaften, Kochkurse und vieles mehr anzubieten. Auch einige Flüchtlingsfamilien sind schon gekommen, sie werden in Flyern auf Türkisch und Irakisch informiert. "Wir platzen aus allen Nähten", beschreibt Inge Rehbein die räumliche Enge in der Suppenküche. Aber: "Auf die Not gilt es einfach zu reagieren." Zugleich weist die Gleichstellungsstelle der Stadt darauf hin, dass Alleinerziehende "das höchste Armutsrisiko" trügen. Und legt Zahlen vor. Demnach waren im Februar 735 Alleinerziehende als Bedarfsgemeinschaft beim Jobcenter gemeldet. Einen Unterhaltsvorschuss bezögen aktuell 357 Elternteile (zu 90 Prozent Frauen) mit zusammen 481 Kindern. Allein 2015 seien 934.226 Euro an Unterhaltsvorschussleistungen ausgezahlt worden, davon etwa 45 Prozent aus Bundes- und Landesmitteln. "Aufgrund der schwierigen finanziellen Situation sind somit Alleinerziehende oft von sozialen und kulturellen Aktivitäten in ihrem unmittelbaren Lebensalltag ausgeschlossen", schreibt Agnes Bröckling-Kuron vom Gütersloher "Netzwerk Alleinerziehen". Dem 2012 geknüpften Verbund gehören mehr als 20 Einrichtungen, Beratungsstellen und Familienzentren an. Und Gleichstellungsbeauftragte Inge Trame fordert unter anderem, es müssten Rahmenbedingungen geschaffen werden, die es Alleinerziehenden "ermöglichen, ihren Lebensunterhalt sowie den ihrer Kinder langfristig und nachhaltig durch Erwerbsarbeit zu sichern". Dazu gehöre auch, Teilzeitausbildungen- und Teilzeittätigkeiten anzubieten sowie bedarfsgerechte Betreuungsmöglichkeiten in Kitas, Grundschulen und den ersten Klassen weiterführender Schulen auszubauen.

realisiert durch evolver group