Schwer vermittelbar: Kater Moritz leidet wie mehrere andere Tiere im Tierheim unter Diabetes. - © Michael Schuh
Schwer vermittelbar: Kater Moritz leidet wie mehrere andere Tiere im Tierheim unter Diabetes. | © Michael Schuh

Gütersloh Das Tierheim hat kein Zimmer frei

Raumnot: In der Spexarder Einrichtung wurden 2016 mehr alte und kranke Tiere abgegeben als in den Vorjahren

Michael Schuh

Gütersloh. Der Platz ist seit jeher knapp bemessen, doch aktuell herrscht im Tierheim Gütersloh noch größere Raumnot als in den Vorjahren. "Das Problem ist wirklich akut", sagt Leiterin Sabine Hoffmann, "denn in diesem Jahr wurden besonders viele alte und kranke Tiere bei uns abgegeben." Und da diese Sorgenkinder weitaus seltener ein neues Zuhause finden als Hundewelpen oder Katzenbabys, kommt es zu einem Stau: Die Problemfälle bleiben länger in der Anlage an der Straße In der Worth, neue Vierbeiner können nicht aufgenommen werden. Die Gründe für den Andrang sind vielfältig: Mal handelt es sich um Tierschutzfälle, bei denen sich die Besitzer nicht um ihren vermeintlichen Liebling gekümmert haben oder nicht mehr dazu in der Lage waren, mal werden ausgesetzte Tiere gefunden und abgegeben. Hoffmann hat eine Vermutung, warum gerade diese Zahl gestiegen ist: "Das liegt wohl auch an unserer Wegwerfgesellschaft." Will jemand sein Tier einfach loswerden, wird er momentan aber zumeist an andere Einrichtungen oder Institutionen verwiesen - Notfälle ausgenommen. Einen solchen griffen Polizisten erst vor kurzem auf: Der etwa elf Jahre alte und sehr menschenbezogene Mischling, den die Tierheim-Mitarbeiter "Oskar" tauften, war nicht nur herrenlos, sondern hatte zudem einen gewaltigen Tumor am Hinterteil. "Das kann auf keinen Fall so bleiben", sagt Hoffmann, "deshalb lassen wir Oskar demnächst operieren." Hört sich einfach an, ist es aber nicht. Denn jede OP - und bei Kastrationen sämtlicher Schützlinge kommt eine Vielzahl davon zusammen - kostet Geld. Und das ist knapp zu Zeiten, in denen fast 30 Hunde und 130 Katzen im Tierheim auf neue Besitzer warten. "Deshalb sind wir momentan besonders auf Spenden angewiesen", hofft die Leiterin auf ein offenes Ohr in der Bevölkerung. Das Gros der Hunde gehört derzeit zur Gruppe der Sorgenkinder und ist nur schwer vermittelbar. So wie Bullterrier Donald, der - obwohl erst zwei Jahre alt - zum Dauergast werden könnte. "Er wurde anderthalb Jahre lang von seinem Besitzer verprügelt und lässt sich von Fremden nun nicht mehr anfassen", erzählt Tierpfleger Aaron Breukel. Ein passendes Frauchen oder Herrchen für Donald zu finden, sei somit äußerst schwer: "Denn wir müssen ein Tier ja guten Gewissens abgeben können." Aber Donald ist nicht allein: Viele Hunde machten schlechte Erfahrungen, die sie misstrauisch und manchmal auch bissig werden ließen, was eine Vermittlung oft extrem erschwert. Andere Artgenossen sind zwar sehr zutraulich, finden aber aufgrund ihres Alters oder einer Krankheit kein neues Zuhause. Katzen indes sind normalerweise wesentlich leichter zu vermitteln. Wobei die Betonung auf "normalerweise" liegt. "Denn auch bei ihnen schrecken ein hohes Alter oder eine Erkrankungen die Leute ab", weiß Sabine Hoffmann. Als Paradebeispiel gilt Kater Mingles, der nicht nur 15 Jahre auf dem Buckel, sondern außerdem Probleme mit der Bauchspeicheldrüse hat. Ebenso wie bei Franky oder Moritz, die beide an Diabetes leiden, heißt es bei Mingles deshalb oft: kein Interesse. Es gibt jedoch Ausnahmen. So entschied sich eine Frau auf der Suche nach einer Samtpfote ganz gezielt für Lasse, weil der dreijährige Kater Krebs hatte. Auch wenn das die Ausnahme ist - für Donald, Mingles und Co. bleibt weiterhin zumindest ein Fünkchen Hoffnung.

realisiert durch evolver group