Jetzt endgültig der Gewinner: Dario Vargiu küsst auf der Horner Rennbahn den Hengst Isfahan. Daneben steht Manager Holger Faust. - © dpa
Jetzt endgültig der Gewinner: Dario Vargiu küsst auf der Horner Rennbahn den Hengst Isfahan. Daneben steht Manager Holger Faust. | © dpa

Gütersloh/Köln Entscheidung im Peitschenhiebe-Fall um Gütersloher Andreas Wöhler

Der Hengst Isfahan bleibt nach dem Urteil des Renngerichts Sieger des Galopp-Derbys

Johannes Hülstrung

Gütersloh/Köln. Entscheidung im Peitschenhiebe-Fall um den Gütersloher Pferdezüchter und Trainer Andreas Wöhler: Dessen italienischer Star-Jockey Dario Vargiu bleibt Sieger des diesjährigen Deutschen Galopp-Derbys. So urteilte das Kölner Renngericht als Berufungsinstanz des Direktoriums für Vollblutzucht und Rennen. Strafrechtlich ist der Fall aber noch nicht durch, aktuell laufen die Vorermittlungen. Vargiu hatte am 10. Juli in Hamburg den Hengst "Isfahan" beim wichtigsten deutschen Zuchtrennen häufiger als die erlaubten fünf Mal mit der Peitsche angetrieben. Nach seinem Sieg belegte ihn die Rennleitung mit einer Geldbuße von 2.000 Euro und ließ außerdem 75 Prozent des Jockey-Anteils an der Siegprämie von 390.000 Euro verfallen. Statt 19.500 Euro erhielt Vargiu nur noch 4.875 Euro. Wegen der zusätzlichen Peitschenhiebe hatte Horst Pudwill, Besitzer des drittplatzierten Pferdes "Dschingis Secret", die Disqualifikation von "Isfahan" beantragt. Nachdem die Rennleitung seinen Protest abgewiesen hatte, legte Pudwill Berufung beim Renngericht ein. Er äußerte den Vorwurf unerlaubter Absprachen. Manager Holger Faust soll Vargiu zum Regelverstoß angestiftet und versprochen haben, eventuelle Strafen zu übernehmen. Dieser beteuerte vor der Sportgerichtsbarkeit, niemals eine solche Aussage getroffen zu haben. Er habe "auch gar nicht die Position, dem Jockey eine Order zu geben." Markus Klug und Thomas Jordan, Trainer und Besitzer des Drittplatzierten, sagten dagegen aus, gehört zu haben, wie Faust von der verbotenen Absprache erzählte. Jockey Vargiu sagte in der Verhandlung, Order nur von Trainer Wöhler zu bekommen. Er habe gewusst, wie häufig er die Peitsche einsetzen durfte. Der Sieg sei ihm aber so wichtig gewesen, dass er "im Eifer des Gefechtes nicht auf das Zählen des Stockeinsatzes geachtet" habe. Entschuldigend brachte er an, dass in Mailand mehr Schläge erlaubt seien. Die Strafe akzeptiere er: "Hätte ein Zauberer mir in einer Glaskugel vorhergesagt, ich würde das Rennen gewinnen, aber Geld verlieren, hätte ich das Rennen trotzdem gewonnen", so Vargiu abschließend. Anders als die verbandsinterne Auseinandersetzung ist der strafrechtliche Fall noch nicht geklärt. Edmund Haferbeck, Leiter der Rechtsabteilung der Tierschutzorganisation Peta, hatte gegen Wöhler, Vargiu, Faust und Isfahans Eigentümer Stefan O. Anzeige wegen Tierquälerei erstattet. "Die Vorermittlungen in dieser Sache laufen noch, die Akten befinden sich bei der zuständigen Polizeidienststelle", sagt Nana Frombach, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Hamburg. Haferbeck, aufgebracht durch die Entscheidung des Renngerichts, will nun umso hartnäckiger juristisch vorgehen. "Sollte die Anzeige abgewiesen werden, würde dies eine sofortige umfängliche Beschwerde unsererseits nach sich ziehen", so Haferbeck. Schon die Anzeige hatte Wöhler gegenüber der Neuen Westfälischen als "Rufmord" bezeichnet. Nach der Entscheidung des Renngerichts teilte er über seinen Rennstall mit: "Der Vorwurf der verbotenen Absprache wurde aus Unsportlichkeit oder persönlichen Animositäten gestrickt." Über die Gründe der Auseinandersetzung spekulierte er: "Ist es Rachsucht, verletzte Eitelkeit oder einfach nur die Lust, jemandem zu schaden?"

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