Frank Förste mit einem Beispiel für Peace-Art, einer von kleinen Soldatenfiguren umkränzten Spielzeugwaffe, aus deren Lauf die toten Soldaten purzeln. Im Hintergrund Soldaten aus Zinn oder Blei, für Kinder zum Spielen gedacht. - © Matthias Gans
Frank Förste mit einem Beispiel für Peace-Art, einer von kleinen Soldatenfiguren umkränzten Spielzeugwaffe, aus deren Lauf die toten Soldaten purzeln. Im Hintergrund Soldaten aus Zinn oder Blei, für Kinder zum Spielen gedacht. | © Matthias Gans

Gütersloh Kriegsspiele im Gütersloher Stadtmuseum

„Schaufel – Förmchen – Panzer“ heißt die Schau, bei der die Besucher selbst entscheiden müssen, ob es um kindliches Spiel oder Anleitung zu blutigem Ernst geht

Matthias Gans

Gütersloh. Spielzeuge waren oft schon Thema im Stadtmuseum – und von Barbie bis Playmobil immer ein Renner. Das Spielzeug, das ab kommenden Samstag, 15. Oktober, ab 11 Uhr im Haus an der Kökerstraße zu sehen sein wird, ist allerdings aller Leichtigkeit des Spiels ledig: „Schaufel – Förmchen – Panzer: Kriegsspielzeug, Kriegsspiele, Kriegsspielzeugnisse" heißt die bis zum 4. Dezember laufende Sonderausstellung, die der Bielefelder Frank Föste aus eigenen Objekten, aber auch aus dem Fundus des Stadtmuseums sowie verschiedenen Museen, Galerien und aus Privatbesitz kuratiert hat. Der 62-Jährige, gelernter Bankkaufmann, hat als Nachbar der britischen Kaserne an der Detmolder Straße in Bielefeld schon als Kind Militärluft geatmet, ist aber nie dessen Faszination erlegen. Vielmehr hat die Nähe schon damals sein Interesse an den politischen Hintergründen geweckt und sein Interesse an die Zeit des Kalten Krieges entzündet. Er hat angefangen, zu diesem Thema zu sammeln, Ausstellungen im Stadtmuseum waren die Folge. Föste gibt zu: „Auch meine Kinder hatten Kriegsspielzeug. Aber ich habe ihnen erklärt, was es damit auf sich hat." Daher ist es Museumsleiter Dr. Rolf Westheider auch sehr wichtig, festzustellen, dass die Schau keine Sammlerausstellung ist. „Die Exponate zeigen häufig Gebrauchsspuren, sie sind nicht mehr in tadellosem Zustand." Nicht bewundert soll hier werden, sondern zum zum Nachdenken angeregt darüber, wie man schon seit alters her über Spielzeug und Spiele Krieg und militärisches Denken im Bewusstsein des Kindes verankert hat. Das kann vielleicht schon bereits mit einem harmlos scheinenden Piratenschiff aus Playmobil geschehen, das Westheider aus eigenem Familienbestand eingebracht hat. Oder mit einer Ritterburg der Marke Simba oder – in bemerkenswert schlichter Plastikbauweise – einer sowjetrussischen Burg. Daneben liegt eine Ritterrüstung aus Plastik für Kinder, wie sie auch heute noch zu erwerben ist. Ob das noch kindliches Spiel oder Anleitung zu blutigem Ernst ist, muss jeder Besucher für sich selbst entscheiden? Manches ist bestürzend, wie die Fotos von Léon Gimpel, der 1915 in Paris Kinder vor der Kamera Krieg spielen ließ – auf einem Foto lässt ein Knirps einen „Gefangenen" mit einer „Kanone" füsilieren, weil einem Deutschen nur mit großem Kaliber beizukommen sei, wie das Kind damals erklärte. Auf deutscher Seite ließ Käthe Kruse preußische Soldatenpuppen nähen. Von Kriegsschiffen über Flugzeug- und Panzermodellen bis hin Kriegs-Comics, Computerspielen und Pumpguns wird das ganze Arsenal an martialischem Spielzeug aufgefahren, ergänzt um einige Exponate der Peace-Art. Einige Exponate entstammen tatsächlich dem militärischen Bereich wie eine Folie, die über eine alte DDR-Karte gelegt, die einstmals stationierten Waffensysteme anzeigt und nun fast wie Kunst wirkt. Dass diese Schau zumeist unkommentiert und nur sparsam erklärt wird, hängt auch mit der kurzen Vorbereitungszeit zusammen, war eine andere doch ausgefallen. Anregungen zum Nachdenken und Streitgespräch bietet sie allemal. Geöffnet: Mittwoch bis Freitag, 15 bis 18 Uhr, Samstag und Sonntag, 11 bis 18 Uhr.

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