Gütersloh Stadtmuseum zeigt Karikaturen über Sterben, Tod und Trauer

Sie beweisen, dass man sich dem Tabu-Thema auch humorvoll nähern kann

Matthias Gans

Gütersloh. Eine alte Bäuerin steht mit der Sichel in der Hand auf der Wiese vor ihrem Haus und sieht überrascht eine knochige Gestalt mit Stundenuhr offensichtlich mühevoll das Gras sensen. „Sie hat mir der Himmel geschickt", entfährt es der ob der unerwarteten Hilfe dankbaren Greisin vieldeutig. Das Zitat ist Motto der neuen Ausstellung im Stadtmuseum zum Themenkreis „Sterben, Tod und Trauer", die am Sonntag, 14. August, um 11 Uhr eröffnet wird. Sie ist entstanden in Zusammenarbeit mit dem Hospiz- und Palliativ-Verein Gütersloh, der in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen feiert. Die Schau geht zurück auf eine Ausstellung, die vor vier Jahren in Bamberg in Kooperation mit dem dortigen Hospiz-Verein und der Hospiz-Akademie entstand. Gezeigt werden 83 Karikaturen von 45 Künstlern. Dass es sich bei Tod und Sterben um Tabu-Themen handelt, ist Museumsleiter Rolf Westheider selbstverständlich bewusst. Dennoch bekennt er: „Wir haben selten beim Aufbau einen solchen Spaß gehabt." Denn hier wird sich nicht über Sterbende lustig gemacht, sondern über die Umstände, in denen heute gestorben wird. Da wird die Gerätemedizin und die Kommerzialisierung des Gesundheitsbetriebs auf die Schippe genommen, in dem Erik Liebermann einen von Apparaturen umzingelten Patienten abbildet, dem sich ein Mann mit den Worten vorstellt: „Guten Tag, ich bin Ihr Energieberater." Oder ein von Sanitätern auf einer Trage transportierter Mann erkennt, dass er tatsächlich auf dem Deckel eines Sarges liegt. Liebenswürdiges findet sich ebenso wie Sarkastisches, der Kalauer steht neben Feinsinnigem. Westheider möchte mit der Ausstellung das Museum nicht zur moralischen Anstalt machen, wohl aber „die Möglichkeit zur Selbstreflexion" bieten. Elke Wagemann vom Hospizverein hofft, auch junge Menschen für das Thema zu sensibilisieren. Doch empfiehlt sie nicht jedem die Schau. „Wer frisch trauert, der sollte sich das nicht ansehen. Ein bisschen Abstand ist notwendig." Dass man mit diesem Thema auch anecken kann, hat Renate Horsmann, Vorsitzende des Heimatvereins, erfahren. In einer Gütersloher Reha-Praxis wollte man das Ankündigungsplakat nicht angebracht wissen. Der Tod muss am Ort der Gesundung draußen bleiben. Was auch wieder Thema für Karikatur sein könnte.

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