Die Hörsäle sind voll: Deutschlands Hochschulen sind nicht auf Rankings angewiesen. Es kommen auch so genügend Studenten. - © DPA
Die Hörsäle sind voll: Deutschlands Hochschulen sind nicht auf Rankings angewiesen. Es kommen auch so genügend Studenten. | © DPA

Bielefeld/Gütersloh Debatte um Sinn der Uni-Ranglisten

Hilfe bei Studienwahl: Das CHE-Ranking gilt bundesweit als wichtigstes seiner Art. Doch wie relevant ist 
es für Hochschulen und Studierende tatsächlich? Ein Blick in die Region.

Martin Fröhlich

Bielefeld/Gütersloh. Über 400 Hochschulen und rund 7.000 Studiengänge gibt es in Deutschland – da fällt den Studenten die Auswahl nicht leicht. Orientierung sollen Hochschulrankings geben. Das bekannteste ist jetzt erschienen – das CHE-Hochschulranking, herausgegeben vom Centrum für Hochschulentwicklung in Gütersloh und der Wochenzeitung Die Zeit. Die Hochschulen in OWL landen mehrfach auf Spitzenplätzen – doch wie bedeutsam ist das? „Selbstverständlich freuen sich die Fächer, die im Ranking in einer Spitzengruppe stehen", sagt Tibor Werner Szolnoki, Sprecher der Universität Paderborn. Doch habe jede Hochschule auch Bereiche, in denen sie nicht so gut abschneidet. „Das schauen wir uns ebenso an." Das CHE-Ranking sei nicht die einzige relevante Bewertung. „Die Qualität der Lehre spielt für uns seit vielen Jahren eine sehr große Rolle. Das gilt auch für die Verbesserung der Studienbedingungen insgesamt." Man befrage deshalb häufig intern die Studierenden. „Das hat für uns eine große Bedeutung." Genauso handhabt es die Universität Bielefeld. Auch sie führt eigene Befragungen durch: unter Bewerbern, Studierenden, unter Absolventen und in Lehrveranstaltungen. Sandra Sieraad, stellvertretende Pressesprecherin, sagt: „Wichtig für die Weiterentwicklung von Studium und Lehre sind die internen, nicht die externen Erhebungen." Die FH Bielefeld setzt auf eigene Erhebungen Detlev Grewe-König, Sprecher der Fachhochschule Bielefeld, nennt die CHE-Noten „eine Ergänzung, mehr nicht". Manchmal sei schwierig nachzuvollziehen, wie die Noten zustande kommen, vor allem im Vergleich der Unis. Man tue das Ranking zwar nicht als Zahlenspielerei ab, doch setzt die FH lieber auf eigene Erhebungen. „Das tun wir regelmäßig, und das ist für uns entscheidend." Von der Hochschule OWL in Lemgo ist Ähnliches zu hören. Hochschulpräsident Oliver Herrmann sagt: „Regelmäßige interne Befragungen der Studierenden sind mindestens ebenso wichtig und aufschlussreich für uns." Hermann betont aber, dass das CHE-Ranking insofern bedeutend sei, als es Vergleiche mit anderen Hochschulen zulasse. Die Kritik am CHE-Ranking bezieht sich, das ist aus den Hochschulen zu hören, gerade auf die Vergleichbarkeit der Hochschulen. Wer in die Details des auf Fragebögen basierenden Rankings schaut, stellt fest, dass die Datenlage ungleich ausgeprägt ist. Da landen Unis in acht Kategorien in der Spitzengruppe eines Fachbereichs, für die aber andere Hochschulen in fünf Fällen gar keine Aussage getroffen haben. Die Geschichtswissenschaftler und Soziologen beteiligen sich nicht mehr am CHE-Ranking. „Die Methode genügt den wissenschaftlichen Ansprüchen nicht", sagt Martin Schulze Wessel, Vorsitzender des Verbands der Historiker und Historikerinnen Deutschlands. Der Vergleich erzeuge eine Scheinrelevanz, die die Studierenden eher in die Irre führe. Historiker und Soziologen haben ein eigenes Portal aufgezogen, in dem sie Studienorte vorstellen. „Der Trend geht in der deutschen Wissenschaftsszene eher zum Rating als zum Ranking" – also zur Einzelfallbewertung statt zur Rangliste. Es sei fraglich, ob man komplexe Studienangebote mit einfachen Einordnungen wie Spitzengruppe oder Mittelfeld darstellen könne, so Schulze Wessel. Die Uni Paderborn stellt ihren Fakultäten frei sich am CHE-Hochschulranking zu beteiligen Petra Giebisch vom CHE verteidigt das Ranking: „Wir entwickeln es stetig methodisch weiter", sagt sie. Mehrere Fachbereiche hätten Nachbesserungen angeregt. „Das haben wir aufgenommen und die Fragebögen spezifischer auf die Studiengänge ausgerichtet." Die Bereitschaft zur Mitarbeit sei an den meisten Hochschulen vorhanden, allerdings nicht an allen. Die Universität Paderborn etwa stellt es ihren Fakultäten frei, ob sie sich am CHE-Ranking beteiligen wollen. „Nicht alle Bereiche halten das für sinnvoll", so Sprecher Szolnoki. Und die Studenten? Orientieren die sich am Ranking? „Das lässt sich für die Hochschulen insgesamt nur schwer nachhalten", sagt Szolnoki. Kollegin Sieraad in Bielefeld sieht das so: „Ein Ranking kann eine erste Orientierung bieten und ein Baustein bei der Studienort- und Hochschulwahl sein. Es sollte aber nie allein den Ausschlag geben." Eine Onlineumfrage von 2011 unter 1.500 Studenten ergab, dass nur 35 Prozent Rankings überzeugend finden.

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