1922 gebaut: Das alte Haus ist in Teilen sanierungsbedürftig. - © Patrick Menzel
1922 gebaut: Das alte Haus ist in Teilen sanierungsbedürftig. | © Patrick Menzel

Gütersloh Schuhhaus Keßel startet Ausverkauf

Die Immobilieneigentümer führen Gespräche mit der "Nordsee"-Kette

Ludger Osterkamp

Gütersloh. Eines der ältesten Gütersloher Innenstadtgeschäfte, das Schuhhaus Keßel am Eingang der Fußgängerzone Berliner Straße, gibt auf. Obwohl der Mietvertrag nach Angaben der Eigentümerfamilie des Hauses noch bis Ende Juli läuft, hat der Räumungsverkauf bereits begonnen. Als neue Mieterin ist die "Nordsee" im Gespräch. Man habe mit der Restaurantkette bereits mehrere Gespräche geführt, die Pläne lägen der Firmenzentrale in Norddeutschland vor, sagte Michael Esen, Familienmitglied der Immobilieneigner, gestern. "Nordsee" ist auf der Suche nach einem Ausweichgebäude, weil die evangelische Kirchengemeinde das Haus am Berliner Platz abreißen und neu bauen will. Allerdings hatte die Kirchengemeinde den Mietvertrag mit dem Fischlokal noch um weitere fünf Jahre bis Ende 2021 verlängert, so dass auch sie, um mit ihren Neubauplänen nicht mehr bis dahin warten zu müssen, glücklich wäre, wenn "Nordsee" zumindest vorübergehend eine akzeptable Alternative fände. Gleiches gilt für den benachbarten Spielwarenhändler Reinhold Gellermann, der sein neues "Witthoff"-Gebäude am Berliner Platz möglichst zeitgleich mit der Kirchengemeinde angehen möchte. Hängt also alles an Keßel beziehungsweise Nordsee beziehungsweise Esen? So weit möchte sich Michael Esen nicht vorwagen. "Uns geht es allein darum, eine gute und für Gütersloh attraktive Folgenutzung zu finden", sagte der 36-Jährige, den man auch als Betreiber des "City-Grills" in der Königstraße und als Trainer des (aus der Bezirksliga zurückgezogenen) Fußballteams von Tur Abdin kennt. Am Eingang zur Fußgängerzone, gegenüber von Fritzenkötter, sei es wichtig, einen attraktiven Mieter zu finden. "Ein weiterer Telefonladen oder noch ein Bäckereigeschäft kommt für uns an dieser Stelle nicht in Frage. Da gehört schon etwas Hochwertiges hin." Die "Nordsee" sei eine interessante Option, weil deren Nutzung keineswegs nur von vorübergehender Dauer sein müsse - "es kann ja sein, dass sich dieser Standort rasch als der bessere erweist" - , aber es gebe auch andere Nachfragen. Laut Esen stammt das Gebäude aus 1922. Im Zuge des bevorstehenden Wechsels werde die Fassade erneuert; außerdem sei vorgesehen, neue Fensterfronten zu schaffen und die Holzbalken zu sanieren. "Es soll toll aussehen." Die Verkaufsfläche beträgt laut Esen 330 Quadratmeter, verteilt über die ersten beiden Etagen. Die vier Wohnungen darüber seien vermietet und mehr oder weniger gut in Schuss. In den Jahren nach dem Krieg rasch gewachsen Derweil hat bei Keßel zu teils kräftigen Nachlässen der Räumungsverkauf begonnen. Das Schuhhaus war in den Nachkriegsjahren von Wilhelm Keßel und dessen Ehefrau Ursula, geborene Schmäling, im April 1948 gegründet worden. Zunächst ansässig an der Berliner Straße 35, zog der Laden 1958 in die Berliner Straße 57 um - in jenes Gebäude, das Keßel nun verlässt. Über die Gründe der Geschäftsaufgabe gaben die heutigen Eigentümer, Alois und Anne Schoppmeier aus Höxter, gestern keine Auskunft. Sie hatten die Leitung 2008 von Gisela Schorcht übernommen, Ehefrau des Fotohändlers Rainer Schorcht. Neben ihrem Stammsitz in Höxter betreibt das Familienunternehmern unter dem Namen "Schuh-Meyer GmbH" mehrere Niederlassungen in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen. In Gütersloh hatten sich Alois und Anne Schoppmeier allerdings entschieden, den Traditionsnamen "Keßel" beizubehalten. Dass der Umsatz in der Dalkestadt unter den Möglichkeiten blieb, zeigte sich daran, dass Keßel nur die untere Etage als Verkaufsfläche nutzte. Freilich ist die Marktmacht der hiesigen Konkurrenz auch nicht zu unterschätzen. Das Schuhhaus Potthoff etwa, 1883 gegründet, unterhält mittlerweile 17 Niederlassungen, allein sechs davon in Gütersloh.

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