Reiseleiter und -veranstalter: Erfinderin Catrin Geldmacher (v. l.), Reisebegleiterin Maryline Cavoir, Reiseleiterin Elvina Lisboa, Reisebegleiterin Muriel de Groot sowie Elmar Schnücker (VHS Gütersloh), mit einer Weltkarte aus buntem Stoff und einer Torte. - © Karin Prignitz
Reiseleiter und -veranstalter: Erfinderin Catrin Geldmacher (v. l.), Reisebegleiterin Maryline Cavoir, Reiseleiterin Elvina Lisboa, Reisebegleiterin Muriel de Groot sowie Elmar Schnücker (VHS Gütersloh), mit einer Weltkarte aus buntem Stoff und einer Torte. | © Karin Prignitz

Kreis Gütersloh Völkerverständigung bei der "Weltreise durchs Wohnzimmer"

Bundeskonferenz: Die interkulturellen Begegnungen finden im Kreisgebiet immer mehr Anklang. Mancher ist da schon zum Weltenbummler geworden

Karin Prignitz

Kreis Gütersloh. Bernd Habighorst ist bekennender Vielreisender. In den vergangenen zwei Jahren hat er Menschen aus Chile, Kolumbien, Armenien, Syrien und vielen anderen Ländern der Welt kennengelernt. 25 Reisen in zwei Jahren, hat der 52-Jährige bereits unternommen. Obwohl er voll berufstätig ist. Denn Habighorst ist nicht etwa in den Flieger gestiegen, er hat eine ganz andere Art des Verreisens gewählt. "Weltreise durch Wohnzimmer", heißt die Idee von Catrin Geldmacher aus Rheda-Wiedenbrück, die in den vergangenen fünf Jahren mehrfach ausgezeichnet worden ist. Darum geht es: Einwanderer, die in Deutschland leben, laden fünf bis zehn Gäste in ihre Wohnung ein und berichten dort von ihrem Leben in der alten Heimat. Um Völkerverständigung geht es, um ein kleines Stückchen Friedensarbeit. Gerade jetzt, wo einen die Entwicklung in der Welt verzweifeln lasse, beschreibt Catrin Geldmacher ihre Motivation. Genau aus diesem Grunde hat die Vorsitzende des mittlerweile gegründeten gemeinnützigen Vereins "Weltreise durch Wohnzimmer" zur ersten Bundeskonferenz eingeladen. In der Gütersloher Volkshochschule sind Teilnehmer aus 60 Herkunftsländern zusammengekommen, um miteinander und nicht übereinander zu sprechen. Maryline Cavois vom Haus der Familie in Münster gehört zu den Reisebegleitern. "Jeder Gastgeber präsentiert sein Land anders", erzählt sie. "Ich bin immer wieder überrascht." Bilder, Farben, Düfte, landestypische Musik, alle Treffen seien individuell. Die Dinge so zu erzählen, wie sie sind, und keine Klischees zu bedienen, so sei das bei den Weltreisen im Wohnzimmer, ergänzt die Afrikanerin Elvina Lisboa. Anfangs sei es nicht einfach gewesen, Menschen zu gewinnen, die ihre Türen öffnen, räumt Muriel de Groot von der VHS Kleve ein. Je bekannter die Idee werde, desto mehr setze sie sich aber durch. Die VHS Gütersloh gehörte zu den ersten, die die besonderen Reisen angeboten haben. Für Leiter Elmar Schnücker naheliegend, "denn die VHS ist voll mit Menschen aus aller Welt". Auch in anderen Städten fungiert sie deshalb als Koordinierungsstelle, die die Akteure zusammenbringt. "Alle Reisen finden in deutscher Sprache statt", erläutert Catrin Geldmacher. Inzwischen machen 35 Städte mit und es werden immer mehr. Wenn jemand beispielsweise nach Bolivien "fahren" möchte, dann könne es sein, dass es einen Gastgeber dafür in einer anderen Stadt gebe. Bernd Habighorst beispielsweise ist nach Bielefeld gereist, um mehr über Chile zu erfahren. Wenn er von seinen vielen Weltreisen in ganz unterschiedlichen Wohnzimmern berichtet, dann gerät der Seminarleiter und Trainer geradezu ins Schwärmen. "Wenn Menschen sich begegnen, haben wir die Chance, friedlich miteinander umzugehen." Und im Grunde hätten doch alle die gleichen Wünsche. Habighorst schätzt die ehrlichen, offenen Treffen von Mensch zu Mensch. Ganz wunderbar findet er unter anderem, "dass man die Möglichkeit bekommt zu sehen, dass unsere Normalität und die Tatsache, dass wir in Reichtum, Frieden und Geborgenheit hineingeboren worden sind, in anderen Teilen der Welt eben nicht gilt". Da bekomme man schon mal den Spiegel vorgehalten. Sich kurzentschlossen ins Auto setzen, auch ohne konkretes Ziel, "das ist in vielen anderen Ländern völlig unvorstellbar".

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