Bereit für die große Tour: Der 30-jährige Daniel Kassner hat seine Ausrüstung auf dem Rad verstaut. - © Michael Schuh
Bereit für die große Tour: Der 30-jährige Daniel Kassner hat seine Ausrüstung auf dem Rad verstaut. | © Michael Schuh

Gütersloh Postbote radelt mit dem Rad in einem Jahr durch Afrika

Die Radroute führt den 30-Jährigen geht von Kapstadt nach Kairo

Michael Schuh

Gütersloh. Am 9. Mai 2016 wird Daniel Kassner in Frankfurt ein Flugzeug nach Kapstadt steigen - nur mit einem Ticket für den Hinflug. Was keineswegs bedeutet, dass der 30-Jährige plant, in Südafrika sesshaft zu werden. Er möchte auf jeden Fall in seine Heimatstadt Gütersloh zurückkehren - allerdings nicht mit dem Flieger, sondern mit seinem Fahrrad. Südafrika, Namibia, Botswana, Sambia, Tansania und Kenia sind feste Stationen auf der bislang geplanten Route, eventuell kommen noch Äthiopien, der Sudan und Ägypten hinzu. Dieses Projekt als Radtour zu bezeichnen, wäre angesichts der Ausmaße wohl etwas verharmlosend, denn der Gütersloher hat 12.000 bis 14.000 Kilometer vor der Brust, durchquert Wüsten und tropische Gebiete, ist auf Asphalt und sicherlich häufiger auch auf Schotterpisten oder Lehm unterwegs. Dafür bedarf es im Vorfeld doch eines gewaltigen Trainingspensums, oder? Daniel Kassner schüttelt den Kopf und lächelt: "Ich besitze kein Auto und erledige die meisten privaten Termine mit dem Rad. Außerdem bin ich Postbote - und auch dabei fast jeden Arbeitstag mit dem Fahrrad unterwegs." Untrainiert oder gar übergewichtig wirkt der 30-Jährige tatsächlich nicht: Bei einer Körpergröße von 1,90 Meter bringt er "so zwischen 70 und 75 Kilo" auf die Waage. Tja, körperliche Arbeit kann durchaus Vorteile haben. Seit neun Jahren sitzt Kassner für die Post im Sattel; die Idee, den Drahtesel in seiner Freizeit verstärkt zu nutzen, kam ihm allerdings erst im Jahr 2010. Damals führte in eine erste etwas längere Tour ins Sauerland, in den Folgejahren ging es dann auf zwei Rädern bis nach Dänemark oder England. Seine Leidenschaft begründet der schlaksige Mann gleichermaßen knapp wie logisch: "Ein Fahrrad ist schnell genug, um ordentlich voranzukommen, aber langsam genug, um viel von Land und Leuten zu sehen." Und daran dürfte es in Afrika nicht hapern, wenngleich es laut Kassner gerade in punkto Leute in manchen Gegenden wohl etwas ruhiger zugehen wird: "In der Kalahari kann es sein, dass man auf 100 Kilometern keinem Menschen begegnet." Was ihn jedoch genau erwartet, vermag der Gütersloher nicht zu sagen, denn die lange Reise ist sein erster Kontakt zum schwarzen Kontinent: "Afrika habe ich ausgewählt, weil es so lebendig ist." Überhaupt stieß er mit der Idee, Afrika zu durchradeln, nicht nur auf Begeisterung. "Mein Vater war dafür, meine Mutter musste erst mal überzeugt werden", erzählt der 30-Jährige und kann sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. "Bei den Kollegen war das ähnlich. Manche sagten: ,Das schaffst du nicht?, andere meinten: ,Toll!?" Doch von aufkeimender Skepsis ließ sich der Gütersloher nicht beeinflussen, stieg in die Planung ein, kaufte Lektüre und Karten und erstellte eine Packliste. Die Taschen am Fahrrad beherbergen demnächst unter anderem Wäsche, Medikamente, Campingutenslien, Ersatzteile und eine Reise-Waschmaschine. Dahinter verbirgt sich ein von innen mit Noppen bestückter Plastiksack der - befüllt mit Wäsche und Wasser - dank ordentlichen Knetens für saubere Socken sorgt. Ein bisschen Luxus in der Wildnis. Bis Kenia rechnet Kassner nicht mit größeren logistischen Problemen, danach könne es hingegen komplizierter werden. "In Äthiopien herrscht zurzeit eine Dürre, so dass es dort nicht ganz einfach wäre", erzählt der sportliche Postbote. "Die Alternative dazu ist der Südsudan, aber da herrscht momentan Krieg." Harter Tobak, doch der 30-Jährige nimmt?s gelassen: "Da muss ich dann eben spontan sehen, wie es weitergeht." Denn sein Ziel ist Ägypten, von wo er nach Europa fliegen und anschließend nach Hause radeln möchte. Im Vorfeld hat sich der 30-Jährige mit möglichen Gefahren einer solch extremen Tour beschäftigt: "Vor Großwild habe ich eigentlich keine Angst; da mache ich mir eher Gedanken über Kakerlaken, Termiten oder Ameisen. Am meisten Respekt habe ich aber vor aggressiven Menschen." Doch derartige Sorgen treten angesichts der Erwartungen in den Hintergrund. "Ich freue mich auf die Natur, aber auch auf die Menschen und das Abenteuer." Und davon dürfte Kassner reichlich erleben. Erst am 2. Mai 2017 muss er wieder arbeiten

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