Erhöhte Wachsamkeit: Geschehnisse wie an Silvester in Köln sollen auf jeden Fall verhindert werden. Deshalb setzt die auch die Polizei auf mehr Präsenz bei den Karnevalsfeiern im Kreis Gütersloh. - © picture alliance / dpa
Erhöhte Wachsamkeit: Geschehnisse wie an Silvester in Köln sollen auf jeden Fall verhindert werden. Deshalb setzt die auch die Polizei auf mehr Präsenz bei den Karnevalsfeiern im Kreis Gütersloh. | © picture alliance / dpa

Kreis Gütersloh Übergriffe an Weiberfastnacht

Karneval: Trotz des erhöhten Polizeiaufgebots ist es bei den Karnevalsfeiern im Kreis Gütersloh zu zahlreichen Straftaten gekommen. Eine 24-Jährige wurde offenbar vergewaltigt

Patrick Menzel

Kreis Gütersloh. Die heiße Phase der fünften Jahreszeit ist angebrochen. Seit Weiberfastnacht herrscht auch in den hiesigen Karnevalshochburgen närrischer Ausnahmezustand. Doch das bunte Treiben im Kreis Gütersloh wird von einer ganzen Reihe furchtbarer Straftaten überschattet: Diebstähle, Schlägerein, rechte Parolen, sexuelle Übergriffe und eine Vergewaltigung – die erste Bilanz der Polizei fällt ernüchternd aus. Eine Übersicht. Vergewaltigung Bei den Weiberfastnachts-Feierlichkeiten in Schloß Holte-Stukenbrock ist offenbar eine Frau vergewaltigt worden. Die 24-Jährige hatte sich am Abend bei der Polizei gemeldet. Nach intensiven Ermittlungen nahmen Beamte den mutmaßlichen Täter zwei Stunden später fest. Laut Polizei handelt es sich bei dem Verdächtigen um einen 29-jährigen Nigerianer, der in einer Asylbewerberunterkunft in Schloß Holte-Stukenbrock lebt. In seiner Vernehmung habe der Mann den Geschlechtsverkehr eingeräumt, sagt Polizeisprecherin Corinna Koptik. Nach seiner Aussage sei er aber in beiderseitigem Einvernehmen geschehen. Er wurde am Nachmittag dem Haftrichter vorgeführt. Dieser erließ Untersuchungshaftbefehl. Sexuelle Belästigung Beim Rietberger Karneval hat die Polizei zwei Anzeigen wegen sexueller Belästigung aufgenommen. Zwei 16 und 17 Jahre alte Mädchen hatten angegeben, unsittlich am Gesäß berührt worden zu sein. Der Tatverdächtige, ein 24 Jahre alter Zuwanderer aus Algerien, wurde vor Ort festgenommen. Von den fünf Tätern, die eine 21-jährige Frau begrapscht und ihr die Armbanduhr vom Handgelenk gestohlen haben sollen, fehlt dagegen noch jede Spur. Nach Angaben des Opfers soll es sich bei den Tätern um drei Schwarzafrikaner sowie zwei mit einem Fuchskostüm verkleidete Männer handeln. Die Ermittlungen laufen, die Polizei hofft auf Hinweise von Zeugen. Zwei weitere Anzeigen wegen sexueller Belästigungen hat die Polizei beim Karneval in Schloß Holte-Stukenbrock gefertigt. Dort hatte ein 25-jähriger Asylbewerber aus Syrien zwei 42 und 45 Jahre alte Frauen beleidigt und unsittlich am Gesäß berührt. Die Polizei nahm den jungen Mann vorläufig fest. Am Abend meldete sich bei der Polizei in Hövelhof ein Frau aus dem Kreis Paderborn, die ebenfalls in Schloß Holte-Stukenbrock von zwei mit Schweinenasen maskieren Männern begrapscht worden war. Körperverletzung Beim Altweiberkarneval in Rietberg hat die Polizei vier Anzeigen wegen Körperverletzung aufgenommen, bei den Feierlichkeiten in Schloß Holte-Stukenbrock wurden zwei solcher Delikte und in Harsewinkel eine Schlägerei angezeigt. Taschendiebstahl Bislang wurden bei der Polizei lediglich drei Anzeigen wegen Taschediebstahls aufgegeben – alle drei Fälle wurden in Schloß Holte-Stukenbrock registriert. Rassismus Mit Heil-Hitler-Rufen und entsprechender Symbolik haben zwei 26 und 28 Jahre alten Männer sowie ein 26-Jähriger mit russischer Staatsbürgerschaft beim Altweiberkarneval in Schloß Holte-Stukenbrock lautstark auf sich aufmerksam gemacht. Die Beamten des Staatsschutzes haben ihre Ermittlungen aufgenommen. "Wir werden aufpassen- versprochen" Interview mit Polizeichef Karsten Fehring zu den Übergriffen an Weiberfastnacht Herr Fehring, Mehrere Zwischenfälle überschatten den Altweiberdonnerstag im Kreis Gütersloh. Welche Folgen haben die Vorkommnisse für die Feierlichkeiten an Rosenmontag? Karsten Fehring: Wie schon an Weiberfastnacht wird die Polizei auch Rosenmontag alles Erdenkliche tun, um die Sicherheit der Feiernden zu gewährleisten. Leider können wir nicht jeden einzelnen Besucher eins zu eins beschützen. Aber wir werden aufpassen. Versprochen! Wird die Polizei dazu ihre Präsenz erhöhen? Fehring: Mehr geht nicht. Wir sind personell am Limit und haben schon deutlich mehr Beamte auf der Straße als in den vergangenen Jahren. Um diese erhöhte Präsenz überhaupt gewährleisten zu können, ist für die Karnevalszeit eine Urlaubs- und Dienstfreisperre erlassen worden. Wie können sich Frauen vor Übergriffen schützen? Fehring: Zumindest vor Vergewaltigungen können sich Frauen schützen, indem sie sich nicht von fremden Männern in dunkle Ecken drängen lassen. Frauen sollten sich dort aufhalten, wo Leben ist. Im Gedränge wird es nicht zu einer Vergewaltigung kommen. . . .aber umso schneller zu unsittlichen Berührungen? Fehring: Möglicherweise. Davor gibt es keinen hundertprozentigen Schutz. Wer angegrapscht wird, sollte schnell um Hilfe rufen, sich das Aussehen des Täters genau einprägen und die Polizei verständigen. Dann stehen die Chancen sehr gut, die Täter ermitteln zu können, wie die beiden Vorfälle am Altweiberdonnerstag in Rietberg zeigen. Rechnen Sie in dieser Karnevalszeit mit mehr Anzeigen wegen sexueller Übergriffe als in den vergangenen Jahren? Fehring: Schwer zu sagen. Aber wahrscheinlich sind die Menschen nach den Übergriffen in der Silvesternacht in Köln sensibilisierter als sonst. Da wird der Klaps auf den Po schon mal schneller zur Anzeige gebracht als noch vor einigen Jahren. Und das ist auch gut so. Wir nehmen derartige Vergehen sehr ernst. Würden Sie ihre Töchter an Rosenmontag guten Gewissens losgehen lassen? Fehring: Ja! Allerdings müssen sie die genannten Verhaltensregeln einhalten.

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