Kunst aus Wolle: Die Gütersloher Künstlerin Ute Kugel-Erbe zeigt in der Apostelkirche eine Retrospektive ihrer "WebArt, gewebte Bilder aus den Jahren 1985-2000". Eines ihrer Werke ist im Hintergrund zu sehen, das Material knäult sich im Vordergrund. - © Rolf Birkholz
Kunst aus Wolle: Die Gütersloher Künstlerin Ute Kugel-Erbe zeigt in der Apostelkirche eine Retrospektive ihrer "WebArt, gewebte Bilder aus den Jahren 1985-2000". Eines ihrer Werke ist im Hintergrund zu sehen, das Material knäult sich im Vordergrund. | © Rolf Birkholz

Gütersloh Ausstellungseröffnung mit Faden und Farben

Das Handwerk des Webens wird bei Ute Kugel-Erbe zur Kunstform. Die 85-jährige Künstlerin erklärt, warum ihre Werke vor allem eins sein müssen - gut geplant

Rolf Birkholz

Gütersloh. Wandteppiche gab es schon. "Ich wollte aber keine Teppiche machen, ich wollte Bilder malen." Also griff Ute Kugel-Erbe zu Nadel und Wolle. Nein, es entstanden keine Hausfrauen-Textilarbeiten, es entstand Kunst. Eine Retrospektive auf Ute Kugel-Erbes "WebArt" zeigt jetzt der Förderverein historische Kirchen in Gütersloh. Es ist zugleich die letzte vom demnächst demissionierenden Vorstand verantwortete Kunstausstellung in der Apostelkirche, wie Vorsitzender Ullrich Felchner betonte. Während Wandteppiche waagerecht aufgebaut sind, erfand Ute Kugel-Erbe die Schräge, die Diagonale hinzu und brachte so Bewegung ins Bild. Handelsübliche Wolle in verschiedenen Stärken und Tönungen ist der Künstlerin dabei die Farbe. Eine exakte Zeichnung, in der Zahlen für Farben stehen, wird hinter die Kette geklemmt, dann geht es los. Dabei ist hohe Konzentration nötig, jeder Schritt muss voraus bedacht werden. Und dennoch bleibt Raum für die kreative Spontanentscheidung. "Es gestaltet sich während des Webens", erläutert die 85-Jährige. Kugel-Erbe ist die einzige Künstlerin, die schon zum dritten Mal in der Apostelkirche ausstellt. Aber: "Was gewebt ist, ist gewebt." Denn: "Da können Sie nichts mehr ändern." Die Anstrengung ist indes auch positiv zu sehen: "Es ist ja wie Meditation, Sie sind ganz bei sich selbst." Und wenn Ute Kugel-Erbe das ist, ist sie auch nah bei der Natur. Die "entsetzlich zerstörerische Welt" bereitet ihr seit langem Sorge. Das ist die Botschaft in ihren Webbilden. In "Trauer muss Demeter tragen" geht ein Giftstrahl mitten durchs Gesicht der Göttin, das zugleich die Erde ist, geteilt in fruchtbares Grün und furchtbare Öde. Auch ein trocken gefallener Wasserfall in Kalifornien oder "Wo der Mensch die Erde nicht betreten kann" - eine finnische Landschaft - klagen mehr oder weniger leise an. Diesem großen Thema eng verbunden ist auch die Poesie der Gütersloherin. "Halt fest der Natur flüchtigen Geist, / damit du nicht gehst verloren / aus ihrem gleichgewichtigen Kreis", heißt es in einem ihrer Gedichte. Und zum Jahrtausendwechsel fürchtete sie: "Wird die Welt nur noch lauter schreien / und gierig fressen des Schöpfers Plan, / bis wir ihn in Dummheit zerstört haben?" Ute Kugel-Erbe ist durch ihren Vater Ernst Erbe, der maßgeblich das Berufsbild des "Gebrauchsgrafikers" formte, im Hagener Elternhaus schon früh mit Kunst in Berührung gekommen, erlernte dort das grafische Handwerk und künstlerische Techniken. Später schloss sie ihr Studium in Wuppertal mit dem Diplom ab. Neben der "WebArt" ist die Künstlerin bekannt durch ihre Collagen, Fotografie, Grafik, Malerei und Literarisches. In dieser Ausstellung wird zumal deutlich, wie sie Schönheit mit Schrecken mahnend zu verbinden weiß. Das Bild "Die Antarktis klagt an" tut dies in fast schreiend schönen Farben.

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