Unfallfrei: Wolfgang Fiebig fährt nicht nur gern, sondern auch gut. Seit den Fünfziger Jahren hat er die Fahrlizenz für Motorräder in der Tasche, seit den Sechzigern steuert er ein Auto – ohne bislang auch nur einen einzigen Unfall verschuldet zu haben. - © Michael Schuh
Unfallfrei: Wolfgang Fiebig fährt nicht nur gern, sondern auch gut. Seit den Fünfziger Jahren hat er die Fahrlizenz für Motorräder in der Tasche, seit den Sechzigern steuert er ein Auto – ohne bislang auch nur einen einzigen Unfall verschuldet zu haben. | © Michael Schuh

Gütersloh Führerschein: Mit 82 noch am Steuer

Wolfgang Fiebig fährt noch in hohem Alter Auto. Das kann er auch, wie ihm 
der ADAC bescheinigt. Zu Senioren am Steuer hat er dennoch eine deutliche Meinung

Michael Schuh

Gütersloh. Die Deutschen werden immer älter und somit nimmt auch die Zahl der Senioren am Steuer kontinuierlich zu. Vor dem Deutschen Verkehrsgerichtstag, der bis zum heutigen Freitag in Goslar stattfindet, fordern die Grünen deshalb eine obligatorische Fahrtauglichkeitsprüfung für Menschen ab 75 Jahren – so, wie es in vielen anderen Ländern längst Usus ist. Doch dazu wird es voraussichtlich nicht kommen, denn hierzulande setzen die meisten Politiker auf freiwillige Gesundheits- und Fahrchecks. Würden indes alle Menschen so denken wie der Gütersloher Wolfgang Fiebig, dann gäbe es die Diskussion um das Für und Wider verpflichtender Prüfungen gar nicht. Denn der 82-Jährige hat sich im vergangenen Jahr unaufgefordert dem FahrFitnessCheck des ADAC unterzogen: „Ich fühle mich der Allgemeinheit gegenüber verantwortlich. Wäre ich bei dem Test durchgefallen, hätte ich meinen Führerschein sofort abgegeben." Wolfgang Fiebig fährt nicht nur gern, sondern auch gut. Seit den Fünfziger Jahren hat er die Fahrlizenz für Motorräder in der Tasche, seit den Sechzigern steuert er ein Auto – ohne bislang auch nur einen einzigen Unfall verschuldet zu haben. Bei der Tour durch Gütersloh und Umgebung wirkt er hinter dem Lenkrad seines zehn Jahre alten Mercedes C 240 gleichermaßen entspannt wie konzentriert. Und auch der Wagen macht einen aufgeräumten Eindruck: Der Innenraum ist geradezu adrett, statt der üblichen Fußmatten sorgen kleine Teppiche für Sauberkeit. „Die Frau und das Auto müssen eben immer gepflegt sein", sagt Fiebig augenzwinkernd. Ebenso wie dem Mercedes sieht man auch dem 82-Jährigen sein Alter nicht an. Das liegt zum einen sicherlich daran, dass der gelernte Tischler Zeit seines Lebens aktiver Sportler war, zum anderen hat er offensichtlich auch gute Gene. „Eine Brille brauche ich nur zum Lesen", erläutert Fiebig und setzt den Blinker, um einen Fahrradfahrer zu überholen. „Manche Menschen machen das heute beim Abbiegen oder Überholvorgang überhaupt nicht mehr. Das halte ich für bedenklich und gefährlich." „Viele Ältere sind einfach uneinsichtig" Ebenso wenig Verständnis zeigt er für Alkohol am Steuer und Senioren, die einen Fahrtest kategorisch ablehnen. „Viele Ältere sind einfach uneinsichtig. Stellen Sie sich vor, Sie verletzen ein Kind oder auch einen Familienvater – als Autofahrer trägt man doch eine ungemeine Verantwortung." Solche Überlegungen veranlassten ihn 2015, sich beim ADAC-Check anzumelden. Und der hatte es in sich: Über zweieinhalb Stunden lang fuhr der Gütersloher, begleitet von einer Fahrlehrerin auf dem Beifahrer- und seiner Frau auf dem Rücksitz, durch Langenberg und die angrenzenden Orte. Vier strenge Augen beobachteten ununterbrochen sein Verhalten, das jedoch keinerlei Anlass zur Kritik bot. „Das war für mich als Autofahrer entscheidend", sagt der Gütersloher und gewährt zeitgleich einem entgegenkommenden Wagen in einer engen Straße die Vorfahrt. Der junge Mann am Steuer bedankt sich artig – Höflichkeit ist für Verkehrsteilnehmer offenbar doch kein Fremdwort. Weiter geht’s durch den Rhedaer Forst. Während seine Augen auf die Straße gerichtet sind, kommt Wolfgang Fiebig ins Plaudern. Er erzählt von den langen Fahrten in das italienische Heilbad Abano Terme, wo er und seine Frau 15-mal kurten. Heute beschränkt er sich allerdings auf Touren in der Umgebung und besucht höchstens mal seinen Bruder im Solling. Strecken, die länger als 200 Kilometer sind, meidet er ganz bewusst: „Auto fahren darf nicht anstrengend sein und sollte Spaß machen." Nur so sei die nötige Konzentration und Sicherheit gegeben. Ein Kaninchen quert die Straße, worauf der 82-Jährige sofort mit den Worten abbremst: „Na, das Tierchen wollen wir doch leben lassen." Um nach einer kurzen Pause nachdenklich anzufügen: „Ich bin der Meinung, ab einem gewissen Alter sollten Fahrtests tatsächlich Pflicht sein."

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