In diesem Mehrfamilienhaus in der Gütersloher Diekstraße wurden die Beschuldigten im Januar festgenommen. Jetzt müssen sie weiter in U-Haft bleiben. - © Patrick Menzel
In diesem Mehrfamilienhaus in der Gütersloher Diekstraße wurden die Beschuldigten im Januar festgenommen. Jetzt müssen sie weiter in U-Haft bleiben. | © Patrick Menzel

Rietberg Trotz Panne: SEK verhaftet Verdächtige im Bruder-Mordfall

85 Tage nach der Bluttat auf einem Bauernhof in Rietberg haben Elitepolizisten zwei Wohnungen in Gütersloh gestürmt

Patrick Menzel

Gütersloh/Rietberg. Der tödliche Überfall auf ein Brüderpaar aus Rietberg steht offenbar kurz vor der Aufklärung. Elitepolizisten haben am frühen Mittwochmorgen in Gütersloh zwei Tatverdächtige verhaftet. Welche Rolle die beiden 46 und 48 Jahre alten Männer bei dem brutalen Verbrechen Anfang November gespielt haben, lässt die Polizei jedoch offen. Es ist kurz vor sechs Uhr, als Beamte des Bielefelder Spezialeinsatzkommandos (SEK) und ihre Kollegen einer Hundertschaft an einem Mehrfamilienhaus an der Gütersloher Diekstraße vorfahren, sich schusssichere Westen und Sturmhauben überstreifen und ihre Waffen in Anschlag nehmen. Dann geht alles blitzschnell. „Ich habe ein lautes Poltern gehört, plötzlich standen mehrere vermummte, schwer bewaffnete Männer an meinem Bett", sagt Narin Demir. Der 50-Jährige will sich noch schützend zu seiner Frau drehen, doch schon hat er ein T-Shirt vor dem Gesicht. Er wird von den Eindringlingen auf dem Bett fixiert. „Ich hatte panische Angst, dachte zunächst an einen Überfall", sagt Demir. Die Vermummten beginnen die Wohnung zu durchsuchen. Auch von den Schreien der beiden 9 und 12 Jahre alten Kinder lassen sie sich nicht abhalten. Erst nach etwa drei Minuten bemerken die Beamten den Fehler. Mit den Worten: „Das ist die falsche Wohnung", verschwinden sie so schnell, wie sie gekommen waren. Über 100 Hinweise aus der Bevölkerung An der Tür zur Nachbarwohnung setzt die vermummte Eingrifftruppe erneut den Rammbock an. Wieder wird ein Mann im Schlaf überwältigt, wieder ist es der Falsche. Auch beim dritten Vorstoß eine Etage tiefer sind die Polizisten an der falschen Adresse. Erst der vierte Anlauf gelingt. In einer Wohnung in der ersten Etage des Mehrfamilienhauses können die Beamten den gesuchten 46-Jährigen in seinem Bett überwältigen. In Handschellen wird er aus dem Haus geführt. Nachbarn zufolge soll der Mann polnischer Herkunft erst vor wenigen Monaten in das Mehrfamilienhaus gezogen sein. „Ich habe ihn hin und wieder mal im Treppenhaus gesehen, aber nie mit ihm gesprochen", sagt Demir. Dass er Tür an Tür mit einem mutmaßlichen Mörder gelebt habe, beunruhige ihn jedoch sehr, so der Familienvater. Andere Nachbarn, die nicht namentlich genannt werden wollen, berichten ebenfalls von zufälligen Begegnungen im Treppenhaus. Sie wollen erfahren haben, dass der Festgenommene im Baugewerbe selbstständig war, nun aber von Hartz IV lebt. Der Mann sei häufiger durch übermäßigen Alkoholkonsum aufgefallen. Zweite Festnahme in Spexard Zeitgleich zu dem Einsatz an der Diekstraße stürmen Elitepolizisten am Vormittag auch die Wohnung in einem Mehrfamilienhaus an der Max-Planck-Straße im Gütersloher Stadtteil Spexard. Dort nehmen sie einen 48-Jährigen fest. Nach Informationen dieser Zeitung soll der Verdächtige ebenfalls aus Polen stammen, und erst seit wenigen Jahren in Deutschland leben. Auch er soll Bekannten zufolge keiner geregelten Arbeit nachgehen und Hartz IV beziehen. Nach ihrer Festnahme sind beide Männer am Nachmittag von Beamten der Mordkommission „Lippling" verhört und einem Haftrichter am Amtsgericht Bielefeld vorgeführt worden. Was die Ermittler auf die Spur der Tatverdächtigen gebracht hat, will die Polizei zunächst nicht verraten. Nach Informationen dieser Zeitung könnte die Auswertung der am Tatort gesicherten DNA-Spuren für den entscheidenden Durchbruch gesorgt haben. Nähere Ermittlungsergebnisse sollen heute bekanntgegeben werden.

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