Gestapelter Schrott: Nur selten ist die Ladung vorschriftsmäßig gesichert. Häufig hapert es auch an der umweltgerechten Entsorgung. - © dpa
Gestapelter Schrott: Nur selten ist die Ladung vorschriftsmäßig gesichert. Häufig hapert es auch an der umweltgerechten Entsorgung. | © dpa

Gütersloh Polizei warnt vor Schrottsammlern

Illegal: "Schrottis" ziehen mit hübschen Flötenmelodien durch die Siedlungen, doch meistens verstoßen sie gegen ein ganzes Bündel von Gesetzen

Ludger Osterkamp

Gütersloh. Trotz wiederholter Warnungen durch die Polizei sind im Kreis Gütersloh immer noch etliche illegale Schrottsammler unterwegs. Eine aktuelle Auflistung des Kreises gibt die Zahl der Fälle für das vergangene Jahr mit 96 an. Es ist das erste Mal, dass der Kreis diese Zahl statistisch erfasst hat. Vergleiche zu den Vorjahren sind daher nicht möglich. Allerdings hat die Gütersloher Kreispolizei den Eindruck, dass sich an der Häufigkeit des Auftretens von illegalen Schrottsammlern in den vergangenen Jahren wenig geändert hat. Auch der Polizei liegen keine Vergleichszahlen vor, da sie das Delikt nicht gesondert erfasst; sie verteilt die Fülle an Verstößen, die die Schrottsammler begehen, vielmehr auf die jeweiligen Kategorien. Die reisenden Schrott- und Altmetallsammler, im Behördenjargon auch gerne "Schrottis" genannt, machen sich oft einer Vielzahl von Vergehen schuldig. Ihnen fehlt die Reisegewerbekarte (also ohne Erlaubnis unterwegs), sie sind oft nicht als Arbeitnehmer gemeldet (also Schwarzarbeit), und ihre Pritschenwagen entsprechen selten den straßenverkehrsrechtlichen Zulassungsvorschriften - angefangen von einem bedenklichen, klapprigen Zustand ihres Vehikels bis hin zu dem Versäumnis, ein "A"-Schild für Abfalltransporte angebracht zu haben; auch von einer ordnungsgemäßen Sicherung der Ladung kann kaum die Rede sein. Zu den Ordnungswidrigkeiten gesellen sich abfallrechtliche Verstöße; selten gehen die Sammler mit Batterien und Altelektro so um, wie es vorgeschrieben ist, und sie erwecken auch nicht den Eindruck, als wüssten sie es. Die Gütersloher Polizeisprecherin Corinna Koptik spricht von einem "bunten Blumenstrauß an Verstößen", und sie meint es keineswegs so blumig, wie es sich anhört. Manchmal, diese Erfahrung hätten auch andere Kreise gemacht, seien die so fröhlich mit Flötenmelodien durch die Siedlung ziehenden Schrottsammler nichts anderes als getarnte Diebe und Einbrecher. "Denen geht es darum, Siedlungen für Wohnungseinbrüche auszuspähen." Keineswegs nur eine Hypothese: Schon oft sei bei Kontrollen der Ladung Diebesgut sichergestellt worden, Fahrräder, Autoräder oder anderes. Laut Andreas Gildemeister, Sachgebietsleiter Abfall- und Bodenschutz beim Kreis Gütersloh, kommen die Täter oft aus Süd- oder Osteuropa, allerdings mit Wohnsitz in Deutschland. Viele seien im Ruhrgebiet gemeldet, Dortmund, Duisburg, Gelsenkirchen. Die von der Polizei im Kreisgebiet aufgenommenen Fälle leitet der Kreis Gütersloh an die Wohnortbehörden weiter, wo die Betroffenen ihren Wohnsitz haben, oder an das Bundesamt für Güterverkehr, sofern der Wohnsitz im Ausland ist. Schon mehrfach hat die Polizei vor den Pritschenwagen der Täter gewarnt, auf überregionaler Ebene Schwerpunktaktionen gefahren. Doch an dem Aufkommenden der vagabundierenden Sammler hat sich bislang wenig geändert; laut Andreas Gildemeister sind im Kreis Gütersloh sogar Wiederholungstäter dabei. Gildemeister sagte, er rate den Bürgern dringend davon ab, auf die Offerten der "Schrottis" einzugehen. "Sicher, das ist bequem und verlockend, auf die Schnelle Altgeräte loszuwerden, außerdem kostet es bei den offiziellen Sammelpunkten ja vielleicht auch etwas, aber das sollte als Entschuldigung nicht reichen." Koptik rät, sofort die Polizei anzurufen, wenn ein Schrottsammler flötend durch die Siedlung fährt. "Auch die 110, überhaupt kein Problem." Viele Bürger seien noch immer zu zögerlich. Um den illegalen Schrottkolonnen beizukommen, brauche es ständigen Überwachungss-, Kontroll- und Sanktionsdruck.

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