Gut drauf: Die Schlagzeuger der Jungen Bläserphilharmonie NRW unter Harry Vorselen zeigten beim Konzert in der Stadthalle auch ihr Showtalent. - © Matthias Gans
Gut drauf: Die Schlagzeuger der Jungen Bläserphilharmonie NRW unter Harry Vorselen zeigten beim Konzert in der Stadthalle auch ihr Showtalent. | © Matthias Gans

Gütersloh Berstend vor Energie und guter Laune

Konzert: Der Lions Club Gütersloh-Lutteraue trifft mit dem Engagement der Jungen Bläserphilharmonie NRW ins Schwarze. So virtuos und temperamentvoll hat man in der Stadthalle noch kein symphonisches Blasorchester gehört. Nur ein Wunsch sollte sich im Falle einer Wiedereinladung erfüllen

Matthias Gans

Gütersloh. Verträgt Gütersloh zwei Neujahrskonzerte? Vor einer Woche hatte bereits die Westfälische Kammerphilharmonie das junge Jahr in der Stadthalle begrüßt. Nun legte der Lions Club Gütersloh-Lutteraue nach. Und zeigte mit der "Jungen Bläserphilharmonie NRW", dass es für gute Musik ohnehin keines besonderen Anlasses bedarf. Mit "Standing Ovations" und Bravo-Rufen feierten knapp 350 Besucher ein vor Temperament schier berstendes Ensemble. Rund 65 Musiker zwischen 14 und 24 Jahren aus ganz NRW, vielfach "Jugend musiziert"-Preisträger, werden seit 30 Jahren regelmäßig zu Projekten in die Landesakademie Heek eingeladen. Dieter Brauckmann, Gründungspräsident des seit 2005 bestehenden Isselhorster Lions Clubs, hatte die Bläserphilharmonie im Radio gehört und alles daran gesetzt, das Elite-Ensemble zu fördern, in dem er ihm einen Auftritt ermöglicht. Dass diese Idee grandios aufging, konnte nun Brauckmanns Nachfolger im Amt, Christoph Buschmeier, mit den 21 Club-Mitgliedern und der begeisterten Gästeschar erleben. Wie hinreißend ein symphonisches Blasorchester unter Idealbedingungen klingen kann, wurde anhand eines überaus anspruchsvollen Programms vor Ohren geführt. Ein üppig besetztes Klarinettenregister (mit Bassklarinette), drei Oboen, zwei Fagotte, Kontrabass, dazu Klavier und sogar Celesta - Harry Vorselen, Dirigent des Orchester seit 2012 - kann aus dem Vollen schöpfen. Und er weiß die enormen Kräfte des Orchesters mit sicherer Hand differenziert zu steuern. Da machte es nichts, dass es in der Ouvertüre zum "Zigeunerbaron" von Johann Strauss junior noch leicht klapperte. Das exzellente Spiel des Soloklarinettisten sowie des Solooboisten beeindruckten hier schon durch die technische und emotionale Interpretationsreife. Derart warm gespielt, zeigte sich das Orchester in Howard Hansons "Laude: Chorale, Variations and Metamorphoses" über Psalm 150 allen Vertracktheiten dieser komplexen Partitur voll gewachsen. Dabei offenbarten die Musiker ihre Extraklasse nicht nur, wenn sie "voll aufmachten", sondern gerade auch in den leisen Passagen mit substanzreichem Klang und im perfekten Verblenden von Instrumentenfarben und Registerwechseln. Das mit sieben jungen Herren besetzte Schlagzeug hatte an diesem Abend besonders viel zu tun. So in James Barnes "Torch Dance", einem Fackeltanz, der sich an Riten der Navajo-Indianer orientierte und Funken schlagende Energien frei setzte. Und diese glänzenden Eindrücke sollten sich in Bill Whelans mit irischen Anklängen versehene "Sevilla Suite", John Williams auch heute noch erstaunlich modern wirkender, wenngleich in vielen Momenten von Gustav Holsts "Planeten" abgekupferter "Star Wars"-Musik sowie Lenny Bernsteins launigem Musical "Wonderful Town" fortsetzen. Hier mutierte die Bläserphilharmonie zu einer mächtig swingenden Big Band, in der - einmal mehr - die erste Klarinette mit wunderbaren Soli bestach. Der Marsch in die Zugabenabteilung war vorprogrammiert: mit Straussens "Ägyptischen Marsch" mit Gesangseinlage wurde es kurios, mit Fuciks "Florentiner Marsch" furios. Und selbst nach dem Radetzkymarsch waren einige Musiker noch nicht müde, sondern geleiteten das glücklich erschöpfte Publikum mit "Hava Nagila" aus den Saal. Den Erfolg sollte der Lions Club 2017 unbedingt wiederholen - dann sicherlich in ausverkaufter Stadthalle.

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