Im Gespräch: Christina Kampmann (v.l.), Ministerin für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes NRW, mit Landrat Sven-Georg Adenauer und Steinhagens Bürgermeister Klaus Besser. - © Robert Becker
Im Gespräch: Christina Kampmann (v.l.), Ministerin für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes NRW, mit Landrat Sven-Georg Adenauer und Steinhagens Bürgermeister Klaus Besser. | © Robert Becker

Gütersloh Deutliche Worte beim Neujahrsempfang

Kreissportbund: Landrat Sven-Georg Adenauer nutzt den Empfang im Kreishaus und fordert eine gerechtere Aufteilung der Flüchtlinge im Land NRW. Die Vereine erhalten für ihr Engagement viel Lob

Robert Becker

Gütersloh. Eigentlich sollte bei der Veranstaltung im Gütersloher Kreishaus der Sport im Mittelpunkt stehen. Landrat Sven-Georg Adenauer nutzte den 27. Neujahrsempfang des Kreissportbundes (KSB) Gütersloh für klare Formulierungen bezüglich der aktuellen Flüchtlingskrise. "Es müssen weniger Flüchtlinge nach Deutschland kommen", bezog Adenauer deutlich Position. "Wir brauchen eine Begrenzung." Seine Worte richtete der Landrat gestern vor rund 150 Gästen unter anderem auch an Christina Kampmann, Ministerin für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Landes NRW, die zuvor zusammen mit dem Vorsitzenden des Kreissportbundes, Hans Feuß, das rund zweistündige Programm eröffnet hatte. "Wir in Ostwestfalen-Lippe sind überproportional mit Flüchtlingen versorgt", sagte Adenauer an die Sozialdemokratin gewandt. Er forderte die Ministerin auf, dass die Landesregierung in Düsseldorf "diesen Umstand schnellstmöglich bereinigen" müsse. Anwürfe an die Bundespolitik machte der Landrat nicht. Vielmehr schwenkte er in seiner Rede dann doch um auf den Sport, blieb aber auch hier bei der Flüchtlingsthematik. Er zählte sämtliche Sportangebote auf, die hiesige Vereine für Flüchtlinge anbieten und lobte ausdrücklich dieses Engagement. Die anwesenden Vereinsvertreter bat der Landrat weiter um Verständnis, wenn Städte und Gemeinden Turnhallen für die Unterbringung von Flüchtlingen nutzten. Adenauer betonte, dass vielerorts die Hände gebunden und die Möglichkeiten erschöpft seien: "Was sollen die Kommunen denn anderes machen?" Christina Kampmann, die sich in ihrer Ansprache selbst als "Sport-Ministerin" bezeichnete, berichtete, dass sie in den ersten 102 Tagen ihrer Amtszeit viel unterwegs gewesen sei. Die aktuellen Doping-Enthüllungen in der Leichtathletik und der negative Entscheid um Hamburgs Olympia-Bewerbung seien "nicht positiv" für den Sport. Allerdings lobte auch Kampmann, die früher aktive Dressurreiterin und Leichtathletin war, die integrative Kraft des Sports. "Die Sprache des Sports versteht jeder in der Welt", sagte die 35-jährige gebürtige Gütersloherin. KSB-Chef Hans Feuß und Silke Horstkemper, Vorsitzende der Sportjugend, ehrten zwei besonders erfolgreiche Aktive. Janet Carré von der Behinderten-Sportgemeinschaft (BSG) Gütersloh, Mitglied im Nationalkader, hatte Bronze im paralympischen Boccia gewonnen und wurde zusammen mit ihrem Trainer Bernd Großekathöfer ausgezeichnet. Jannis Drewell (Brockhagen) war im vergangenen Jahr Deutscher- und Europameister im Voltigieren geworden. Für den Kauf eines neuen Pferdes hatte Drewell jüngst mit Erfolg eine Crowdfunding-Aktion gestartet. Zuvor hatte Hans Feuß ebenfalls die von Adenauer angesprochene Flüchtlingsthematik aufgenommen und hatte in diesem Zuge die Bemühungen aller Vereine gelobt. Das Thema Sporthallen habe in Spexard zum Verlust von 200 Vereinsmitgliedern und zu Einnahmeverlusten unter anderem im Kursprogramm geführt, sagte Feuß. "Der Sport ist bereit, diese Dinge zu tun, wenn die Not da ist", so der Kreissportbundvorsitzende. "Aber es ist jetzt an der Zeit, die Hallen wieder ihrem eigentlichen Zweck zuzuführen."

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