Gemütliche Plätzchen: Museumsleiter Dr. Rolf Westheider hatte angefragt, weil er die Häuschen für ein Stück Stadtgeschichte hält. Das Exemplar am Städtischen Gymnasium haben Kunstschüler bemalt, in Avenwedde nehmen Fußballspieler Platz. - © Patrick Menzel
Gemütliche Plätzchen: Museumsleiter Dr. Rolf Westheider hatte angefragt, weil er die Häuschen für ein Stück Stadtgeschichte hält. Das Exemplar am Städtischen Gymnasium haben Kunstschüler bemalt, in Avenwedde nehmen Fußballspieler Platz. | © Patrick Menzel

Gütersloh Die Stadt Gütersloh hat ihre 17 provisorischen Bushäuschen verschenkt

Erst belächelt, dann begehrt

Ludger Osterkamp

Gütersloh. Die weiteste Anfrage kam aus der Lüneburger Heide. Eine Dame, die Ostern zu Besuch in Gütersloh war, hatte sich in die Holzwartehäuschen verguckt und hätte sich gerne eines in ihren großen Garten gestellt, mit Blick auf die Heide. Die Stadt beschied ihre Anfrage ablehnend - für die 17 Holzhäuschen hatten sich schon aus dem eigenen Beritt derart viele Interessenten gemeldet, dass sie samt und sonders im Stadtgebietv geblieben sind. "Das Interesse war riesig", sagt Alfons Buske, Leiter des Fachbereiches Tiefbau. Bei 70 habe er aufgehört zu zählen, insgesamt dürften wohl mehr als 100 Anfragen gekommen sein. Die Stadt hatte öffentlich verkündet, die kleinen Hütten an Selbstabholer zu verschenken. "Dass wir darauf eine solche Resonanz erfahren, hat uns überrascht", sagt Buske. In Abstimmung mit der Kommunalpolitik hatte die Stadt eine Priorisierung vorgenommen: Zuerst sollten die heimischen Sportvereine zum Zug kommen, dann die städtischen Schulen, danach caritative Einrichtungen und schließlich Privatleute. Doch wegen der Fülle an Anfragen kam die Stadt über die ersten beiden Kategorien gar nicht hinaus. Auf dem Gelände des Busdepots an der Robert-Bosch-Straße, wo die Hütten zwischenlagerten, gaben sich die Abholer die Klinke in die Hand. Die letzte Bude verließ am 11. Dezember das Depot. Die ersten zwölf Holzhäuschen gingen an die Vereine. Der FC Gütersloh kam zum Zug, der Gütersloher TV, der FC Isselhorst, der SV Avenwedde, der SV Spexard sowie der Reit- und Fahrverein Avenwedde. "Die Dinger sind super, die haben sich schon echt bewährt", freut sich Katja Schäfer, Geschäftsführerin des SV Avenwedde. Der SVA hat seine beiden Häuschen als Trainer- und Reservistenbank neben den Kunstrasenplatz gestellt, eines für das Heim-, eines für das Gastteam. Zuvor hatte es dort keine festen Unterstände gegeben, bei Regen wurden Trainer und Reservisten nass. Vereinsmitglieder haben die Hütten mit Holzschutzfarbe gestrichen und die Öffnungen, die gerne mal als Torwand oder Kletterhilfe zweckentfremdet wurden, provisorisch geschlossen. Auch die Fußballer des FCG oder des SV Spexard nutzen ihre Häuschen als Reservebank. Rücken alle eng zusammen, finden acht Spieler darauf Platz. Das Erstaunliche: Trotz des keineswegs einfachen Transportes - die 4,75 Meter breiten Häuschen wiegen samt Betonfundament zwei Tonnen - blieben alle 17 unversehrt. Ein besonders reizvoll platziertes Exemplar findet sich im Innenhof des Stadtmuseums, zwischen Café und Backsteinhaus. "Es wird rege genutzt, gerade bei freundlichem, sonnigem Wetter", sagt Museumsleiter Dr. Rolf Westheider. Er habe frühzeitig bei der Stadt um Reservierung gebeten, weil er die Holzhäuschen für museal, für "ein Stück Stadtgeschichte" halte. Westheider erinnert an die Aufregung, die die Bushäuschen-Episode ausgelöst hatte. Mehrere Monate hatten die Büdchen an den frequentierteren Bushaltestellen im Stadgebiet gestanden, um die Zeit zwischen dem Abriss der alten und dem Aufbau der neuen Unterstände zu überbrücken. Gefertigt aus mehrschichtigem, verleimtem Holz, hatte die Stadt 3.400 Euro pro Exemplar und Fundament bezahlt. Machten sich Teile der Öffentlichkeit anfangs lustig über die Holzprovisorien und stellten andere durchaus kritische Fragen zu den finanziellen Aspekten dieser Episode, so zeigten sich die Buspassagiere zunehmend dankbar über den Kälte- und Regenschutz. "Inzwischen und im Nachhinein habe ich fast den Eindruck, die Hütten haben Kultstatus", sagt Buske. Vier der 17 Hütten stehen heute auf Schulhöfen - beim Städtischen Gymnasium und den Grundschulen Isselhorst, Kattenstroth und Pavenstädt. "Wir sind dankbar über diese zusätzliche Sitzmöglichkeit", sagt Dr. Siegfried Bethlehem, Leiter des Städtischen Gymnasiums, die Schule habe sich frühzeitig darum beworben. Eine Kunstklasse habe Teile des Holzhäuschens bemalt, es mache sich gut auf dem Pausenhof.

realisiert durch evolver group