Schon in mehr als 80 deutschen Orten zu sehen gewesen: Die Bilderschau ist von einem sozialpolitischen Institut konzipiert. Natürlich spielt auch der aktuelle Prozess gegen die mutmaßliche Neonazi-Terroristin Beate Zschäpe eine Rolle. - © NW
Schon in mehr als 80 deutschen Orten zu sehen gewesen: Die Bilderschau ist von einem sozialpolitischen Institut konzipiert. Natürlich spielt auch der aktuelle Prozess gegen die mutmaßliche Neonazi-Terroristin Beate Zschäpe eine Rolle. | © NW

Gütersloh Ausstellung über die Verbrechen der Neonazis soll nach Gütersloh geholt werden

Tafeln klären über NSU-Morde auf

Ludger Osterkamp

Gütersloh. Die Fraktionen von SPD und Linke wollen die Ausstellung "Die Opfer der NSU" nach Gütersloh holen. Die Ausstellung setzt sich in wissenschaftlich fundierter Form mit den Morden der Terrorgruppe NSU (Nationalsozialistischer Untergrund) auseinander und war bereits an mehr als 80 Orten in Deutschland zu sehen. Die NSU-Verbrechen erfuhr gestern besondere mediale Öffentlichkeit durch die erstmalige Aussage der mutmaßlichen Neonazi-Terroristin Beate Zschäpe. Die beiden Fraktionen SPD und Linke haben einen Antrag für den Kulturausschuss gestellt, der sich nächsten Dienstag damit befasst. Die Stadtverwaltung mit Kulturdezernent Andreas Kimpel vertritt die Ansicht, die Ausstellung nicht einfach nur anzumieten, sondern themenbezogen zu begleiten, etwa durch Theaterstücke oder Lesungen. Dazu bedürfe es einer Vorbereitungszeit, um auch Schulen zur Auseinandersetzung mit diesem Thema zu bewegen. Ohnehin, so die Stadt, werde nur eine Aula oder das Forum einer Schule in Betracht kommen; die Ausstellung benötige so viel Platz, dass in der Bibliothek die Fluchtwege nicht mehr gewährleistet seien und das Forum der Stadthalle durch andere Ausstellungen belegt, überdies mit dem eingebauten Hängesystem nicht geeignet sei. SPD-Fraktionschef Thomas Ostermann und die stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Linke, Almuth Wessel, plädieren in ihrem Antrag dafür, die Ausstellung an einem Ort zu zeigen, der möglichst vielen Bürgern öffentlich zugänglich ist. "Angesichts der Flut von rassistischen Äußerungen in den Social Communities im Internet, die auch vor Gütersloh nicht Halt machen, ist es erforderlich, für Aufklärung gegenüber Rechtsextremismus zu sorgen", schreiben sie. Auch vor dem Hintergrund der mittlerweile offiziell abgeschlossenen Debatte um das Mahnmal der Aramäer und Assyrer und der damit verbundenen Diskussion am Runden Tisch sei die Präsentation der Ausstellung ein Signal an die türkischen Bürger, dass sich die Stadt Gütersloh gegenüber der Aufarbeitung der Morde, die von Rechtsextremisten an Türken verübt wurde, nicht verschließe. Konzipiert ist die Ausstellung vom Institut für Sozialwissenschaftliche Forschung, Bildung und Beratung (ISFBB); sie wird gefördert von der Amadeu-Antonio-Stiftung, dem Kulturreferat der Stadt München, dem Bildungs- und Förderwerk der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft, der Stadt Rostock, der Gewerkschaft Verdi Mittelfranken sowie der Info- und Bildungsstelle gegen Rechtsextremismus im NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln. Die bilderreiche Schau setzt sich auf 22 Tafeln mit den Verbrechen der NSU und dessen gesellschaftlicher Aufarbeitung auseinander. Die Biografien der Ermordeten sind zu lesen, und Angehörige kommen zu Wort. Ein Teil der Ausstellung beleuchtet die Neonazi-Szene, ein anderer befasst sich mit den Gründen, warum die Mordserie lange nicht aufgedeckt wurde.

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