Heimatkunde in kompakter Form: Rolf Westheider (v. l.), Martin Maschke , Friedrich Flöttmann, Johannes Glaw, Eckhard Möller, Ralf Othengrafen, Daniel Bollweg, Siegfried Kornfeld, Landrat Sven-Georg Adenauer und Friedrich Fischer mit dem neuen Jahrbuch. - © Marten Siegmann
Heimatkunde in kompakter Form: Rolf Westheider (v. l.), Martin Maschke , Friedrich Flöttmann, Johannes Glaw, Eckhard Möller, Ralf Othengrafen, Daniel Bollweg, Siegfried Kornfeld, Landrat Sven-Georg Adenauer und Friedrich Fischer mit dem neuen Jahrbuch. | © Marten Siegmann

Kreis Gütersloh Kreisgeschichte zum Durchblättern

Heimat-Jahrbuch: Für die 2016er Ausgabe konzentrieren sich die Macher vor allem auf Kunst und Kultur, aber auch Wirtschafts- und Gesellschaftsthemen sind prominent vertreten. Und zwischen den Zeilen erkennt der Leser auch Parallelen zur Gegenwart

Marten Siegmann

Kreis Gütersloh. Es muss ein Schreckensszenario gewesen sein: "Auf dem Schlachtfelde sah es grässlich aus, besonders viele Franzosen waren gefallen, furchtbare Verletzungen hatten die Geschosse der Fuß-Artillerie angerichtet." Es ist nicht irgendeine Schilderung des Ersten Weltkrieges - rund 30 Jahre nach seinem Tagebucheintrag an der Westfront war der Verfasser Wilhelm Baumann der erste frei gewählte Bürgermeister Güterslohs nach 1945. Seine Kriegstagebücher bilden die Grundlage für eine der insgesamt 27 teils historisch, teils in der Gegenwart angesiedelten Beiträge, die in das Heimat-Jahrbuch des Kreises Gütersloh für das kommende Jahr aufgenommen wurden. 192 Seiten umfasst die aktuelle Auflage des Buchs, seit 1983 erscheint es jährlich. "In diesem Jahr ist der Umfang etwas höher", sagt Kreisarchivar und Chefredakteur Ralf Othengrafen. Jeder der Beiträge hat einen anderen Autor. Othengrafen: "Das macht den Reiz des Buches aus - es wird aus ganz vielen verschiedenen Perspektiven auf den Kreis Gütersloh geblickt." Vor allem die Themen Kunst und Kultur sind in der aktuellen Ausgabe prominent vertreten. So handelt etwa der Beitrag von Autor Eckhard Möller von dem vor 100 Jahren verstorbenen Herzebrocker Bildhauer Caspar von Zumbusch, Rolf Westheider widmet sich Böckstiegels Kollegen Bernhard Kleinhans und Doris Pieper blickt zurück auf das Kulturfestival "Wege durch das Land", das seit 20 Jahren existiert und mittlerweile eine gut gepflegte Tradition im Kreis Gütersloh ist. Von einer Veranstaltung eben dieser Reihe stammt auch das von Detlef Güthenke geschossene Foto, das das Langenberger Gut Geissel auf der Titelseite des Buches zeigt. "Geschichte, Heimat- und Landeskunde" - mit diesen Worten ist der erste Themenblock des Heimatjahrbuchs überschrieben. Die Texte handeln etwa vom Widerstand des Pfarrers Wilhelm Florin - ab 1929 Lehrer am Evangelisch Stiftischen Gymnasium in Gütersloh - gegen das Nazi-Regime, ein anderer thematisiert das Frauen-Strafgefangenenlager in Rheda. Manfred Beine hat unter dem Kapitel "Gesellschaft, Freizeit und Vereine" für das Heimat-Jahrbuch geschrieben. Er ist der Rietberger Gesellschaft "Harmonie" gewidmet. Der Geselligkeits- und Kulturverein besteht seit nunmehr 175 Jahren. Ursprünglich gegründet, "um sich durch gesellschaftliche Unterhaltung und Vergnügen zu erheitern", stehen mittlerweile vor allem freundschaftliche Begegnungen und das Geselligkeitsmoment bei gemeinsamen Exkursionen in die Kunst- und Kulturgeschichte auf dem Programm. Auch beim Gütersloher Flöttmann-Verlag steht ein Jubiläum an: 150 Jahre in die Vergangenheit reicht die Firmengeschichte zurück. Grund genug für Autor Volker Pieper, auf die Geschichte des Unternehmens zurückzublicken, das seit nunmehr 34 Jahren auch das Heimat-Jahrbuch verlegt. Ein Beispiel für weniger erfolgreiche Ökonomie gibt Wolfgang Kosubek in seinem Beitrag über den Bergbau in Ascheloh und Eggeberg. Bevor der Betrieb 1925 vollends eingestellt wurde, so die Überschrift, wurde man in Halle mit Steinkohle "eher arm als reich". Ob Halle oder Rietberg, Gütersloh oder Rheda - "so ein Jahrbuch hat auch eine Klammerfunktion für den Kreis", sagt Kreisheimatpfleger Martin Maschke. 3.500 Mal wurde das Heimat-Jahrbuch in der aktuellen Ausgabe gedruckt, für 12 Euro ist es bei lokalen Buchhandlungen oder direkt beim Flöttmann-Verlag erhältlich. Und während die aktuelle Ausgabe gerade erst erschienen ist, macht sich die Redaktion schon Gedanken um das kommende Jahr - die Planungen für das Heimat-Jahrbuch 2017 sollen bereits im Dezember starten.

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