Bekanntes Gesicht: Philipp Rother (v. l.) konnte Fußballtrainer Peter Neururer als Paten für das Projekt gewinnen. - © Rolf Birkholz
Bekanntes Gesicht: Philipp Rother (v. l.) konnte Fußballtrainer Peter Neururer als Paten für das Projekt gewinnen. | © Rolf Birkholz

Gütersloh Trainer Peter Neururer ist Pate der Mobilen Retter

Rolf Birkholz

Gütersloh. Bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand zählt jede Sekunde. Bis der Rettungswagen in acht, neun Minuten eintrifft, vergeht wertvolle Zeit. Gut, wenn dann Angehörige, Nachbarn oder eben durch eine Smartphone-App informierte, ausgebildete Ersthelfer, die sich zufällig in der Nähe aufhalten, noch schneller zur Stelle sind. Der Verein "Mobile Retter" erhielt jetzt für sein gleichnamiges Ersthelfersystem im Innovationswettbewerb "Ausgezeichnete Orte im Land der Ideen" einen Jurypreis und wurde auch Publikumssieger. Als Projektpate will Fußballtrainer Peter Neururer "die überragend grandiose Idee" weiter tragen. Als Vertreter einer der Sponsoren der von Bundesregierung und Wirtschaft getragenen Initiative "Deutschland - Land der Ideen" überreichte Marc Brinkhoff, Gütersloher Filialdirektor der Deutschen Bank, im Kreishaus die Urkunde. "Wir sind sehr stolz, unter 1.000 Teilnehmern ausgewählt worden zu sein", freute sich Philipp Rother, Vorsitzender von Mobile Retter e. V. Auch die Mitarbeiter der Kreisverwaltung einschließlich Landrat Sven-Georg Adenauer, die sich teils als Testpersonen für die Einführung des Systems mitgemacht hatten, hätten fleißig mit abgestimmt, sagte Adenauers Stellvertreterin Christine Disselkamp. Inzwischen seien im Kreis 502 Ersthelfer registriert, zumeist Rettungssanitäter bei der Feuerwehr, den Hilfsorganisationen, Mitarbeiter bei Kommunen, Krankenschwestern und Ärzte. Bei den in den vergangenen zwei Jahren ausgelösten 667 Alarmierungen seien 323 solche Ersthelfereinsätze erfolgreich absolviert worden. Angesichts von 10.000 Menschen, die im Kreis Gütersloh im Gesundheitssektor tätig seien, sieht Disselkamp "noch viele Menschen, die sich registrieren lassen könnten." Als erste Gebietskörperschaft hat der Kreis Germersheim die Gütersloher Idee übernommen. Notarzt Ralf Stroop aus Halle hatte den Gedanken, die Smartphone-App "Mobiler Retter" zu entwickeln, durch die Ersthelfer von der Rettungsleitstelle geortet und zum Einsatzort geschickt werden können. Stroop wies darauf hin, dass in Deutschland jährlich 75.000 Mal ein Herz-Kreislauf-Stillstand eintrete, aber nur in 5.000 Fällen so rechtzeitig geholfen werden könne, dass der Betroffene ohne bleibende Schäden davon komme. Die Überlebensquote für Erkrankte verbessere sich deutlich, wo Schnellhelfer "in den wichtigsten Minuten für diesen Menschen" eingriffen. So einem Helfer verdankt auch Peter Neururer wohl sein Leben. Der bekannte Fußballtrainer, der zuletzt den VfL Bochum trainierte und zurzeit als TV-Fußballexperte tätig ist, berichtete, wie er beim Golfspielen vor ein paar Jahren ohne vorherige Warnzeichen plötzlich umkippte. Noch tags zuvor habe er bei einem Benefiz-Fußballspiel 90 Minuten problemlos durchgehalten. Er habe riesengroßes Glück gehabt, so der 60-Jährige, dass sich ein ausgebildeter Sanitäter in seinem Spielbereich befunden habe. Der Rettungswagen wäre wohl zu spät gekommen. Der Anruf mit der Anfrage, ob er Projektpate für die Mobilen Retter werden wolle, hatte den Gelsenkirchener ebenfalls auf einem Golfplatz erreicht. Neurer hatte sofort zugesagt. Er werde alles tun, das Anliegen, auch anderswo solche Ersthelfersysteme einzurichten, weiter zu verbreiten, versicherte er nun. "Das ist eine geniale Idee."

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