Maus im Haus: Für die meisten Menschen gehört der Kampf gegen die Tierchen längst nicht mehr zum Alltag, doch es gab Zeiten, da war das anders. - © DPA
Maus im Haus: Für die meisten Menschen gehört der Kampf gegen die Tierchen längst nicht mehr zum Alltag, doch es gab Zeiten, da war das anders. | © DPA

Gütersloh Das Starke Stück (2): Wie Mausefallen in den 1920ern aussahen

Das Modell der Marke Luchs war ein Verkaufsschlager

Vera Breitner

Gütersloh. Die bekannte Hausmaus hat nicht gerade viele Freunde. Umso beliebter sind seit jeher Mausefallen. Ihr Prinzip ist denkbar einfach: ein rechteckiges Brettchen mit einer metallenen Klappvorrichtung, die den lästigen, kleinen Nagern mit einem Schlag den Garaus machen soll. Für die meisten Menschen gehört der Kampf gegen die Tierchen längst nicht mehr zum Alltag, doch es gab Zeiten, da war das anders. Nach einer weltberühmten Mausefalle sieht der Bender-Apparat zwar nicht aus, ist er aber. Benannt wurde er nach seinem Erfinder Carl Bender, der ihn um 1900 entwickelte und patentierte, bevor das Unternehmen in den 1920er Jahren von der Firma Wilmking übernommen wurde. Der Familienbetrieb aus Gütersloh durchlief seit der Gründung 1843 mehrere Phasen, in denen verschiedene Produkte hergestellt wurden. Am Anfang stand die Metallverarbeitung in einer Schlosserei und später eine Kunstschmiede. Tresore, Telegraphen und auch Fahrräder wurden dort hergestellt, bis die Firma schließlich mit ihren Mausefallen der Marke "Luchs" ihren großen Durchbruch erreichte, die ab 1906 in dem eigens dafür errichteten Fabrikgelände in Kattenstroth gefertigt wurden. Innerhalb kurzer Zeit stieg Wilmking zum größten Mause- und Rattenfallenhersteller der Welt auf. Nach der Übernahme von Benders Betrieb, wurde bei Wilmking das Prinzip der Wasserfalle verfeinert, indem man Metallteile beim Bau der hölzernen Falle verwendete. So kam sie schließlich als automatische Wassermausefalle "Capito" der Marke Luchs in die Massenproduktion. Sie erreichte schnell reißende Absätze, denn mit dem Apparat ließen sich bis zu zwanzig Mäuse auf einmal fangen: Die Maus wurde durch einen Köder angelockt. Sobald sie aber in die Falle getappt war, schloss sich hinter ihr der Eingang, der einzige Fluchtweg. Dadurch blieb ihr nur noch die Möglichkeit des Aufstieges in eine Art Rohr. Da die Nager Hindernisse auch senkrecht hinaufklettern können, war es für sie kein Problem bis nach oben zu gelangen und auch nicht, sich durch die Verengung zu zwängen, die in der Mitte des Rohres angebracht waren und ihr dadurch den Weg zurück versperrte. Sie musste also weiter klettern - durch eine Öffnung am oberen Ende des Rohrs. Dort trat sie auf einen Mechanismus, der das Eingangstörchen wieder öffnete, während die Maus in den Behälter auf der Rückseite abrutschte und, wenn sie Pech hat, ertrank. Hatte die Tiere Glück und der Behälter war nicht mit Wasser befüllt, so konnte sie trotzdem nicht heraus, da das glatte Metall selbst für eine Maus keinerlei Klettermöglichkeiten anbot. Eine unschöne Vorstellung, die es nur allzu verständlich macht, dass der Einsatz dieser und ähnlicher Geräte zur Schädlingsbekämpfung heute aus Gründen des Tierschutzes verboten sind.

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