Im Parkbad: Margret Eberl (Kreissportbund, v.l.), Margarete Langwald (Alzheimer Gesellschaft Gütersloh e.V.), Brunhilde Peil (Diakonie) und Dr. Gerhard Nübel (Alzheimer Gesellschaft Gütersloh e.V.) - © Robert Becker
Im Parkbad: Margret Eberl (Kreissportbund, v.l.), Margarete Langwald (Alzheimer Gesellschaft Gütersloh e.V.), Brunhilde Peil (Diakonie) und Dr. Gerhard Nübel (Alzheimer Gesellschaft Gütersloh e.V.) | © Robert Becker

Gütersloh Sport hilft gegen Demenz

Kreissportbund und Alzheimer-Gesellschaft starten neues Projekt

Robert Becker

Gütersloh. "Mitten drin statt außen vor" lautet der Titel eines Sportprojekts, das der Kreissportbund und der Verein Alzheimer Gesellschaft Gütersloh mit drei Vereinen angeschoben haben. Am Sonntag trafen sich die Akteure zum Austausch im Parkbad. Ursprünglich war eine Veranstaltung unter freiem Himmel für und mit Alzheimer-Sportlern geplant. Aufgrund des Regens wurde sie nach drinnen verlegt. Alzheimer nehme nicht zu, aber die Menschen werden älter. Verbunden damit erkrankten mehr Menschen daran, erklärte Dr. Gerhard Nübel, der das Projekt "Sport für Menschen mit Demenz" maßgeblich angeschoben hat. Nübel praktizierte über 20 Jahre in den LWL-Kliniken und betreibt aktuell eine eigene Praxis in Gütersloh. Anlass, die Veranstaltung durchzuführen, war unter anderem das Ansinnen, auf den Welt-Alzheimertag am 21. September hinzuweisen. Den Akteuren geht es in erster Linie darum, Öffentlichkeit zu schaffen, die Übungsleiter zu schulen und die Betroffenen auf Angebote hinzuweisen. Die Vereine hätten festgestellt, dass Sportler an Demenz erkrankten und dann nicht mehr zur Sportstunde kämen. Einfach zu Hause bleiben ist der schlimmste Fall, sagen die Projektbeteiligten. "Bewegung geht uns alle an", schiebt Margarete Langwald, die Mitglied der Alzheimer Gesellschaft ist und ein Heim in Langenberg leitet, das Thema in den Blickpunkt. Im Winter hat im Kreishaus eine Schulungsreihe stattgefunden, in der Nübel und Katja Plock einige Mediatoren von Vereinen mit Wissen versorgt hatten. Die zentrale Frage lautete: "Wie können wir Alzheimerpatienten zurückholen in die Gesellschaft? Und zweitens, wie gehen wir mit Demenzkranken um? Mit dem SV Spexard, dem Wiedenbrücker TV und dem TV Werther hat der KSB drei Vereine gefunden, die das Programm umsetzen. "Über Bewegung wissen die Übungsleiter eine ganze Menge, aber über den Umgang mit Demenz eher wenig", erklärte Margret Eberl, die das Projekt seitens des Kreissportbunds betreut."Wir haben Vereinsgruppen, in denen der 80-Jährige normal geworden ist" Mit zwei Ansätzen soll der Sport nun an den Patienten gebracht werden. Der eine verfolgt die "normale" Sportstunde im Verein: Der einzelne Demente unter gesunden Sportlern. Der andere beschreibt das Training in einer "homogenen" Gruppe von Alzheimerpatienten, gegebenenfalls in einer Einrichtung. "Wir haben Vereinsgruppen, in denen der 80-Jährige normal geworden ist", erklärt Nübel, warum die Demenz in den nächsten Jahren auf die Vereine zurollt. Sicher sind sich alle Beteiligten, dass Sport hilft, mit Alzheimer umzugehen. "Über lange Strecken kann der Demenzkranke Sport machen", sagt Nübel. Halte man den Patienten fit durch Sport, steige die Wahrscheinlichkeit, dass er am Ende an einer ganz anderen Erkrankung stirbt, so Nübel. Die Medizin wisse, dass Bewegung dazu beiträgt, kognitive Fähigkeiten zu erhalten oder sogar zurückzuholen. Weil die kurzfaserige Muskulatur, die zur Stabilisierung des Körpers wichtig ist, sich schneller zurückbilde als die übrige, sei besonders ein Training dieser Muskelgruppen wichtig, um Sturzrisiken zu verringern. "Die Gesetze der Trainingslehre sind durch Demenz nicht außer Kraft gesetzt", sagt Nübel. Zwei wichtige Ergebnisse skizziert Margret Eberl: Die Menschen seien nach dem Sport oft ruhiger; sie haben ihren Bewegungsdrang abgearbeitet. Ein weiterer Punkt ist das Gruppengefühl. "Das Herz wird nicht dement", sagt Brunhilde Peil, die für die Diakonie Gütersloh Beratung anbietet. In Wiedenbrück werden Demenzerkrankte bereits in einer "Reha-Sportgruppe Neurologie" trainiert. Dort üben unter anderem Demenz- und MS-Erkrankte, Schlaganfall- und Parkinsonpatienten. "Sie haben alle die gleichen Indikationen", erläutert Eberl diese Zusammenführung. Eberl kann sich für Demente auch einfache Übungsstunden vorstellen, wie Walking in der Gruppe. Mit Erfolg wird von den gleichen Initiatoren seit eineinhalb Jahren das Projekt "Wir tanzen wieder" bei Stüwe-Weissenberg angeboten. Ingrid Werner, Übungsleiterin von "Wir tanzen wieder", war gestern im Parkbad dabei.

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