Von der Musik der Renaissance verzaubert: Jana Baltrusch, Till-Malte Mossner, Nora Rutte und Peter Kunsch (v.l.) bringen den Charme der Musik dem Publikum näher. - © Eugenie Kusch
Von der Musik der Renaissance verzaubert: Jana Baltrusch, Till-Malte Mossner, Nora Rutte und Peter Kunsch (v.l.) bringen den Charme der Musik dem Publikum näher. | © Eugenie Kusch

Gütersloh Botschafter der alten Musik

Gütersloher Chor- und Liedersommer mit dem "ensemble singklang"

Eugenie Kusch

Gütersloh. Diese Musik ist sehr betagt, viel älter als Werke von Bach oder Händel. Sie kann für ein modernes Ohr eingangs ungewöhnlich klingen und einem ungeübten Zuhörer vermutlich etwas eintönig erscheinen. Das sehen drei junge Musiker aus Dresden ganz anders. Die Sopranistin Jana Baltrusch, die Altistin Nora Rutte und der Bariton Till Malte Mossner scheinen von der Musik der Renaissance, die sie einst als Chorsänger gründlich kennenlernten, regelrecht verzaubert zu sein. Seit sieben Jahren sind sie als "ensemble singklang" die Botschafter dieser Musik. Am Sonntag traten sie auf Einladung des "Förderverein historische Kirchen im Stadtzentrum Gütersloh" in der Apostelkirche auf und waren selbst über die große Anzahl der Besucher überrascht, die sich unbeachtet des besonders schönen Sommerabends für das sublime Musizieren entschieden. Das "ensemble singklang" brachte den Zuhörern die alten Texte mit ihren verborgenen oder offenbaren Emotionen, ihrem Humor und den melodischen Raffinessen sehr überzeugend nahe. Nur mit drei Stimmen kann man, wie sich herausstellte, eine wichtige Epoche der Musikgeschichte und eine Entwicklung der Mehrstimmigkeit, von der später auch Bach profitierte, veranschaulichen. Es war eine Reise mit siebzehn Komponisten quer durch Europa: Nach den ernsthaften und stets sauber, flexibel und deutlich artikulierten Motetten mit religiösem Hintergrund, wie dem "Ave verum" von Josquin Desprez, der um 1500 als der beste Komponist seiner Zeit galt, wandelte die Stimmung vom höchst Intensiven zum Idyllischen oder einfach nur zum Fröhlich-Scherzhaften. Nach der Motette "O quam pulchra es", in der Claudio Monteverdi die weibliche Schönheit anpreist und bei der die Sänger mit feinen chromatischen und präzise ausgeführten Koloraturen glänzten, sorgte der nach Gütersloh zum Mitwirken eingeladene Perkussionist Peter Kuhnsch in den folgenden Werken mit im Mittelalter angewandten Instrumenten wie Tamburin, Trommeln oder Klappern-Holzstäben für bereichernde, rhythmisch-farbige Akzentuierungen. So verstärkte er die Wirkung des fröhlichen Lieds "Drei Stimm in ein" von Michael Praetorius, das mit den sich stets wiederholenden Silben "nu, nu, diri don" und Worten: "Singt alle nach mir" zum Intonieren im Kanon einlud oder eines anderen von Johann Hermann Schein, in dem schon allein der Titel "Kicke hi ho, ha ha ha ha" eine heitere Musik ankündigte, die dann auch lebendig und mit Humor vorgetragen wurde. Ein Konzert-Plädoyer für den Charme der Renaissance: Gekleidet in historischen Kostümen, gewappnet mit viel Können und Wissen über die Zeit, die sich nicht unbedingt der größten Beliebtheit bei den Zuhörern erfreut, tragen die Auftritte des "ensemble singklang" wie diese in Gütersloh womöglich dazu bei, dass sich weitere Ohren und Herzen für die alte Musik öffnen.

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