Marian Friedl bläst seine Melodien ohne Fingersatz auf der Hirtenflöte - © Rainer Schmidt, 2015
Marian Friedl bläst seine Melodien ohne Fingersatz auf der Hirtenflöte | © Rainer Schmidt, 2015

Gütersloh Tschechische Musik begeisterte im Angenete-Garten

„Weltstadtmusik“ mit dem Jitka Šuranská Trio

Gütersloh. Auch das offensichtlich sonnige Gemüt der Musiker, die angetreten sind, ihr Publikum im Angenete-Garten wie schon an diesem Vormittag im Bielefelder Bauernhausmuseum mit facettenreichem Programm und ausdauernder Spielfreude zu unterhalten, hat es nicht verhindern können, dass sich das anfängliche Nieseln zu einem handfesterem Regen steigerte und schließlich verhinderte, dass das Freiluft-Konzert fortgesetzt werden konnte.

Zuvor hat das Trio spontan das Bühnenpodest verlassen, unterm Blätterdach eines Baumes weiter gespielt und damit ihr Improvisationsvermögen bewiesen. Vielbeschäftigte Musiker hat die im tschechischen Zlìn und dort in der Bohuslav Martinù Philharmonie beheimatete Geigerin Jitka Šuranská für ihre der traditionellen mährischen Folklore verpflichtete Gruppe ausgewählt.

Mit diesen gerade von anderen Engagements aus verschiedenen Gegenden Europas zusammengetroffenen Kollegen sei sie einzelne Stücke erst während der Autofahrt zu ihrem ostwestfälischen Engagement durchgegangen, wie die Musikerin amüsiert und begeistert zugleich erzählt. Multiinstrumentalist Marian Friedl als Sänger am Steuer, Mandolinist Martin Krají?ek und die Geigerin selbst spielend auf der Rückbank. Jetzt unter diesem Baum hört sich das Ergebnis an, als würden diese Drei sich tagtäglich abends auf einem Dorfplatz im heimatlichen Mähren zum Musizieren treffen. Sogar besonders direkt und ausdrucksstark erreichen ihre melancholisch verträumten Melodien, die gern von schwungvollen Soloeinwürfen abgelöst werden, in der unverstärkten akustischen Version das Ohr des Zuhörers.

Ebern falls intuitiv und spontan aufeinander abgestimmt wirkt es, wie diese Musiker die Gesangsstrophen und ihre temperamentvoll und klangfarbenreich gestalteten instrumentalen Kommentare ineinander greifen lassen., aus zwei traditionellen Liedern aus verschiedenen Zipfeln des Landes ein eigenständiges Stück schaffen, wie es die Geigerin und der aus der beskidischen Karpatenregion stammende Marian Friedl mit wechselndem Gesang, flotten Bogenstrich und rasanten Flöteneinwürfen zeigen, als wäre das ganz selbstverständlich.

Für einen Solovortrag hat Friedl aus seinem Instrumentarium, das auch chromatisch oder sogar zweistimmig spielbare Flöten und ein für die östliche Musik ungewöhnlich hell und perkussiv klingendes (jedoch der landestypischen Urform entsprechendes) Hackbrett aufbietet, eine Naturtonflöte ausgewählt, singt im flotten Wechsel Strophen eines Hochzeitsliedes, wie ein schalkhafter Erzähler, dem immer noch eine Pointe einfällt.

Der vielseitige Musiker mit Jazzhintergrund bringt auch ein sehr versiertes Kontrabassspiel ein. Mit Krají?eks ansonsten etwas zu zurückhaltend begleitender, da in der landestypischen Folkmusik nicht verwurzelten Mandoline entspinnt sich ein rasantes, an amerikanischen Western Swing erinnerndes Zusammenspiel, kurz bevor sich die Zuhörerschaft unter Regenschirmen und Kapuzen zerstreut.

Der Reihe wäre ein nahegelegenes Ausweichquartier zu wünschen. Dennoch sollten sich die Veranstalter nicht in ihrem Mut beirren lassen, ihre Sommerkonzerte möglichst im Freien über die Bühne zu bringen.

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