Kochen nach Programm: Beobachtet von Protokollanten und Kameras geht Michael Schade ans Werk. Miele-Koch Detlef Wanzek (r.) assistiert. - © Stefan Weber
Kochen nach Programm: Beobachtet von Protokollanten und Kameras geht Michael Schade ans Werk. Miele-Koch Detlef Wanzek (r.) assistiert. | © Stefan Weber

Gütersloh Projekt "KogniHome": Kochen für die Wissenschaft

Forscher und Industrie arbeiten am Wohnen der Zukunft

Stefan Weber

Gütersloh. In der Miele-Versuchsküche sieht es aus wie beim "Kochduell". Scheinwerfer fluten den Raum mit Licht, Kameras sind vor den Kochfeldern aufgebaut. Hier wird für die Wissenschaft gegart: Im Projekt "KogniHome" wird an der intelligenten Wohnung der Zukunft geforscht, und bei Miele geht es ganz speziell ums Kochen - und wie Technik dabei helfen kann. Das Projekt "KogniHome" vereint Wissenschaftler des Exzellenzclusters Kognitive Interaktionstechnologie (CITEC) der Universität Bielefeld mit Firmen wie Miele, Hettich und Hella. Die Industriepartner sind wichtig für das Projekt, sagt CITEC-Koordinator Helge Ritter - auch, weil sie umfangreiche Erfahrungen dazu einbringen, wie man aus Ideen erfolgreiche Produkte macht. Eine der Ideen ist das assistierte Kochen, das im Projekt auch "Rezeptspurassistent" oder "KogniChef" genannt wird. Für das Experiment in der Versuchsküche hat das Team den Ablauf vorbereitet. In Mappen steht, Schritt für Schritt bebildert, wie man ein einfaches Menü zubereitet: Rindersteaks, Salzkartoffeln und Brokkoli, zum Nachtisch Crème brulée.Assistent unterstützt und motiviert Sören Klett, Informatik-Doktorand, und Michael Schade, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim CITEC, sind die Versuchskaninchen. Beide kochen nach Anleitung, aber Schade ist im Vorteil. Miele-Profikoch Detlef Wanzek assistiert bei der Arbeit: Wenn Schade etwas vergisst, greift Wanzek ein, erläutert die Schritte zum fertigen Menü und bedient Backofen und Dampfgarer. Wanzek übernimmt damit versuchsweise die Rolle des elektronischen Assistenten "KogniChef". Er soll unterstützen, leiten, informieren und motivieren. Die große Herausforderung beim Kochen ist das Timing, weiß Designer Matthias Stahl, bei Miele für das KogniHome-Teilprojekt "Digitale Küche" verantwortlich: dass alle Speisen zum richtigen Zeitpunkt perfekt gegart sind. Gute Köche regeln das mit Erfahrung, der "KogniChef" wird dieses Wissen aus einer Datenbank beziehen. Der digitale Assistent soll das gespeicherte Wissen dem Bediener weitergeben.Koch mit Humor und Routine Komfortabel soll das sein, Spaß am Kochen vermitteln, aber auf keinen Fall lästig werden. Im Experiment begegnen sich die wissenschaftlich-theoretische Vorbereitung und die Praxis an der Küchenzeile. Profikoch Wanzek meistert die Aufgabe mit Humor und gelassener Routine: Die Kartoffeln nach dem Schälen ins Wasser, sonst werden sie braun. Die Steaks werden mit Öl bepinselt, so kann man fettarm anbraten. Und Vorsicht vor den scharfen Chilischoten. Als Schade zur nächsten Seite der Anleitung blättert und Zwiebeln für die Soße schneiden will, grätscht Wanzek dazwischen: Erst muss das Fleisch in den Ofen, sonst gerät der Zeitplan durcheinander. Akribisch protokollieren die Wissenschaftler, was am Arbeitsplatz Küche geschieht. Welche Fragen werden gestellt? Wo greift der Assistent aktiv ein? Aus den Erfahrungen des eintägigen Praxistests werden Anforderungsprofile und daraus die ersten Entwürfe der intelligenten Küche, die sogenannten "Demonstratoren". In der fertig ausgestatteten Wohnung sollen verschiedene Bereiche digital miteinander vernetzt werden mit dem Ziel, die Bewohner zu einem aktiven Leben zu motivieren. Kochen, da sind sich die Beteiligten einig, gehört unbedingt dazu.

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