Nur echt mit diesem Zeichen: Eva Willenborg von der ausrichtenden Gütersloh Marketing GmbH zeigt eine der Armbinden, mit denen die Teilnehmer des „Tweed Run“ kenntlich gemacht werden – wenn sie nicht schon ohnehin durch ihr Outfit und ihre historischen Räder zu erkennen sind. - © FOTOS: RAIMUND VORNBÄUMEN
Nur echt mit diesem Zeichen: Eva Willenborg von der ausrichtenden Gütersloh Marketing GmbH zeigt eine der Armbinden, mit denen die Teilnehmer des „Tweed Run“ kenntlich gemacht werden – wenn sie nicht schon ohnehin durch ihr Outfit und ihre historischen Räder zu erkennen sind. | © FOTOS: RAIMUND VORNBÄUMEN

Gütersloh Zeitreise auf zwei Rädern

Für einen Nachmittag lebten beim „Tweed Run“ in Gütersloh die 30er und 40er Jahre wieder auf

Eike J. Horstmann

Gütersloh. Als die ersten Teilnehmer erschienen, wurden sie von Passanten bestaunt wie lebendig gewordene Ausstellungsstücke des Stadtmuseums. Doch im Verlauf der Zeit sammelten sich immer mehr Damen und Herren in feinen Tweed-Sackos und Kleidern im Stil der 30er und 40er Jahre an der Kökerstraße – so dass vor dem historischen Ambiente des Museums irgendwann die Leute in moderner Kleidung wie aus der Zeit gefallen wirkten. Die zweite Auflage des „Tweed Runs“ ließ am Sonntagnachmittag die Welt der 40er Jahre wieder auferstehen, sowohl mit stilvoller Kleidung als auch mit alten, aber überaus gepflegten Zweirädern. Mit viel Liebe zum Detail hatten sich die rund 60 Teilnehmer – etwas mehr als noch im vergangenen Jahr – herausgeputzt, sich Knickerbocker mit Kniestrümpfen, Sackos oder ganze Ensembles aus dem kräftigen britischen Stoff angezogen. „Heute gilt das eher als Alt-Herren-Stil, damals war die Kleidung Teil einer Jugendkultur“, sagt Sarah Bokermann vom Salon Haartolle, die im Stadtmuseum sowohl Damen als auch Herren im Stil der 40er Jahre frisierte – Pomade inklusive. Die gute Laune der Tweed-Runner übertrug sich schnell auf die Zaungäste, beim Start der Radtour standen sie dem kräftig klingelnden Tross sogar Spalier. „Es waren in diesem Jahr viel mehr Zuschauer“, sagt Jan-Erik Weinekötter von der ausrichtenden Gütersloher Marketing GmbH. Besonders im Botanischen Garten, wo sich die Gruppe am Palmenhauscafé zum Picknick niederließ, waren die historischen Radler das Motiv ungezählter Handy-Fotos. „Es war eine traumhafte Kulisse“, sagt Weinekötter. Nach der Tour kreuz und quer durch Gütersloh kehrten die Teilnehmer zurück zum Stadtmuseum, wo abschließend die stimmigste Bekleidung, das beste Gesamtkunstwerk und die besten Räder prämiert wurden. Der Gewinner bei den Herren trug entgegen des Namens der Veranstaltung überhaupt kein Tweed: Jens Franke, Sammler historischer Bekleidung, bestach mit einem Original-Sportpullover aus den 40er Jahren vom Northside College im US-Bundesstaat Indiana. Tatsächlich ein Original? Schneidermeister Heinrich Kleegräfe überzeugte sich selbst: „Ich sehe kleine Mottenlöcher, das ist echte Wolle. Die würden an Polyester nicht drangehen.“ Beste Bekleidung, beste Räder Den Preis für die beste Herren-Bekleidung erhielt Jens Franke aus Schloß Holte. Mit dem stimmigsten Kleidungskonzept einer Dame wartete Claudia Wagner aus Werther auf. Für das beste Gesamtkunstwerk wurden zwei Preise ausgelobt. Einer ging an Susanne und Jeremy Buxton aus Gütersloh, der andere an Silke und Helmut Ebel, die aus Herford zum Tweed Run angereist waren. Auch die besten Fahrräder wurden prämiert. Diese wurden von den Güterslohern Rieke Paland und Achim Kiffmeyer gefahren. Das Fabrikat der Räder überrascht nicht: Sie kommen von Miele.

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