Kleine Glasfaserdrähte: So sieht der Internetturbo aus.
Kleine Glasfaserdrähte: So sieht der Internetturbo aus.

Gütersloh Telekom hat in Gütersloh mit dem gezielten Breitbandausbau begonnen

Telekom hat in Gütersloh mit dem gezielten Breitbandausbau begonnen

Ludger Osterkamp

Gütersloh. Das schnelle Netz, es nimmt langsam Formen an: Die Deutsche Telekom hat in Gütersloh begonnen, Gräben fürs Breitband buddeln zu lassen. Spätestens in einem Jahr, ab erstem Quartal 2016, sollen nahezu sämtliche Gütersloher Haushalte Zugang zum schnellen Internet haben. "Wir treiben die Ausbauarbeiten zügig voran", verspricht Karl-Heinz Rempe, Beauftragter für den Breitbandausbau bei der Telekom. "In Gütersloh werden über 86 Kilometer Glasfaserkabel neu verlegt und 183 neue Netzverteiler aufgebaut." Die Einschränkungen für die Bürger würden in Grenzen gehalten. Rempe: "Wir gehen immer in überschaubaren Abschnitten voran. Nach Abschluss ist der gesamte Vorwahlbereich 05241 mit schnellem Internet versorgt." Die Vorwahl 05241 haben circa 40.000 Haushalte. Was mit den übrigen 5.000 Haushalten passiert (Friedrichsdorf etwa hat die Vorwahl 05209), hat die Stadt bislang nicht mitgeteilt. Ende Januar hatte Bürgermeisterin Maria Unger erklärt, es sei wichtig, für Friedrichsdorf und die Gewerbegebiete Lösungen zu finden, die das finanzielle Engagement der Stadt begrenzten, es gelte, Fördermöglichkeiten auszuloten. In Gütersloh haben nun an etlichen Stellen Firmen im Auftrag der Telekom angefangen, Leerrohre zu verlegen und Schaltgehäuse zu verteilen. Am Anger, vor der Zufahrt zum Real-Markt, waren gestern mehrere Mitarbeiter des heimischen Kabel- und Rohrleitungsbauers Horsthemke im Einsatz. Dessen Geschäftsführer Christian Alteilges sagte, die Arbeiten gingen gut voran. Er rechne für seine Firma damit, bis Anfang August mit allem durch zu sein. Horsthemke hat von der Telekom den Auftrag für das Verlegen von 5,5 Kilometern neuer Rohre und das Aufrüsten von 30 Kilometern bereits verlegter Rohre. Wie viele Firmen sich insgesamt den Gütersloher Telekom-Kuchen teilen, wisse er nicht. Ohnehin macht der Bonner Unternehmensriese ein Geheimnis aus der Höhe seiner Investition. Der Geschäftsführer des kommunalen Zweckverbandes Infokom, Andreas Poppenborg, hatte unlängst gesagt, Telekom werde mehrere Millionen Euro investieren, nicht nur in Gütersloh, sondern im gesamten Kreisgebiet; das habe der Konzern auch vertraglich zugesichert. Die Telekom hatte bei der Bundesnetzagentur einen Antrag auf Netzausbau gestellt und im Bewerbungsverfahren den Zuschlag erhalten. Laut Maria Unger plant die Telekom den Ausbau ohne öffentliche Förderung. Seine aktuellen Erdarbeiten begleitet der Konzern mit einer Vertriebsoffensive. An mehreren Stellen in Gütersloh hat er Plakate geklebt, auf denen er verspricht, Übertragungsraten von bis zu 100 Megabit pro Sekunde selbst dort zu liefern, wo sich Fuchs und Hase Gute Nacht sagen. Erreichen will er diese Raten auf mehreren Wegen. Erstens, auf der Strecke zwischen der örtlichen Vermittlungsstelle und den Schaltkästen (die kleinen grauen Multifunktionsgehäuse am Straßenrand, MFG) ersetzt sie das Kupferkabel durch Glasfaser. Jedes MFG beherbergt bis zu 800 Internetanschlüsse. Zweitens, die MFG will sie derart über Gütersloh verteilen beziehungsweise aufrüsten, dass die Entfernung zum Kunden möglichst gering sei. Denn es gelte die Faustformel: Je näher der Kunde an einem dieser grauen Schaltkästen wohnt, desto schneller ist die Datengeschwindigkeit. Drittens, auf der Kupferleitung, die dann die letzten Meter vom MFG zum Kunden überwindet, will sie Vectoring-Technik zum Einsatz bringen. Vectoring, so die Telekom, mache dem Kupfer Beine, indem es die elektromagnetischen Störsignale beseitigt. Dadurch treibt sie den DSL-Anschluss, der im Schnitt, je nach Up- oder Download, etwa 50 Megabit schafft, auf das Doppelte, also 100 Megabit. Problem: Vectoring ist nur möglich, wenn ein einziger Betreiber die Komplettkontrolle über den Schaltkasten übernimmt. Konkurrenten wie die in Gütersloh starke Unitymedia oder die BiTel würden somit verdrängt. Kritiker sehen in dem Vectoring daher den Versuch einer Re-Monopolisierung des Breitbandmarktes.

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