Dokumentarfotograf Andrey Sosnin hält die Auseinandersetzung gerade junger Menschen mit den Folgen des Krieges für wichtig. Nur so könne die Erinnerung über Generationen aufrechterhalten werden, sagt der 30-Jährige, der derzeit noch in Bielefeld studiert. - © FOTO: NATALIE GOTTWALD
Dokumentarfotograf Andrey Sosnin hält die Auseinandersetzung gerade junger Menschen mit den Folgen des Krieges für wichtig. Nur so könne die Erinnerung über Generationen aufrechterhalten werden, sagt der 30-Jährige, der derzeit noch in Bielefeld studiert. | © FOTO: NATALIE GOTTWALD

Gütersloh Dokumentation im "Ost-Look"

Fotoausstellung von Andrey Sosnin zeigt Jugendliche im russischen Rshew bei der Kriegsgräberpflege

VON NATALIE GOTTWALD

Gütersloh. "Ost-Look" – das ist der Name eines Portals, unter dem sich Fotografen aus östlichen Ländern Europas zusammengeschlossen haben. Teil davon ist Andrey Sosnin. Der aus Sibirien stammende und heute in Bielefeld lebende Fotograf hat am letztjährigen Jugendcamp des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge im russischen Rshew teilgenommen. Bilder, die dort unter anderem mit Gütersloher Jugendlichen entstanden sind, werden jetzt im Stadtmuseum gezeigt.

"Der Krieg ist zurück in Europa", fasst Museumsleiter Rolf Westheider die Aktualität der Ausstellung zusammen. Damit auch die junge Generation sich mit den Folgen eines Krieges auseinandersetzen und ein Zeichen des Friedens setzen kann, organisiert die Jugendabteilung des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge regelmäßige Jugendcamps. Seit 1997 – anfangs fast ausschließlich mit Schülern des Evangelisch-Stiftschen Gymnasiums (ESG) – werden Fahrten in die russische Partnerstadt Güterslohs, nach Rshew, organisiert.

Das vergangene Camp war ein besonderes. Dokumentarfotograf Andrey Sosnin nahm teil und hatte gleichzeitig den Auftrag, das Leben und Arbeiten im Camp in Fotos festzuhalten. Der 30-Jährige stammt aus Sibirien, lebt jedoch seit fast elf Jahren in Deutschland. "Ich habe an der Fachhochschule Bielefeld Deutsch als Fremdsprache studiert", erzählt Sosnin, dem seine umfangreichen Sprachkenntnisse im Camp in Rshew natürlich zugute kamen.

Die Leidenschaft Sosnins gilt aber der Dokumentarfotografie. Deshalb schließt er aktuell auch noch ein Fotografiestudium in Bielefeld an. "Als ich die 15 deutschen und 15 russischen Jugendlichen in Rshew bei den Kriegsgräbern fotografiert habe, habe ich darauf geachtet, sie in Arbeiter- und Helden-Posen abzubilden", erklärt der 30-Jährige. Schließlich seien diese jungen Menschen, die sich mit der Vergangenheit beschäftigen wollen, auf gewisse Weise Helden der Gegenwart. "Sie werden das Erlebte, ihre Empfindungen nicht vergessen und weitererzählen. Das ist viel wert", findet Sosnin.

Der Grund, weshalb sein 1919 gegründeter Verein den jungen Fotografen für das Camp gewonnen hatte, ist ein ganz einfacher, wie Stefan Schmidt vom Volksbund erklärt: "Wir wollen mit dieser Ausstellung Werbung machen. Dafür sorgen, dass sich auch in Zukunft Jugendliche ab 16 Jahre dafür interessieren, sich mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen." Dass es in einem solches Camp nicht nur ernsthaft zugeht, zeigt ein zweiter Teil der Ausstellung. "Ich habe – ergänzend zu den eher ernsthaften Einzelporträts – auch Collagen gemacht, die den Spaß und das Leben miteinander im Camp zeigen. Erst so ist das Bild vollkommen", so Sosnin.

Rolf Furtwängler, der als Studiendirektor am ESG 1997 das erste Jugendcamp in Rshew organisierte, wird zur Ausstellungseröffnung am Samstag (16 Uhr) gemeinsam mit Bürgermeisterin Maria Unger das Grußwort sprechen.

Im Sommer des kommenden Jahres wird es wieder ein Jugendcamp in Rshew geben. Informationen dazu gibt es via Internet: www.volksbund.de

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