Gütersloh Lernen jenseits der Grenzen

Partnerstädte vereinbaren Praktikantenaustausch im Kampf gegen Jugendarbeitslosigkeit

Natalja Vorobeva, Bürgermeisterin von Güterslohs Partnerstadt Rshew, will die Kontakte erweitern und für junge Menschen Praktikumsplätze suchen.
Natalja Vorobeva, Bürgermeisterin von Güterslohs Partnerstadt Rshew, will die Kontakte erweitern und für junge Menschen Praktikumsplätze suchen.

Gütersloh (NW). Broxtowe, Châteauroux, Falun, Gütersloh und Graudenz wollen zukünftig an einem Strang ziehen und kooperieren, wenn es darum geht, jungen Menschen aus der Sekundarstufe 1 Praktikumsstellen anzubieten. Eng an der Seite der Partnerstädte sind die Netzwerkschulen in Gütersloh, Broxtowe und Graudenz, in Spanien und auch das Gymnasium im griechischen Serres. Als Ergebnis eines Workshops im Städtischen Gymnasium unterzeichneten sie am Samstag eine Vereinbarung zur Gründung einer Europäischen Praktikumsbörse.

"Die Gründung eines solchen Netzwerkes kann dazu geeignet sein, europaweit als Vorbild zu dienen", sagte Bürgermeisterin Maria Unger.

Sie alle wollen handeln. Gütersloh geht mit gutem Beispiel voran und zeigte in dem Workshop zur Europäischen Praktikumsbörse mit 70 Teilnehmern zehn Praktikumsplätze auf, die in Gütersloher Unternehmen für die Partnerstädte zur Verfügung stehen: in der Volkshochschule, bei Bertelsmann, Miele, bei Radio Gütersloh und bei GTownMusic OWL.

Auch die Partnerstädte sehen Potenzial, um jungen Menschen Berufserfahrungen zu ermöglichen. Robert Malinowski, Stadtpräsident in Graudenz, nannte zum Beispiel den Wärmeversorger OPEC, das Graudenzer Krankenhaus mit 110 Betten oder auch die Wasserwerke und die Stadtverwaltung als Bereiche, die für Praktikanten aus Europa interessant sein könnten.

Ein Praktikant aus den Partnerstädten ist zurzeit bereits in Gütersloh. Maria Unger begrüßte Michael Slusarski aus Graudenz, der zurzeit ein dreiwöchiges Praktikum in der Stadtverwaltung Gütersloh absolviert. Für ihn war die Veranstaltung zur Praktikumsbörse der erste Tag seines Praktikums.

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Städtewappen zieren Pflaster vor dem Rathaus

Bürgermeisterin Maria Unger hat mit Vertretern der Gütersloher Partnerstädte Rshew und Graudenz den "Walk of Fame" vor dem Rathaus erweitert.

Feierlich wurden die in Bronze gegossenen Wappen der Partnerstädte zu den bereits vor einem und vor zwei Jahren angelegten Wappen der älteren Partnerstädte Châteauroux und Broxtowe ins Pflaster eingelassen.

Auch das Wappen von Falun glänzt jetzt vor dem Rathauseingang, wenngleich die schwedische Stadt aufgrund von Erkrankung des Bürgermeisters kurzfristig abgesagt hatte. Natalja Vorobeva, die junge Bürgermeisterin von Rshew, und Robert Malinowski, der Stadtpräsident von Graudenz, bedankten sich in kurzen Reden.

Etwa 80 Gäste waren zu der Zeremonie gekommen. "Jetzt ist unser Walk of Fame komplett", freute sich Unger. Die Bürgermeisterin sieht die Verbindungen Güterslohs mit den Partnerstädten in den Bereichen Schule, Kultur und Vereinen nun für den Bürger sichtbar gemacht. Die Partnerschaft Güterslohs mit Châteauroux (Frankreich) besteht seit 1977.

1978 folgte dann die Vertragsunterzeichnung mit Broxtowe (Großbritannien). Graudenz (Polen) folgte 1989, Falun (Schweden) 1994 und Rshew (Russland) 2009. (rob)

Europa ist so nah. Das konnten auch Philip Kattenstroth und Anna Siekmann, Schüler des Städtischen Gymnasiums, bei ihrem dreiwöchigen Praktikum bei der Firma Miele in Dublin erleben. Sie berichteten in dem Workshop von ihren Erfahrungen in den Unternehmensbereichen Marketing, Service und Finanzen der Firma Miele und vor allem von ihrem Trip mit den Ingenieuren, der sie in viele irische Haushalte führte und interessante Kontakte und Einblicke ermöglichte.

Auch Hagen Schürmann und Annemarie Peitz, Schüler der Geschwister-Scholl-Reaschlule, sind in Sachen Europa auf dem Laufenden. Zum einen hatten sie in ihrer Europaschule bereits viele Gelegenheiten, beispielsweise beim Planspiel zum europäischen Parlament und der Juniorwahl zur Europawahl. Zum anderen haben sie einige Gastschüler kennengelernt, die im Austausch bei ihnen zu Hause gelebt haben.

Die Vereinbarung bekräftigt das Engagement für das Angebot von Berufspraktika in Gütersloh und im EU-Ausland. Den Schülern wird dadurch die Chance eröffnet, das Arbeits- und gesellschaftliche Leben in den Partnerstädten kennenzulernen. Das Projekt soll eine Brücke zu europäischen Schulen, Städten und Ländern bauen.

Die Initiative zu dem Workshop hatte Jörg Möllenbrock von der Stadt Gütersloh ergriffen, der vier Wochen im Europabüro des Deutschen Städtebüros in Brüssel hospitiert hatte. Dort stand unter anderem auch die Netzwerkarbeit in Europa im Mittelpunkt. Gefördert wurde der Workshop durch die EU aus dem Programm "Europa für Bürgerinnen und Bürger".

Ziel des Projekts ist die Ausweitung des Netzwerkes, gerade mit Partnern aus EU-Ländern mit sehr hoher Jugendarbeitslosigkeit. Darauf hatte auch der Europa-Parlamentarier Elmar Brok hingewiesen, der über die Jugendarbeitslosigkeit in Europa und die Maßnahmen der Europäischen Union berichtete.

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