Gütersloh Pauschales Geständnis überzeugt Gericht nicht

Anklage wirft 61-jährigem Gütersloher schweren sexuellen Missbrauch eines Kindes und Besitz von Kinderpornografie vor

Gütersloh/Bielefeld (joh). Sexuellen Missbrauch eines Kindes in 58 zum Teil besonders schweren Fällen sowie Besitz von Kinderpornografie wirft Oberstaatsanwältin Dorothea Ehresmann dem 61-jährigen Gütersloher Bernd H. (Name geändert) vor. Gestern begann vor der II. Großen Strafkammer des Bielefelder Landgerichts der Prozess.

Die Anklage umfasst nur den Zeitraum von Juli 2004 als die Übergriffe an der damals zwölfjährigen Nachbarstochter Nicole (Name geändert) begannen bis zum 14. Geburtstag des Mädchens. Die "echte Liebesbeziehung", so der Angeklagte, dauerte danach noch fünf Jahre. Was in dieser Zeit geschah, wurde offenbar als strafrechtlich nicht relevant angesehen.

Zu Beginn der Verhandlung verlas Verteidiger Nikolai Bolte eine in wenige dürre Sätze gefasste Erklärung seines Mandanten. Darin räumt Bernd H. die Vorwürfe im wesentlichen ein, bestreitet aber die seiner Ansicht nach zu hohe Anzahl der Fälle. Weiter gehende Fragen wollte er nicht beantworten.

Bereits im Vorfeld hatte der Anwalt zu verstehen gegeben, dass er sich folgende Einigung vorstellen könne: Für ein Geständnis und eine Schmerzensgeldzahlung von etwa 3.000 Euro an die Geschädigte im Gegenzug eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren.

Dieser Vorschlag und das pauschale Geständnis des Angeklagten kamen beim Vorsitzenden Georg Zimmermann nicht gut an. Durch die Unmengen von sichergestelltem Beweismaterial in Form von Fotos und Schriften sei der Sachverhalt ohnehin weitgehend aufgeklärt, teilte der Richter dem Angeklagten seine "persönlichen Überlegungen" mit.

Ein "düsteres Bild" zeichne aber das "obsessive Verhalten" H.s, sowohl in sexueller Hinsicht als auch in der Auseinandersetzung mit dem Mädchen. Eine Bewährungsstrafe liege daher "nicht besonders nahe". Vielmehr sei ein "mittlerer einstelliger Strafbereich" wahrscheinlicher.

Nach Beratung mit seinem Verteidiger besann sich Bernd H. und berichtete ausführlich über die Beziehung. Die Vernehmung von Nicole erfolgte anschließend auf Antrag ihrer Anwältin Gabriele Martens unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Martens stellte einen so genannten Adhäsionsantrag, in dem sie für ihre Mandantin 20.000 Euro Schmerzensgeld fordert. Der Prozess wird am 25. Juni fortgesetzt.

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