Gütersloh Bertelsmann schließt seine deutschen Buchclubs

Rund 450 Mitarbeiter betroffen

Bertelsmann schließt seine deutschen Buchclubs - © Gütersloh
Bertelsmann schließt seine deutschen Buchclubs | © Gütersloh

Gütersloh. Bei Bertelsmann endet eine Epoche. In anderthalb Jahren, Ende 2015, gibt der Konzern sein deutschsprachiges Buchclubgeschäft in Deutschland, Österreich und der Schweiz auf. Das hat Fernando Carro, bei Bertelsmann verantwortlich für die Clubsparte, bestätigt. Von dem Schritt betroffen sind am Stammsitz in Rheda-Wiedenbrück rund 200 Mitarbeiter, weitere 60 in Berlin und 70 Mitarbeiter in Nordhorn.

Geschlossen werden auch die 52 verbliebenen Buchclub-Filialen. Hier verlieren weitere 120 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz. Die letzte Filiale, die Bertelsmann aufgibt, soll dann Ende 2015 die in Gütersloh sein.

"Schweren Herzens" habe man beschlossen, den Buchclub aufzugeben. Die Entscheidung sei nicht leichtgefallen, sie sei aber unumgänglich. "Das Geschäftsmodell des Clubs hat wirtschaftlich keine tragfähige Basis mehr", erklärt Carro.

Die Bertelsmann-Eigentümerfamilie Mohn sei in die Entscheidung eng eingebunden, versichert Carro. "Sie trägt die Entscheidung mit." Auch der Vorstand heiße die Entscheidung gut.

Bertelsmann trennt sich vom Buchclub-Geschäft. - © FOTO: BERTELSMANN
Bertelsmann trennt sich vom Buchclub-Geschäft. | © FOTO: BERTELSMANN

Reinhard Mohn hatte die Buchclubs 1950 gegründet und damit Buchdruckerei und Verlag zu einem fulminanten Wachstum verholfen. In der Blütezeit der Clubs, in den 90er Jahren nach der Wiedervereinigung, hatten die Bertelsmann-Buchclubs sieben Millionen Mitglieder, jedes Quartal von neuem versorgte sie der Medienkonzern in den mehr als 300 Filialen mit einem frischen Buch. Der Umsatz erreichte damals 700 Millionen Euro.

Heute hat der deutsche Buchclub nur noch rund eine Million Mitglieder, Tendenz fallend. Und auch die bestellen nicht mehr so fleißig wie in der Vergangenheit. Noch schlimmer: Das Werben von Neukunden ist nahezu unmöglich.

Nach der Boomzeit Anfang der 90er Jahre hat die Buchsparte bereits 1998 zum ersten Mal rote Zahlen geschrieben, ein Plus blieb lediglich in den Jahren 2006 bis 2010. Der Buchhandel insgesamt leide, sagt Carro. "Wir haben den großen Konkurrenten Amazon. Dagegen kommen wir auch mit einer Million Mitgliedern nicht an."

Für die Kunden werde sich in den nächsten anderthalb Jahren nichts ändern, sagt Geschäftsführer Christoph Mittendorf. Der Geschäftsbetrieb laufe weiter. "Sie erhalten weiterhin Kataloge und können ihre Bestellungen per Katalog, Website und Telefon abgeben."

Mit den Beschäftigten werde man unmittelbar Gespräche aufnehmen, versichert Mittendorf, ein Sozialplan werde erarbeitet. Man hoffe, dass nicht alle der 200 Mitarbeiter in Rheda Wiedenbrück ihren Job verlieren. Abfindungen, Altersteilzeit und der Wechsel in die Bertelsmann-Transfergesellschaft seien möglich. Geschäftsführer Mittendorf verspricht, er selbst werde bis mindestens Ende 2015 an Bord bleiben, um den Prozess zu begleiten. "Ich sehe eher das Risiko, dass Mitarbeiter frühzeitig abgeworben werden", mutmaßt Carro.

Als dritte Gruppe sind von der Schließung auch die sogenannten Verpächter betroffen, die in der Anfangszeit des Clubs auf eigene Kosten Mitglieder geworben haben und dafür Provision bekamen. "Auch mit ihnen werden wir reden", sagt Mittendorf.

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