Gütersloh 01:31 Bertelsmann schließt Journalisten-Akademie

Engagement für Pressefreiheit offenbar zu teuer

Gütersloh (tcg). Nach nur drei Jahren macht Bertelsmann im Sommer die Journalistenakademie "Intajour" wieder dicht. Mit großer Geste hatte Liz Mohn das Projekt bei der 175-Jahrfeier 2010 im Schauspielhaus am Berliner Gendarmenmarkt aus der Taufe gehoben – um weltweit die Pressefreiheit zu stärken. Die Absolventen – Fellows genannt – kamen vorwiegend aus Ländern, in denen die freie Ausübung ihres Berufes keine Selbstverständlichkeit ist. EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso übernahm im Glanz des Jubiläums die Schirmherrschaft für die "International Academy of Journalism".

Im Sommer dieses Jahres verabschiedet Bertelsmann den dritten und damit letzten Fellow-Jahrgang. Insgesamt hat der Konzern 36 Teilnehmern aus 27 Ländern die "Online- und Präsenzfortbildung" ermöglicht. Nähere Gründe für die Einstellung nennt das Unternehmen nicht, betont aber, dass das Projekt über die drei Jahre einen siebenstelligen Betrag gekostet hat. Die Fellows hatten sich für mehrere Wochen an den Bertelsmann-Standorten Hamburg und Köln sowie in der Hauptstadt Berlin und in Gütersloh getroffen. Teil des Programms war auch eine Online-Learning-Plattform.

Im Intranet des Konzerns ließen die Verantwortlichen verlauten: "Bertelsmann schließt Intajour-Projekt erfolgreich ab." Dabei hat es weder bei der Gründung noch bei der medienwirksamen Vermarktung der Akademie je einen Hinweis auf eine zeitliche Begrenzung des Engagements gegeben.

Zukünftig müssen Journalisten aus Ägypten, Nepal, Ghana, Syrien, Moldawien, Thailand, China, Liberia, Nicaragua, Zimbabwe, Armenien, der Ukraine, Ecuador, Pakistan, Honduras, dem Sudan, Serbien, Aserbaidschan, Sambia, Bangladesch, Gambia, Sri Lanka, Georgien, Uganda, Iran, Kasachstan und Costa Rica auf die Unterstützung des größten europäischen Medienkonzerns verzichten. Bertelsmann erklärte, man habe mit der Akademie einen wichtigen Beitrag zur Ausbildung von Journalisten aus Ländern mit bedrohter oder eingeschränkter Pressefreiheit geleistet. Stolz war man in der Gütersloher Zentrale auch darauf, dass "Intajour" die ausgebildeten Journalisten in einem sich gegenseitig befruchtenden Netzwerk zusammenfasste und ihnen so auch Sicherheit für die Arbeit in ihren Herkunftsländern gegeben habe.

Im Jubiläumsjahr war die Gründung der Akademie auch als Indiz dafür gewertet worden, wie wichtig der Führungsetage von Bertelsmann wertige Inhalte trotz des Zwangs zur Digitalisierung sind.

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