Gütersloh Flughafen soll Schutzzone werden

Biologische Station schließt auch Nutzung für Windräder aus

VON ROBERT BECKER
Bernhard Walter hatte bei seinem Vortrag und seinen Untersuchungen die Heidenelke im Blick. - © FOTO: ROBERT BECKER
Bernhard Walter hatte bei seinem Vortrag und seinen Untersuchungen die Heidenelke im Blick. | © FOTO: ROBERT BECKER

Gütersloh. Geht es nach Bernhard Walter, dem Leiter der Biologischen Station Gütersloh/Bielefeld, dann ist die Konversion für den Flughafen Gütersloh bereits entschieden – zumindest in den überwiegenden Teilen.

Walter hielt am Freitag auf Einladung der Gemeinschaft für Natur- und Umweltschutz (GNU) Gütersloh im Flussbetthotel einen Vortrag über die Erkenntnisse, die er während sieben angemeldeten und überwachten Erkundungstagen zwischen April und Juli 2013 zusammen mit Ulrich Cordes auf dem Airport gesammelt hatte. Das Ergebnis: Bis auf den Briten-Golfplatz, die Landebahn und die Flächen rund um die Gebäude zur Marienfelder Straße ordnen die Fachleute das Flughafenareal als schützenswertes FFH-Gebiet ein.

Es handele sich dort nicht um ein einheitliches Gebiet sondern aus einem Mosaik von Nass- und Feuchtgebieten, führte Walter aus. Nicht nur die Heidenelke gilt als schützenswerte Pflanze auch der Borstgrasrasen, der Straßgrasrasen (auf sandigem Untergrund) oder das Silbergras zählen zu den seltenen Arten.

Insgesamt notierten Cordes und Walter fast 60 verschiedene Arten, "statt der fünf oder sechs, die wir gewöhnlich auf unseren Wiesen vorfinden", so Bernhard Walter. Die Heidenelke dehnt sich auf einer Fläche von 118 Hektar dort aus. "Flächendeckend und apektbildend", nennt das der Fachmann, "selbst in der Senne gibt es das nicht." Die blühenden Flächen reichen direkt bis vor die Hangars.

Wie viele andere Gräser stehen Heidenelke und Arznei-Thymian auf der Roten Liste eins und zwei, der gefährdeten Arten. Daraus leiten die Umweltexperten nach Bundesnaturschutzgesetzt § 30 ein Klagerecht ab, sollte die Politik für die Flughafenkonversion anderweitige Entwicklungen als den Naturschutz vorantreiben.

Neben den Pflanzen wartete Bernhard Walter im voll besetzten Saal des Hotels noch mit seinen Beobachtungen hinsichtlich der Tierwelt auf. So wurden Brutreviere gefährdeter Vogelarten ausfindig gemacht, darunter Rebhühner (3 Paare), der große Brackvogel (4), der Wiesenpiper (2), Rohrweiler (1), Kiebitz (1) und Feldlerche (38).

Dieses große Aufkommen der Feldlerche von 38 Paaren sei äußerst selten geworden. "Aus fielen Gebieten ist sie ganz verschwunden", sagte Walter. Die seltenen Vögel verteilten sich über die gesamte Fläche des Airports. Eine hohe Dicht machten die Biologen entlang der Landebahn aus. "Die Mischung aus Deckung und gemähten Bereichen sind interessant für die Vögel", sagte Bernhard Walter.

Wegen der Vögel komme auch keine Nutzung als Gebiet für Wind- oder Solarenergie in Frage, sagte Walter weiter: "Wenn man die Schutzzonen ernst nimmt, passt auf die Restflächen kein Windrad mehr drauf." Auch Vorschläge für das weitere Schicksal der großen Fläche hatte Bernhard Walter zu bieten. Erstens: Die Landebahn nicht zurückbauen ("Kostet Geld, kann sich die Natur zurückerobern").

Zweitens: Die Mahd entlang der Landebahn weiter durchführen. Drittens: Ausweisung als Offenlandkomplex, mit Anbindung an die Ems und die Schaffung von einer oder mehreren Aussichtsplattformen ("Point of Interest") für die entlang der Ems gehenden oder radelnde Bevölkerung. Die würde er auf der Reise zu einem Naturschutzgebiet gern mitnehmen wollen.

 "Die Stadt Gütersloh ist Gründungsmitglied des Bündnisses für biologische Vielfalt. Wenn sie etwas tun will, ist der Flughafen eine einzigartige Möglichkeit dazu", schloss Bernhard Walter seinen Vortrag.

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