Gütersloh Doppelmord von Gütersloh: Raub ist nur ein mögliches Mordmotiv

Polizei sucht weiterhin fieberhaft nach Spuren / DNA-Material an Hund gesichert

Auf den Treppenstufen vor dem Hauseingang liegen Rosen. Kerzen wurden dort ebenfalls entzündet. Die Männer von der Spurensicherung sind längst abgerückt, das Haus bleibt weiterhin versiegelt – "für mögliche Nachuntersuchungen", wie Ralf Östermann sagt. - © FOTO: PATRICK MENZEL
Auf den Treppenstufen vor dem Hauseingang liegen Rosen. Kerzen wurden dort ebenfalls entzündet. Die Männer von der Spurensicherung sind längst abgerückt, das Haus bleibt weiterhin versiegelt – "für mögliche Nachuntersuchungen", wie Ralf Östermann sagt. | © FOTO: PATRICK MENZEL

Gütersloh. Zwei tote Menschen, die Leichen offenbar furchtbar zugerichtet, kein konkreter Hinweis auf die näheren Umstände des grausamen Verbrechens oder einen Täter. Eine Woche nach dem Doppelmord an der pensionierten Ärztin Helgard G. (74) und ihrem Bruder Hartmut S. (77) steht die Polizei weiterhin vor einem großen Rätsel – und die Nachbarschaft unter Schock.

Obwohl ein Dutzend Beamte nach dem grausamen Drama an Heiligabend fast rund um die Uhr ermitteln, sind sie der Lösung des spektakulären Verbrechens noch nicht entscheidend näher gekommen. Die zwölf Ermittler der Mordkommission "Bad" suchen fieberhaft nach einer heißen Spur.  

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Es gebe lediglich Indizien für einen Raubmord, sagt Chefermittler Ralf Östermann. Zwar sei das Wohnhaus an der Badstraße, die der Mordkommission ihren Namen leiht, von den mutmaßlichen Tätern durchsucht worden, ob und was fehle sei allerdings noch nicht abschließend geklärt. "Auch die Tochter von Frau G. kennt nicht jedes einzelne Schmuckstück im Haus ihrer Mutter", sagt der Kriminalhauptkommissar im Gespräch mit der NW. Größere Wertgegenstände wie Teppiche oder Gemälde seien augenscheinlich nicht aus dem Haus getragen worden. Auch, wenn momentan vieles auf einen Raubmord hindeutet, strecken die Ermittler ihre Fühler in andere Richtungen aus. "Wir können auch ein anderes Motiv nicht gänzlich ausschließen", sagt Östermann.

Große Hoffnung setzen er und sein Team in die Auswertung der am Hund sichergestellten DNA-Spuren. Möglicherweise hat der ebenfalls getötete Colliermischling "Benny" den Täter zuvor gebissen und damit wichtige DNA-Spuren an Schnauze oder Fell isoliert. Mit einem Ergebnis der Laboruntersuchung des Landeskriminalamtes rechnet Östermann "erst in ein paar Tagen". Bis dahin konzentrieren sich die Ermittler verstärkt auf die Hinweise aus der Bevölkerung – 30 an der Zahl sind bis gestern Nachmittag bei der Mordkommission eingegangen. Darunter auch Angaben zu verdächtigen Personen und Fahrzeugen. "Manche Information mussten wir jedoch leider auch schnell relativieren. Der heiße Hinweis, aus dem sich möglicherweise eine Spur entwickelt, ist noch nicht dabei gewesen", sagt Östermann.

Der Chefermittler  wendet sich an die Öffentlichkeit. Man erhoffe sich dringend weitere Hinweise aus der Bevölkerung, um die Fahndung nach dem Täter voranzubringen, sagt der Leiter der Mordkommission.

Auch im persönlichen Umfeld der Getöteten haben die Beamten ihre Ermittlungen aufgenommen. Verwandte, Freunde und Patienten von G. werden befragt. "Wir erhoffen uns dadurch, die Lebensgewohnheiten der Opfer zu beleuchten und den Tatzeitraum weiter einzugrenzen", sagt Östermann.

Nach bisherigen Erkenntnissen vermuten die Ermittler, dass Helgard G. und Hartmut S. am 24. Dezember zwischen 15 und 24 Uhr getötet wurden. Zuvor sollen die Geschwister noch bei einem Spaziergang mit ihrem Hund gesehen worden sein. Die Tochter hatte die Leichen am Mittag des ersten Weihnachtsfeiertages entdeckt, nachdem sie weder die Ärztin noch den Lehrer im Ruhestand über Stunden erreicht hatte. Laut Obduktionsergebnis wurden beide Opfer mit mehreren Stichen getötet. Trotz intensiver Suche mit 80 Beamten von Hundertschaften aus Bielefeld, Dortmund und Köln fehlt von der Tatwaffe weiterhin jede Spur.

Wie berichtet, hatten Anwohner ihre Verwunderung darüber geäußert, dass noch nicht in der nahe fließenden Dalke nach der Waffe getaucht wurde. Östermann: "Wir kennen die Fluchtrichtung des oder der Täter überhaupt nicht." Zudem sei die Dalke ein langer Fluss. "Wenn wir da Taucher reinschicken, ist das wie Stochern im Nebel", so der Mordermittler auf NW-Anfrage.

In der Nachbarschaft der Opfer herrscht immer noch Entsetzen und Angst. "Ich möchte mich am Liebsten zu Hause einschließen", sagt gestern eine Spaziergängerin im Stadtpark. Sie hat Angst, der oder die Täter könnten in die noble Wohngegend zurückkehren. Andere Anwohner äußerten sich ähnlich.

Karl-Heinz Stehrenberg, Sprecher der Polizei in Gütersloh, kündigt für die nächsten Tage verstärkt Streifenfahrten durch das Wohngebiet am Stadtpark an.

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